Erstflug eines „Mini-Launchers“ ist für 2021 geplant

Satellitenhersteller will eigene Rakete in den Orbit schicken

+
OHB-Chef Marco Fuchs will Ende 2021 eine Trägerrakete ins All schicken.

Der Bremer Satellitenhersteller OHB will 2021 eine eigene Trägerrakete in den Orbit schicken. Das Unternehmen arbeitet nach Angaben von Vorstandschef Marco Fuchs bereits an der Entwicklung einer Rakete für kleine Nutzlasten. Der Erstflug sei für Ende 2021 geplant.

Bremen - Gebaut und entwickelt wird der „Mini-Launcher“ allerdings nicht in der Bremer Firmenzentrale, sondern in Augsburg. An dem Standort gründete der Konzern im vergangenen Jahr die Gesellschaft „Rocket Factory Augsburg (RFA)“. Die Gesellschaft verfügt nach Firmenangaben mittlerweile über 35 hochqualifizierte Mitarbeiter und verfolgt einen „New-Space-Ansatz“ mit dem Ziel, eine kostengünstige Rakete zu entwickeln, die gleichzeitig eine hohe Zuverlässigkeit besitzt. Erste Test von wesentlichen Subsystemen seien bereits erfolgreich abgeschlossen, heißt es weiter.

„Eine eigene Rakete ist für OHB ein folgerichtiger Schritt“, sagte Fuchs dem Wirtschaftsnachrichtendienst Bloomberg. „Wir werden da erst einmal unser eigener Kunde sein und eigene Satelliten in den Orbit bringen.“ OHB ist zu einem weltweit agierenden Konzern mit rund 2 800 Mitarbeitern gewachsen. Das Bremer Unternehmen hat sich vor allem als Satellitenbauer einen Namen gemacht. Mit dem Auftrag der europäischen Weltraumagentur Esa für die Entwicklung und den Bau der europäischen Galileo-Satelliten hat OHB den endgültigen Durchbruch in die internationalen Schlagzeilen und ins All geschafft. Mittlerweile sind 22  Satelliten im Orbit in Betrieb, zwölf weitere werden bis 2021 gebaut. OHB entwickelt auch Kleinsatelliten mit einem Gewicht von bis zu 700 Kilo für Telekommunikation und Erdbeobachtung. Und in ebenjener Gewichtsklasse sieht Fuchs ein „stark wachsendes Marktpotenzial“.

Bislang werden die OHB-Satelliten von externen Dienstleistern wie Arianespace oder „SpaceX“, der Raumfahrtfirma des US-Milliardärs Elon Musk, gestartet. Mit einer eigenen Trägerrakete werden die Bremer folglich unabhängiger. Außerdem werden sie zum Konkurrenten von Musk, in dem sie Kunden mit ihrem „Mini-Launcher“ eine günstige Alternative bieten.

Mit dem Raketenbau betritt der Raumfahrtkonzern kein Neuland. Die in Augsburg ansässige OHB-Tochter MT Aerospace stellt unter anderem die Tanks für die neue europäische Trägerrakete Ariane 6 her.

Die OHB-Wurzeln reichen bis ins Jahr 1981 zurück, als Marco Fuchs’ Mutter Christa die Firma „Otto Hydraulik Bremen“ kaufte, einen „Reparaturbetrieb mit fünf Mitarbeitern“. 1985 stieg ihr Mann Manfred Fuchs, gebürtiger Südtiroler, ins Unternehmen ein und legte den Grundstein für das Raumfahrtgeschäft. Marco Fuchs ist seit 1995 im Familienunternehmen, das damals 50 Mitarbeiter hatte. Seit 2000 ist er Vorstandsvorsitzender der börsennotierten OHB SE.

In die Bremer Firmenzentrale will OHB bis 2020 rund 20 Millionen Euro investieren. Derzeit wird eine Reinraumhalle mit mehr Produktionskapazitäten gebaut. 2018 lag die Gesamtleistung des Konzerns erstmals über der Milliardengrenze. Für Fuchs war das ein „Meilenstein in der Unternehmensgeschichte“. Den Auftragsbestand beziffert der Konzernchef auf 2,5 Milliarden Euro: „Die Hallen sind gut gefüllt.“

Fuchs sieht OHB gut aufgestellt. Er erwartet noch Boomjahre und Boom-Jahrzehnte. Satellitennavigation sei zum Alltag, Raumfahrt zum nützlichen Allgemeingut geworden.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Die Themen der Reisemesse ITB

Die Themen der Reisemesse ITB

Neue Dokumente: Willkürliche Inhaftierung von Uiguren

Neue Dokumente: Willkürliche Inhaftierung von Uiguren

So wird das Auto fit für den Frühling

So wird das Auto fit für den Frühling

Neuseelands Abel Tasman National Park

Neuseelands Abel Tasman National Park

Meistgelesene Artikel

In Bremen entsteht viertes Hospiz - Bauantrag bereits gestellt

In Bremen entsteht viertes Hospiz - Bauantrag bereits gestellt

Klimaforscher warnt vor Hysterie und kritisiert „Fridays for Future“-Bewegung

Klimaforscher warnt vor Hysterie und kritisiert „Fridays for Future“-Bewegung

Schaffermahlzeit: Küchenchef kocht sonst in Brinkum

Schaffermahlzeit: Küchenchef kocht sonst in Brinkum

Brände im Bremer Steintorviertel - rechtspolitischer Hintergrund möglich

Brände im Bremer Steintorviertel - rechtspolitischer Hintergrund möglich

Kommentare