„Nacht der schönen Künste“ im Bremer Schnoor mit tiefen Emotionen

Werke, Chaos, rechte Winkel

„Supergirl“: Der Hamburger Künstler Edgar Wintersperger hat sich der Welt der Cartoons verschrieben.
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„Supergirl“: Der Hamburger Künstler Edgar Wintersperger hat sich der Welt der Cartoons verschrieben.

Bremen – Mit weißem Handschuh hält sie eine kleine Holzhand: Die „Beschte“ (Ute Bescht, 52) weiß, wie man Menschen an die Kunst heranführt und auch durch den Schnoor. Eine schrille Dame, begleitet vom „einsamen Melancholeriker Herrn Markus“ (Markus Gefken, 44). Am Sonnabend bekommen die Besucher der „Nacht der schönen Künste“ im Schnoor sogar eine Führung zu den Galerien geboten.

Exaltiert macht die „Beschte“ immer wieder klar, Kunst und Kreativität lassen sich nicht aufhalten, auch nicht durch bauliche Probleme. „Es ist schwierig, in diesen Häusern eine gerade Wand zu finden, geschweige denn, einen rechten Winkel“, gibt sie zu bedenken. Dennoch hängen die Bilder an der Wand, auch die von Ute Bescht.

Ein Star aus vielen wilden Linien

Chaos im Kleinen, eine Botschaft im Ganzen. Aus vielen wilden Linien ergibt sich ein bekannter Star. Eine große Falte im Mantel nimmt Kontur an: ein Schwein. „Modonna’s got swyne“ heißt das Werk von Bescht. Es ist abstrakt, die Darstellung der Sängerin hat keine reale Vorlage, doch man erkennt sie an ihrer Lippen- und Nasenform und ihrem charakteristischen Leberfleck. „Madonna steht für eine Attitüde. Egal was kommt, man wird Glück haben. Es wird weitergehen“, sagt Bescht. Ein Bild für Krisenzeiten! Das Werk entstand aus dem Chaos, so die Künstlerin.

Markus Gefken zeichnet Porträts, teilweise nahezu mit Kamerapräzision. Darunter ein Bild von Mutter Theresa. Man muss sehr nahe rangehen, um zu sehen, dass es kein Foto ist. Neben technischer Perfektion zähle auch Lebendigkeit. „Die Augen sind wichtig und die Schattierungen“, sagt Gefken.

Edgar Wintersperger aus Hamburg, wie die Bremer Gefken und Bescht und zwölf weitere Künstler in der Galerie „Art 15“ (Schnoor 15) vertreten, hat sich den Comic-Helden verschrieben. „Supergirl“ springt dem Betrachter entgegen vor einen Hintergrund aus Comics mit ihr und „Superman“. Daneben: eine Ein-Dollar-Note mit dem Bösewicht „Joker“.

„Superman“ trifft „Joker“

Auch zwei neue Galerien sind diesmal dabei. „Art 55“ öffnete am 1 Dezember 2019 an der Marterburg 55. Wie auch „Art 15“ wird die Galerie von Karola Bösch aus Weyhe geleitet. Böschs Werke erstrahlen in bunt und prächtig, aber ohne kitschig oder aufdringlich zu wirken. Sie zeigt abstrakte Aktzeichnungen oder auch eine abstrakte Landschaft in dem Werk „Stripes“.

Ebenfalls erhältlich sind hier Skulpturen von Bildhauer Stefan Vogt aus Weyhe. Der Blick in die „Art 55“ ist beeindruckend. Eine stolze Bühne für Werke von neun Künstlern. Geschickt beleuchtet, sind sie durch die Fensterscheiben zu sehen.

Eisenspäne und Oxidationsmittel

Am 1. September eröffnete Elke Bührmann die „Galerie 9“, Wüstestätte 9. Sie lässt ihre Schichtmalereien teilweise sogar mittels Eisenspänen und Oxidationsmittel etwas rosten. So auch das sphärisch-dunkle Bild „Häuser Irlands“. Elisabeth Schuller-Köster, Metallbildhauerin aus Oldenburg, bietet kleine Skulpturen an. Darunter: der „Fährmann“. Dieser kommt nicht von hier, träg sogar Hörner. Er ist verankert auf seinem Schiff mit feinen Metallstreben. Die Fahrt soll in eine andere Welt führen.

„Landschaftsmantras“ an der Marterburg

Ruth Cordes aus Syke, zusammen mit Bescht Organisatorin der übers Wochenende laufenden „Nacht der schönen Künste“, ist zufrieden. Viele Besucher hätten Werke gekauft. Die Besucher seien lange geblieben. „Die Emotionen gingen diesmal tiefer“, sagt Cordes. Alle hätten sich an die Sicherheitsvorschriften gehalten. In ihrem Studio an der Marterburg 7a bietet sie unter anderem kleine Bilder mit sphärische Landschaften, Alleen und Bäumen an –  „Landschaftsmantras“.

Von Martin Kowalewski

Exaltiert: Ute Bescht zeigt auf „Modonna ’s got swyne“, ein Werk entstanden aus dem Chaos, das mit der Attitüde der Pop-Sängerin spielt.
Ein Kunstsalon mit viel Atmosphäre: Karola Bösch steht an ihrem Werk „Stripes“, einer abstrakten Landschaft, in der Galerie „Art 55“.

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