Bastel-Workshops, Kochkurse und Diskussionen über Trump

„Amerika-Fest“ im Übersee-Museum Bremen

Die „Gruppo Alegria“ aus Bremen repräsentierte beim „Amerika-Fest“ den südamerikanischen Kontinent, genauer: Brasilien. Die Gruppe, die es seit fast 25 Jahren gibt, zeigt sich auch regelmäßig beim Bremer Samba-Karneval. - Foto: Koller

Bremen - Von Steffen Koller. Zwischen Börsenspekulationen, Totenkult und Kojoten, zwischen Rastafari und Eiszeit: Kaum eine Region der Erde ist so stark von Gegensätzen geprägt wie der Doppelkontinent Süd- und Nordamerika. Eine neue Dauerausstellung im Bremer Übersee-Museum widmet sich seit Anfang des Monats genau diesem Gebiet der Erde (wir berichteten. Am Wochenende lockte ein „Amerika-Fest“ mehr als 700 Besucher dorthin – „Cempasúchil-Kranz“ und wilde Tanzeinlagen inklusive.

Der Geruch von südamerikanischen Spezialitäten und frischem Kaffee liegt in der Luft, als Besucher in die riesige Halle des Übersee-Museums strömen. Frauen in knallbunten Kostümen begrüßen die Menschen, die sich trotz Temperaturen um den Gefrierpunkt aufmachen, um sich einerseits über den Doppelkontinent zu informieren, aber auch – und das steht ebenfalls im Mittelpunkt – in einen kulturellen Austausch zu treten.

Nicht zuletzt durch die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten sind die Vereinigten Staaten mal wieder mehr in den Fokus der öffentlichen Debatte geraten. Was den ein oder anderen verblüfft, lässt die Museumsbesucherin Ingrid (42) aus Bremen eher schaudern. „Amerika ist ein so tolles Land. Die Natur, die Menschen, die Geschichte – einfach interessant“, sagt die passionierte Reisende, die bereits vier Mal dort war. „Die Menschen denken scheinbar nicht weit genug. Dieser Mann wird Amerika kaputtmachen“, fürchtet sie und widmet sich dem bunten Angebot in der zweiten Etage des Museums. „Heute will ich darüber nicht nachdenken.“

Die Organisatoren haben für das achtstündige Programm viele Facetten desDoppelkontinents ausgearbeitet, bieten kulinarische Genüsse in Form von Teigtaschen mit Hackfleisch an und lassen bei einem guatemaltekischen Kochkursus die Besucher selbst an die Kochtöpfe. Wer sich bereits gestärkt hat, dem begegnen gleich zwei Bastel-Workshops im Museum.

Nina und Marie (beide 6) aus Osterholz-Scharmbeck strahlen übers ganze Gesicht, als ihre „Klemm-Ameise“ endlich fertig ist. Nina sagt kurz und knapp zu ihrer Mama: „Los, ich will noch eine Blume bauen.“ Mit Blume ist in diesem Fall ein „Cempasúchil-Kranz“ gemeint, der der Studentenblume nachempfunden wurde und zum „Tag der Toten“ in Mexiko getragen wird. Auch so kann kultureller Austausch funktionieren.

So bunt die Kränze, so farbenfroh stolzieren gleich acht Frauen durch die Räume des Übersee-Museums. Die „Gruppo Alegria“ aus Bremen hat sich extra in Schale geworfen, um sich im kleinen Rahmen den Besuchern zu zeigen. Sonst treten die Damen beim hanseatischen Ableger des Samba-Karnevals vor Zehntausenden auf.

Antonieta Santos aus Brasilien findet das „Amerika-Fest“ sehr „nett“, wie sie sagt – und posiert für die zahlreichen Fotografen, die sie und ihre Tanzpartnerinnen ablichten wollen. Sie hat es ebenfalls eilig, denn nicht nur die nächste Führung wartet auf die Besucher, auch wilde Tanzeinlagen beim „Capoeira“ werden im Erdgeschoss vollführt.

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