Millionenprojekt Verbrennungsanlage

Wertvolles aus Klärschlamm

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Vier Unternehmen aus der Region Bremen planen eine neue Monoverbrennungsanlage für Klärschlamm. Ein Ziel dabei ist, wichtigen Phosphor zu gewinnen.

Bremen - Von Elisabeth Gnuschke. Wenn alles reibungslos läuft, könnte in Bremen im Jahr 2022 eine Monoverbrennungsanlage für Kärschlamm stehen. Ausgerichtet sein soll die Anlage für eine Kapazität von etwa 50.000 Tonnen Trockenmasse.

Vier Unternehmen aus der Abwasserbranche wollen sich gemeinsam der Verbrennung des Klärschlamms annehmen: der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV), Hansewasser Ver- und Entsorgung, EWE Wasser und SWB Erzeugung. Sie bereiten die Gründung einer Entsorgungsgesellschaft vor. Die zuständigen Gremien der Unternehmen haben dem Vorhaben bereits zugestimmt, nun fehlt noch grünes Licht von den Genehmigungsbehörden, also unter anderem von Bauressort und Kartellamt.

Während der OOWV mitteilte und auf Nachfrage bestätigte, dass die Anlage an einem der SWB-Kraftwerksstandorte in Bremen gebaut werden soll, hielt man sich beim Bremer Energieversorger bedeckt. Es gebe durchaus mehrere potenzielle Standorte – sowohl in Bremen als auch im Umland. „Wir befinden uns in einem ganz frühen Stadium, alles wird jetzt genau geprüft“, sagte SWB-Sprecher Friedhelm Behrens gegenüber unserer Zeitung. Standort und das Prozedere zum Bau sollen 2018 geklärt werden. Dementsprechend bestätigte er nicht, dass das Millionenprojekt am Kraftwerk in der Nähe des Kohlehafens in Oslebshausen entstehen soll.

Gesetzliche Vorgabe liefert Anlass

Hintergrund des gemeinsamen Engagements ist die gesetzliche Vorgabe, dass ab 2030 kein Klärschlamm mehr in der Landwirtschaft aufgebracht werden darf. In Bremen fallen den Angaben zufolge bei Hansewasser 15.000 Tonnen Trockenmasse aus Klärschlamm im Jahr an, die künftig in der neuen Anlage verbrannt werden sollen. Der OOWV steuert 10.000 Tonnen Trockenmasse bei. 

Bisher bringt Hansewasser den Klärschlamm in eine Monoverbrennungsanlage nach Hamburg (einziger Standort im Nordwesten), wo aus der Asche wichtiger Phosphor (zum Beispiel als Dünger) gewonnen wird. Ein anderer Teil wird im SWB-Müllheizkraftwerk in Findorff zusammen mit Abfall verbrannt. Der Phosphor geht dabei verloren, kann nicht extrahiert werden. Zehn Prozent des Bremer Klärschlamms landen bisher auf Feldern in der Region, beim OOWV sind es etwa 40 Prozent.

Ausgiebige Überprüfung notwendig

Die Unternehmen versicherten, dass Umweltverträglichkeit und Emissionsschutz für den Standort der Anlage ausgiebig geprüft würden. Der erzeugte Strom und die Abwärme sollen wiederverwertet werden. Auch die Rückgewinnung von Phosphor, die der Gesetzgeber ab 2029 fordere, sei vorgesehen, sagte OOWV-Sprecher Gunnar Meister. Läuft alles nach Plan, soll die Anlage in vier Jahren in Betrieb gehen.

Ziel der gesetzlichen Vorgabe ab 2030 ist es, die Böden und das Grundwasser zu entlasten und wertvolle Nährstoffe wie Phosphor gezielt aus dem Klärschlamm zurückzugewinnen. Behrens: „Phosphor und Phosphorverbindungen sind für alle Lebewesen essenziell.“

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