„Mein Kunst-Stück“ mit Jette Slangerod: „Daytripper“

Wesen durch Größe

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Jette Slangerods Figuren bekommen wesenhafte Züge.

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Daytripper“ (Tagesausflügler) heißt das Bild aus der gleichnamigen Serie von Jette Slangerod, das sie in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. Was Tagesausflügler zurücklassen, werde oft übersehen, sagt Slangerod. Der Künstlerin gab eben das achtlos Weggeworfene den Anstoß zu ihrer neuen Reihe.

Das Ausgangsmotiv für Jette Slangerods „Daytripper“ war eine leere Tüte. „Die hatte sich schon nahezu vollständig ins Erdreich eines Berliner Parks integriert“, sagt Slangerod. Die Struktur kleiner Dinge bliebe oft verborgen, so die gebürtige Dänin: „Vielleicht sehen wir die Struktur und Dramatik einer Form eher, wenn diese in etwa unsere Größe hat.“ Also entwickelte die Künstlerin aus fast unsichtbaren Objekten ihre großformatigen, unübersehbaren „Wesen“. Anreiz können menschliche Hinterlassenschaften sein – wie etwa Müll oder die Flecken auf dem Boden eines lettischen Schlosses.

Slangerods Grundthema ist es, abstrakten Figuren durch Form und Farbe etwas Lebendiges zu geben, eine eigene, wesensartige Persönlichkeit. Die Dramatik der „Daytripper“ zeige sich durch ihre Falten und Knicke. Sie präsentieren sich auf Augenhöhe in der menschlichen Welt. Slangerod malt mit Acryl auf Leinwand. „Am liebsten würde ich direkt auf der Wand malen, aber das wäre unökonomisch“, sagt die Wahlbremerin. Die Offenheit ihrer Bilder provoziere einen Dialog mit der Darstellung. „Deswegen erzähle ich auch nichts über den Ursprung eines Bildes“, fährt Slangerod fort.

Den Wunsch, Künstlerin zu werden, hatte Slangerod schon als Kind. Doch zu einer Zeit, in der Legasthenie noch nicht bekannt war, verbaute Slangerod ihre Schreib- und Leseschwäche noch in Dänemark den Weg zum Abitur und zum Kunststudium. So absolvierte Slangerod eine pädagogische Ausbildung, reiste während der Flower-Power-Zeit durch Europa, malte und fertigte Schmuck. Bremen war ihr als eine der ersten Stationen sympathisch in Erinnerung geblieben.

Eine kleine Erbschaft öffnete ihr neue Türen. Sie machte, was sie schon immer wollte, undbegann ein Kunststudium in Ottersberg. Trotz der Entscheidung, „hauptberuflich Kunst zu schaffen“, musste Slangerod viel nebenher arbeiten und unterrichten, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Ihrer Meinung nach ist das auch die größte Herausforderung des Künstlerlebens: durchzuhalten und auch auf vieles zu verzichten, weil man wenig verdient. Die Zeit, die für den Gelderwerb aufgebracht werden muss, fehle an andere Stelle, beispielsweise für die Bewerbung auf Ausstellungen und Wettbewerbe, die eigene Vermarktung und die künstlerische Produktion.

Nach dem Frühstück sieht Slangerod ihre Mails durch, beginnt anschließend zu malen. Danach widmet sie sich noch einmal der Korrespondenz, um keine Ausschreibung zu verpassen. Für jede Ausschreibung und jede Galerie bedarf es jedes Mal einer individuellen Zusammenstellung von Werken und Texten.

Kunst sei wichtig, weil sie den Menschen die Möglichkeit gibt, Neues zu erleben, ohne dabei manipuliert zu werden, sagt Slangerod. Die vielen Bilder in Alltag und Werbung überforderten uns. Die Kunst hingegen gebe trotz der Bilder ein Stück Freiheit zurück. Zu den Künstlern, die für Slangerod besonders bedeutend sind, zählen die Kanadierin Agnes Martin (1912–2004), die ihr Leben lang Streifen gemalt hat, und der zeitgenössische Raimer Jochems. Seine freien Farbformen findet Slangerod einfach „unglaublich“. Wenn Slangerod jemandem ein Bild als Botschaft schicken sollte, dann ginge eines ihrer wesenhaften Bilder an Finanzsenatorin Karoline Linnert (Grüne), damit sie die Bremer Künstler nicht vergisst.

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