Zehn Jahre DFKI: Spitzenforschung aus Bremen

Werkstatt der Zukunft

Könnte bald seine erste Reise ins All unternehmen: Der ferngesteuerte Roboter „Mantis“ (Gottesanbeterin) ist nach DFKI-Angaben aber auch für den Einsatz in Katastrophengebieten geeignet. - Foto: Koller

Bremen - Von Steffen Koller. Autonomes Fahren, Raumstationen, Unterwasserexpeditionen – es gibt kaum einen Bereich in der Wissenschaft, der keine Anknüpfungspunkte an computergesteuerte Verfahren vorzuweisen hat. Das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) mit seinem Standort im Technologiepark ist einer dieser Orte, in dem die Maschinen der Zukunft entstehen. Gestern feierte das DFKI seinen zehnten Geburtstag.

Unzählige Monitore flackern in einem Außenzelt, Kabel laufen über den Boden, im Vordergrund stehen futuristisch aussehende Maschinen – Maschinen der Zukunft, die, so scheint es, schon lange nicht mehr in den Kinderschuhen stecken. Zum zehnjährigen Bestehen des DFKI-Standortes in Bremen wurde gestern kräftig gefeiert.

Gleichzeitig gab es interessante Einblicke in die Werkstatt der kommenden Jahrzehnte. Besonders auffällig und einer Gottesanbeterin zum Verwechseln ähnlich: der Prototyp „Mantis“. Entwickelt in Kooperation mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), soll das zweiarmige und vierbeinige Gerät im Optimalfall bald auf eine Reise ins All gehen. Dort könnte es Astronauten auf Mars oder Mond aktiv unterstützen, auch Einsätze in Katastrophengebieten seien möglich, erklärt ein Mitarbeiter.

Wissenschaftssenatorin Eva Quante-Brandt und Bürgermeister Carsten Sieling (Mitte) lassen sich von Frank Kirchner (rechts) das Projekt „Mantis“ (Gottesanbeterin) erklären. - Foto: Koller

Eine Etage höher geht es in die genau entgegengesetzte Himmelsrichtung, nämlich in die Tiefen der Meere. In einem riesigen Becken, dessen Wasser dem Salz-Niveau der Ostsee gleicht, schwimmt eine robotische Sonde, die, so der Plan, bald den auf dem Jupiter vermuteten Ozean erforschen soll. Mit dem Projekt „Europa Explorer“ sollen Daten gewonnen werden, die bei einer späteren Realmission zur Anwendung kommen, erklärt Frank Kirchner, Leiter des Robotics Innovation Centers. Auch autonome Unterwasserfahrzeuge, wie zum Beispiel für das Projekt „Flat Fish“, tummeln sich in dem vier Millionen Liter fassenden Becken. Apropos autonom: Es scheint das Zauberwort der künftigen Generation von künstlicher Intelligenz zu sein. Im Erdgeschoss des Forschungszentrums angekommen, zeigt Kirchner, wie das Autofahren der Zukunft aussehen kann. „Einfach eine Adresse eintippen und das Auto bringt sie zum Zielort“, sagt er trocken. Kein Lenken, kein Blinken, keine eigenen Bremsbewegungen. Und auch das lästige Thema Einparken birgt zukünftig kein Streitpotenzial unter den Geschlechtern mehr. Zwar wurden bei Tests, wie auf einem Bildschirm zu sehen, immer noch menschliche Fahrer ins Auto gesetzt, doch das sei „reine Vorsichtsmaßnahme“, so Kirchner.

Das DFKI, das 2006 mit 26 Mitarbeitern in Bremen seine Arbeit aufnahm und mittlerweile auf 260 Angestellte angewachsen ist, kann auch ganz praktisch, wie Mitarbeiter Serge Autexier zeigt. Mit Hilfe eines überdimensionalen Touchpads veranschaulicht er, wie Wohnungen der Zukunft aussehen könnten. Alles, vom Licht über die Toilettenspülung bis hin zum Temperaturregler, kann über das Pad gesteuert werden. Auch der Kleiderschrank bedient nach vorheriger Eingabe den Bewohner mit Socken, Sakko, Seidenstrümpfen und Co. Für Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) ist das DFKI ein „Ort der Spitzenforschung“. Man finde hier „hervorragende Strukturen“ vor.

Heute öffnet das DFKI (Robert-Hooke-Straße 1) von 10 bis 17 Uhr seine Türen für Besucher.

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