Erfolgreiche Testphase

Werkstatt Bremen und Uni stellen Assistenzsystem vor

Michael Morgenroth (vorn) von der Werkstatt Bremen arbeitet sehr gerne mit „Emotas“, wie er sagt. Er würde sich freuen, das System noch lange verwenden zu dürfen. - Foto: Koller

Bremen - Von Steffen Koller. „Eine Bereicherung für alle“: Nach fast dreijähriger Testphase wollen die Beschäftigten der Werkstatt Bremen gar nicht mehr auf das neue Assistenzsystem „Emotas“ verzichten, zu groß waren die Vorteile, die das Projekt gebracht hat. Am Dienstag haben Entwickler und Nutzer die Ergebnisse vorgestellt, die sie mit dem Prototypen gemacht haben – und die fielen durchweg positiv aus.

Was früher undenkbar gewesen wäre, ist heute Realität, betont Heidi Schelhowe von der Universität Bremen. Die Professorin für „Digitale Medien in der Bildung“ hat zusammen mit Experten der Uni Augsburg und der Werkstatt Bremen, einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung, den sogenannten „Emotas“ entwickelt. Hinter „Emotas“ steckt der etwas sperrige Name „Emotionssensitives Assistenzsystem zur Unterstützung von Menschen mit Einschränkungen“. Das System gibt Beschäftigten der Einrichtung nicht nur Anweisungen, wie beispielsweise ein Reinigungswagen richtig bestückt wird, er kann darüber hinaus auch Emotionen lesen – und dementsprechend reagieren.

Seit 2015 ist das System im Einsatz, Ende Mai endet die Testphase. Doch so richtig auf „Emotas“ verzichten, das will in der Werkstatt des Martinshofs keiner mehr. „Es hat allen Bereichen gut getan“, sagt Betriebsstättenleiter Hinderk Ulferts. Es sei durch das System zur „Aufwertung der Arbeit“ gekommen, ergänzt er. Doch wie funktioniert das System, das Ulferts als „super Werkzeug“ bezeichnet? 

Ein einfaches Beispiel: Als Mitarbeiter der Einrichtung sind die Männer und Frauen unter anderem auch für die Sauberkeit im Haus zuständig. Putzwagen müssen bestückt werden, Fenster und Treppenhäuser sind sauberzuhalten. Zum einen gibt das System, so erklärt es Mitentwickler Florian Lütkebohmert (Uni Bremen), Anweisungen, nach welchen Schritten Fenster zu reinigen sind. An einem Bildschirm erfahren die Beschäftigten, wie sie Wasser in Eimer füllen und welches Reinigungsmittel zu verwenden ist. Doch damit nicht genug. Das System kann anhand der Sprache Emotionen lesen, beschreibt Simone Hautke (Uni Augsburg) den Clou von „Emotas“.

Florian Lütkebohmert von der Uni zeigt den transportablen „Emotas“, der sich an einen Reinigungswagen montieren lässt. - Foto: ko

Ist ein Beschäftigter gereizt, unkonzentriert oder abgelenkt, schreitet das System ein. Unter anderem kommen dann kleine Denkspiele oder Puzzle zum Einsatz, die auf dem Bildschirm gelöst werden können. „Das bringt die Menschen etwas runter, beruhigt sie oder steigert die Fähigkeit, besser zu denken“, erklärt Hautke. Das System könne die Mitarbeiter „dort abholen, wo sie gerade sind“, sagt Hautke. Will heißen: Je nach Tagesform und Leistungsniveau passt sich das System an und bietet so individuelle Lösungen zur Konzentrationssteigerung an, egal ob jemand gerade über- oder unterfordert ist. „Emotas“ kann sowohl über Sprache als über farbige Tasten oder per Touchpad bedient werden.

Trotz aller Freude könnte bald Schluss sein mit dem Projekt, das durch Bundesgelder mit 1,2 Millionen Euro finanziert wurde. Ende Mai endet die Testphase, ob das System dann weiter bei der Werkstatt zum Einsatz kommt, ist offen. Dabei, so sagt Hinderk Ulferts, hätten die Beschäftigten das System „schon richtig lieb gewonnen“. Einen Namen hat „Emotas“ auch schon. Es heißt „Georg“, benannt nach der Georg-Gries-Straße in der Vahr. Dort arbeitet „Emotas“ hoffentlich noch eine lange Zeit weiter.

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