Gewalt im Fußball

„Werder ist auf dem linken Auge blind“

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Gewalttätige Auseinandersetzungen gab es im Viertel nach dem Bundesligaspiel gegen Mainz Mitte Dezember.

Bremen - Von Steffen Koller. Die sogenannten Ultras polarisieren seit Jahren den Fußball in Deutschland, auch in Bremen ist die Szene aktiv. Doch wie gefährlich sind die selbsternannten Fans, welche Strategien verfolgen Werder Bremen und die Polizei im Umgang mit ihnen? Und was sagt die Forschung? Am Montagabend diskutierten Vertreter aus Politik, Sport und Wissenschaft über das Thema. Die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) hatte zum Themenabend „Gewaltbereite Ultras in die Schranken weisen“ geladen.

Für die einen ist die Sache klar: Werder Bremen lasse sich „vor den Karren der Antifa (Antifaschistische Aktion) spannen“, sagt Ralf Altenhof, Leiter des Bildungsforums der Stiftung. Man erlebe aktuell eine „hochproblematische Situation“, und der Verein sei auf dem linken Auge blind. Mit seinem Handeln beweise der Verein „politische Naivität“ und wenig Fingerspitzengefühl, sagt Altenhof in seinem Einstiegsvortrag und kritisiert damit den Umgang mit den Ultra-Gruppen. Acht Gruppierungen sind den Behörden bekannt, etwa 300 „Fans“ werden laut Polizei als gewaltbereit und/oder gewaltsuchend eingestuft. Ob nun rechts oder links, so Altenhof, „gewaltbereite Fans gehören ausgeschlossen“.

Die Aussagen von Altenhof sind für den Kriminologen und Polizeiwissenschaftler der Uni Bochum, Thomas Feltes, quasi wie eine Steilvorlage. Er beschäftigt sich seit Jahren mit Ultras, Hooligans und anderen Phänomenen der Fußballszene. Man müsse breit an das Thema rangehen, sagt er. „Fankultur ist mehr als gewaltbereite Ultras.“ Um fundiert über das Thema diskutieren zu können, müssten Daten und Studien vorliegen, doch diese gebe es nicht, sagt Feltes. Bei aller Empörung über gewalttätige Auseinandersetzungen wie zuletzt im Bremer Viertel Mitte Dezember 2017 dürfe eines nicht vergessen werden: „Die (Ultras) machen auch Gutes. Nur wird das nicht so gerne gesagt.“ Vielmehr brauche es konzentrierte Forschung zum Thema, unabhängige Spielbeobachter und Investitionen in Fanprojekte – und nicht in überzogene Polizeipräsenz, die „Steuergelder verbrennt“. Seine Erfahrung zeigt: „98, 99 Prozent der Spiele verlaufen reibungslos.“

Eine Mischung aus Alkoholkonsum, Rivalität und Gruppendynamik

Dass es eben aber auch Ausnahmen gibt, weiß Rainer Zottmann, Leiter der Direktion Einsatz bei der Polizei Bremen. Für ihn gebe es nicht „den Ultra“, vielmehr seien Auseinandersetzungen im und ums Stadion eine Mischung aus gesteigertem Alkoholkonsum, Rivalität und Gruppendynamik.

Es sei „fürchterlich und peinlich“, wenn ganz normale Bürger aufeinander losgingen. Deshalb pflege man bei Einsätzen, besonders bei Hochrisikospielen wie dem Nordderby gegen den Hamburger SV (bis zu 1 000 Polizisten), eine „Willkommenskultur“. Er ergänzt: „Wenn aber Grenzen überschritten werden – egal von welcher Seite –, greifen wir durch.“

Auch Werder selbst befasst sich seit Jahren mit der Problematik und verfolgt laut Präsident Hubertus Hess-Grunewald einen „akzeptierenden Ansatz“. Soll heißen: Fan-Aktivitäten würden über eine Saison beobachtet, „Ad-hoc-Entscheidungen“ wolle man vermeiden. Hess-Grunewald sagt, „eine Jugendkultur werden wir nicht begreifen, wenn wir draufhauen“. Auch deshalb sei man in stetigem Kontakt mit Fangruppierungen. Das sei anstrengend und oft auch schwierig, „aber ohne Alternative“.

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