Geschichtliche Studie

Widerstands-Netzwerk von Bremen bis Skandinavien

„Es galt eiserne Disziplin!“: Blick in die Studie der Autorin Anne Dünzelmann.
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„Es galt eiserne Disziplin!“: Blick in die Studie der Autorin Anne Dünzelmann.

Bremen – In die Zeit der späten Weimarer Republik führt ein neues Buch der Autorin Anne Dünzelmann, die schon mehrfach Arbeiten zur bremischen Geschichte veröffentlicht hat. Ihre aktuelle Arbeit beschäftigt sich mit einem interessanten Aspekt der politischen Geschichte Bremens ab und um 1930: Dünzelmanns Thema ist die Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands (SAPD), die sich als Alternative zur Sozialdemokratie und zum Parteikommunismus gesehen hat.

Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands? Das war eine Linksabspaltung der SPD. Vorsitzender des Lübecker Jugendverbandes der SAPD zum Beispiel war der junge Herbert Frahm, der seinen Namen wenige Jahre später – im Widerstand gegen die und auf der Flucht vor den Nationalsozialisten – in Willy Brandt ändern sollte. Ein weiteres Mitglied der SAPD war Adolf Ehlers aus dem Bremer Stadtteil Walle. Später, als SPD-Politiker, war Ehlers Innensenator in Bremen – von 1948 bis 1963.

In der Zeit nach 1933 war Ehlers im Widerstand gegen die Nationalsozialisten weiter für die SAPD tätig gewesen. Der Bremer Ableger der SAPD und gerade dessen Tätigkeit in den Jahren ab 1933 war bislang wenig erforscht. Das ändert sich nun mit Dünzelmanns Buch. In dem 206 Seiten umfassenden Band mit dem Titel „Es galt eiserne Disziplin!“ stellt die Autorin das Widerstandsnetzwerk der SAPD vor.

Konspirative Treffen im Bremer Europahafen

Zudem beschreibt Dünzelmann die Arbeit der SAP-Gruppen (im Ausland ohne das „D“ im Namen) im skandinavischen Exil; die Gruppe in Oslo zum Beispiel wurde von Willy Brandt geleitet. Oslo, Kopenhagen, Stockholm, das waren die Gruppen in Skandinavien. Der Bremer Kreis um Adolf Ehlers unterhielt Verbindungen zur Exil-SAP in Oslo und Stockholm.

Die Hafenstadt Bremen bildete im Widerstands-Netzwerk der SAP/SAPD einen wichtigen Knotenpunkt, über den Informationen und Personen nach Skandinavien und wieder zurück gelangten. „Als Anlaufstellen und konspirative Treffpunkte dienten Orte im oder in der Nähe des Europahafens“, schreibt Dünzelmann in ihrem Buch, für das sie schwerpunktmäßig aus Dokumenten-Quellen des Bremer Staatsarchivs geschöpft hat. Warum der Europahafen? „Dort liefen die Schiffe nach Skandinavien aus und von dort kommende ein.“ Und: „Laut Willy Brandt gehörte Bremen zu den letzten Städten, zu denen mit Hilfe schwedischer Seeleute illegale Kontakte bestanden.“

Ein weiterer Bremer Treffpunkt des Bremer SAPD-Widerstands war der Hauptbahnhof. „Mit einer Bahnsteigkarte und entsprechend präpariertem Koffer traf man sich auf einem der Bahnsteige, ebenso auch im Bahnhofsrestaurant.“ Auch Tabakläden, etwa an der Wartburgstraße in Walle, fungierten als konspirative Anlaufstellen. Dünzelmann ergänzt ihre Untersuchung mit einer Reihe von Kurzbiografien, was ihrer Darstellung des Widerstandsnetzwerks zusätzliche Farbe verleiht. Ihre Studie ist als 62. Band der Schriftenreihe des Bremer Staatsarchivs erschienen und kostet im Buchhandel 17 Euro.

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