Winterfahrplan: Kaputte Straßenbahnen zwingen BSAG zu Einschränkungen

Bedingt einsatzbereit

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In der Werkstatt und nicht auf den Schienen – Züge des Typs GT8N machen der Bremer Straßenbahn AG große Sorgen, weil sie verschlissen sind. Jetzt kommt es zu Ausfällen.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. „Wir befinden uns im Krisenmanagement“, sagt Jens-Christian Meyer, Sprecher der Bremer Straßenbahn AG (BSAG). „Wir fahren mit null Reserve.“ Verschleiß und Schäden setzen den Straßenbahnzügen zu. Die BSAG-Flotte ist mittlerweile so ausgedünnt, dass es mit Beginn des Winterfahrplans am Montag, 5. Oktober, auf den Linien 4, 6 und 8 zu Einschränkungen kommen wird.

Einschnitte im Fahrplan, weil Bahnen nicht mehr fahrtüchtig sind – das hat es noch nicht gegeben. „Die Infrastruktur der Stadt beginnt in Schieflage zu kommen“, so Meyer. Betroffen sind vor allem Züge des Typs GT8N – Niederflurbahnen, die in der Zeit von 1993 bis 1996 angeschafft worden sind. „Die halten 30 Jahre“, habe man in den 90ern geglaubt, sagt Meyer.

30 Jahre allerdings bei einer Laufleistung von 55000 Kilometern im Jahr. „Aber die sind 20 Jahre lang bis zu 80000 und 90000 Kilometer gelaufen.“ Also haben sie ihre maximale Laufleistung bereits erreicht. „Und das ist eben jetzt.“ Die BSAG hat schon früher auf die Problematik hingewiesen.

„Seit drei Jahren gibt es Gepräche mit der Stadt und mit der Politik“, sagt Meyer. Geld aber gab es noch nicht. Bremen hat ja auch keins. Das war bereits in den 90er Jahren so. Die BSAG wollte damals etwas mehr als 100 neue Fahrzeuge bestellen. Genehmigt wurden ihr 78 Bahnen, von denen sie heute noch 76 hat. Hinzu kommen 43 Züge des neueren (und breiteren) Niederflurtyps GT8N-1. Im rot-grünen Koalitionsvertrag ist von 67 neuen Bahnen die Rede, weitere zehn sollen saniert werden. Finanzsenatorin Karoline Linnert (Grüne) will nun aber prüfen, ob man nicht noch mehr Fahrzeuge reparieren kann.

Bedingt einsatzbereit: Risse in den Drehgestellen (sprich: Fahrwerken), Risse in den Wagenkästen der älteren Bahnen – da ist so manches nicht mehr verkehrssicher und wird folglich aus dem Verkehr gezogen. Von den insgesamt 119 Bahnen der BSAG stehen derzeit 23, sagt Meyer – 17 des alten, sechs des neuen Typs. In der BSAG-Werkstatt arbeiten 90 Mitarbeiter auf 16 Strängen im Überstunden-Modus. Dennoch ist der Verfall nicht aufzuhalten.

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Fallen noch weitere Bahnen durch Verschleiß oder Verkehrsunfälle aus, werde „die nächste Stufe des Krisenmanagements“ erreicht, sagt BSAG-Sprecher Meyer. Bis jetzt sieht das Krisenmanagement so aus:

Auf der Linie 4 (Arsten bis Borgfeld oder Lilienthal und zurück) müssen werktags am Nachmittag Einsatz-Bahnen (4E) gestrichen werden, die normalerweise in Stoßzeiten (Berufsverkehr, Pendler) für Entlastung sorgen.

Auch auf der Linie 6 (Flughafen bis Uni und zurück) fallen Einsatz-Bahnen (6E) weg. Zum Vorlesungsschluss an der Uni werden sie am Nachmittag aber durch Busse ersetzt, die bis zum Hauptbahnhof fahren.

Am stärksten trifft‘s die Linie 8 (Huchting bis Kulenkampffallee und zurück), die laut BSAG-Auskunft das geringste Fahrgastaufkommen hat. Montags bis freitags fahren die Straßenbahnen der Linie 8 alle 20 Minuten nur noch auf folgender Strecke: Roland-Center – Am Brill – Obernstraße – Domsheide – Roland-Center. Ansonsten gilt: Busse statt Bahnen zur Kulenkampffallee, sprich: Ersatzbusse pendeln als Linie 8E alle 20 Minuten zwischen der Domsheide, Hauptbahnhof und Kulenkampffallee.

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