Fockes Fluglabor vorerst geschlossen

Windstille im Windkanal

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Bis dato wird in „Fockes Windkanal“ geforscht. Doch jetzt schließt der Förderverein um Kai Steffen (l.) und Olaf von Engeln das Fluglabor. In der Auseinandersetzung mit der Focke-Tochter Sigrid Hopf ist immer noch keine Lösung in Reichweite.

Bremen - Von Jörg Esser. Der Elan ist futsch. Langfristige Perspektiven fehlen. Der seit fünf Jahren andauernde Schwebezustand zermürbt Kai Steffen, Olaf von Engeln und ihre Mitstreiter vom Verein „Focke-Windkanal“. Jetzt ziehen sie die Notbremse und schließen das legendäre Fluglabor des Bremer Luftfahrtpioniers Henrich Focke bis auf weiteres: Im Windkanal herrscht Windstille.

Seit Frühjahr 2012 hängt der Verein in der Luft. Vor fast genau fünf Jahren nämlich kündigte Fockes Tochter, Sigrid Hopf aus München, dem Verein fristlos den bis Ende 2025 laufenden Nutzungsvertrag. Seither versucht der Verein laut Steffen, die Kommunikation mit der Erbin des Flugpioniers fortzuführen. Doch es hakt. „Wir haben immer noch keine Lösung gefunden“, sagt Steffen, der Vorsitzende des Windkanal-Fördervereins. Und spricht von einer langwierigen Geschichte. Es fehle Planungssicherheit für zukünftige Projekte. „Viele Ideen liegen auf Halde“, sagt Steffens Vize Olaf von Engeln. Doch Steffen, von Engeln und Co. wollen nicht noch mehr Zeit, besser gesagt Freizeit, in ein Projekt stecken, dessen Zukunft so unsicher ist. „Die Situation ist eine nervliche Belastung“, sagt von Engeln.

Ein einzigartiges Denkmal

Schließlich hat der Verein seit der offiziellen (Wieder-)- Eröffnung am 25. Februar 2005 bis heute trotz unklarer Vertragsverhältnisse Windkanal und Fluglabor für die Öffentlichkeit zugänglich gehalten und außerdem Schülern, Studenten sowie Firmen, Stiftungen und Schiffbaubüros wissenschaftliche Versuche in dem Technikmuseum ermöglicht. Bremen jedenfalls verfügt mit dem 1960 erbauten Windkanal des 1979 gestorbenen Luftfahrtpioniers Henrich Focke, das in einem Hofgebäude an der Emil-Waldmann-Straße untergebracht ist, über ein einzigartiges Denkmal. „Kein Ort der Welt verfügt über ein Labor mit dem Forschungsequipment eines Hubschrauber-Erfinders“, sagt Steffen. „Das ist ein nahezu idealer außeruniversitärer Lernort für die mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer.“

Die technische Grundausstattung des Windkanals ist einfach und effektiv. Ein Elektromotor mit 14 Kilowatt Leistung sorgte für eine bis zu 70   Kilometern pro Stunde schnelle Windsimulation. Mechanische Küchenwaagen dienen zum Messen der wirkenden Kräfte, Ofenrohre steuern den Luftstrom und entsprechend angeordnete Gardinen entziehen ihm seine Verwirbelungen. Bis 1975 forschte Focke hier auf dem Feld der Aerodynamik.

Vor dem Verfall gerettet

Kai Steffen hat das Kleinod vor dem Verfall gerettet, einen Förderverein formiert, der finanzielle Mittel einwirbt und das reichlich heruntergekommene Objekt baulich und technisch aufwendig restauriert hat. 2003 wurde mit der Focke-Familie ein „vorläufiger Nutzungsvertrag“ bis 2025 geschlossen. „Fockes Windkanal“ steht seit 2004 unter Denkmalschutz. Und Landesdenkmalpfleger Professor Georg Skalecki ist in die Verhandlungen mit der Focke-Tochter involviert. Er hat erreicht, dass sie ein defektes Fenster austauschen lässt. Auch der Auftrag zur Dachsanierung sei bereits vergeben, heißt es.

Der 20 Mitglieder starke Verein passt weiter auf, dass im Labor nichts kaputtgeht. Er hält das Gebäude auch im Winter frostfrei. Spenden seien willkommen, um die Betriebskosten zu decken, sagt Steffen. Doch: Im Windkanal herrscht vorerst Windstille.

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