Buch „Straßenkultur“ zeigt Methoden für den Umgang mit Jugendgangs auf

„Wie ein Wolfsrudel“

Der Niederländer Frank van Strijen stellte in Bremen sein gerade in Deutschland erschienenes Buch „Straßenkultur“ vor. ·
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Der Niederländer Frank van Strijen stellte in Bremen sein gerade in Deutschland erschienenes Buch „Straßenkultur“ vor. ·

Bremen - Von Nina SeegersJugendgangs leben in ihrer eigenen Welt nach ihren eigenen Regeln. Hierarchische Strukturen, die totale Verweigerung des gesellschaftlichen Systems, in dem sie leben, und allzu oft ein kriminelles Verhalten, prägen ihre Kultur. Einen Zugang zu diesen Jugendlichen zu bekommen, ist schwer, aber nicht unmöglich. Der Niederländer Frank van Strijen zeigt in seinem Buch „Straßenkultur“, wie es geht.

In den Niederlanden ist das Werk schon 2007 erschienen und hat dort große Erfolge gefeiert. Da die deutsche Übersetzung nun erstmals im Ibidem-Verlag (19,90 Euro) erschienen ist, stellte der Autor das Buch im „Fanprojekt“ in Bremen jetzt persönlich vor, erzählte von seinen langjährigen Erfahrungen in der Jugendarbeit und erklärte einzelne Methoden.

„Das, was ich in Coachings sonst in anderthalb Tagen erzähle, packe ich heute in 30 Minuten“, sagte der 35-Jährige scherzend. Und das machte er sehr gut, die Gäste, die weitestgehend selbst aus der Jugendarbeit kamen, hörten mit großer Aufmerksamkeit zu. Strijen gelang es, kompliziert erscheinende Sachverhalte lebendig zu erklären und mit einfachen Worten auf den Punkt zu bringen.

Er betonte, dass es viele verschiedene Formen von Straßenkultur gebe und nicht alle dazugehörigen Jugendlichen kriminell seien. Das Risiko, Grenzen der Legalität zu überschreiten, sei jedoch sehr hoch.

„Diese ,Peer Groups‘ funktionieren im Grunde wie ein Wolfsrudel: Es gibt einen Anführer, der Gruppenzusammenhalt ist sehr stark ausgeprägt und alle anderen, die nicht zu ihrer Gruppe gehören, werden abgelehnt“, erklärte er. Solidarisch und loyal mit der Gruppe zu sein, stehe für die einzelnen Mitglieder an oberster Stelle. „Das Gruppeninteresse ist stärker als das individuelle Interesse“, so Strijen. Die Angst, nicht mehr dieser Gruppe anzugehören, seine Identität zu verlieren, sei für viele Jugendliche meist viel größer als vor strafrechtlichen Konsequenzen, betonte der Autor.

Wolle man als Außenstehender in die Gruppe eindringen, erfordere das oft eine sehr lange Zeit, er selbst habe bei der Arbeit mit Jugendlichen in Problemstadtteilen Rotterdams machmal über ein Jahr gebraucht, bis ihm vertraut wurde, berichtete Strijen. Wichtig sei es dabei, Zugang zum Anführer der Gruppe zu erlangen. „Denn dann ist es möglich durch diese Einzelperson den gesamten Gruppentrend positiv zu verändern“, weiß der Jugendexperte.

Die Ursachen für Straßenkultur seien mannigfaltig. Soziale Benachteiligung, Ausgrenzung, Diskriminierung seien einige Faktoren. Was einst eine Subkultur gewesen sei, habe sich längst zu einer Modeerscheinung entwickelt, so dass sich unter anderem auch Jugendliche aus bürgerlichen Verhältnissen dieser Bewegung anschließen, sagte der Niederländer.

„Es gibt zwar eine Vielzahl an wissenschaftlichen Abhandlungen über dieses Thema, aber dieses Buch ist das erste, das wirklich Methoden aufzeigt“, erklärte der Übersetzer des Buches, der Lehrer Ronald Matthyjssen, bei der Buchvorstellung.

Im Jahr 2013 ist geplant, in Bremen zu dem Thema eine Fachtagung zu veranstalten, Gespräche mit dem Landesjugendamt Bremen stehen hierzu aber noch aus.

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