Bremer SWB will Kohlekraftwerk im Hafen bei Stilllegungsauktionen anbieten

Wer wenig fordert, gewinnt

Und, tschüss: Die SWB will ihr Steinkohlekraftwerk im Hafen bei einer Stílllegungsauktion der Bundesnetzagentur anbieten. Wann der Versorger in die Pokerrunde einsteigen will oder ob er es vielleicht schon getan hat, wird nicht verraten.
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Und, tschüss: Die SWB will ihr Steinkohlekraftwerk im Hafen bei einer Stílllegungsauktion der Bundesnetzagentur anbieten. Wann der Versorger in die Pokerrunde einsteigen will oder ob er es vielleicht schon getan hat, wird nicht verraten.

Bremen – Deutschland will raus aus der Kohle. Bis 2038 sollen die Kohleverstromung beendet und die Kohlekraftwerke stillgelegt werden. Der Bremer Energieversorger SWB erzeugt noch an den Standorten Hafen und Hastedt in zwei Kohlekraftwerke Strom.

Um den Ausstieg zu forcieren, startet der Bund über die Bundesnetzagentur in den Jahren bis 2027 acht Auktionen zur Stilllegung von Steinkohlekraftwerken. Dabei gewinnt nicht derjenige, der am meisten bietet, sondern derjenige, der am wenigsten haben will. „Es erhält derjenige zuerst den Zuschlag, der die geringste Summe je vermiedener Tonne CO2 fordert“, teilt die Bundesnetzagentur mit.

Noch 40 000 Megawatt kohle am Netz

Die Gebotsfrist für die erste Auktion ist zum 1. September ausgelaufen. 4 000 Megawatt Kohlekraft sollen vom Netz genommen werden. Wer den Zuschlag erhält, wird entschädigt. Bundesweit sind noch 40 000 Megawatt am Netz.

Zurück an die Weser: Die SWB will den Standort im Hafen in einer der Auktionen anbieten. Das hat SWB-Vorstandschef Torsten Köhne jüngst bestätigt. Ob das Kohlekraftwerk mit seinen 333  Megawatt installierter Leistung schon in der ersten Auktionsrunde dabei ist, verrät die SWB nicht – aus Wettbewerbsgründen. „Es ist wichtig, sich nicht zu sehr in die Karten gucken zu lassen“, sagt SWB-Sprecher Friedhelm Behrens auf Nachfrage.

Die Weichen für die Teilnahme sind gestellt. Die SWB hat mit der Gewerkschaft Verdi Ende August einen Tarifvertrag für einen sozialverträglichen Kohleausstieg unterzeichnet. Der Tarifvertrag sei Voraussetzung, um an den Auktionsverfahren teilzunehmen, sagt Behrens.

Tarifvertrag ebnet den Weg

„Der Tarifvertrag ergänzt die bestehenden Konzernregelungen für Beschäftigte der SWB Erzeugung und findet Anwendung, sofern die SWB an Auktionsverfahren teilnimmt und darin einen Zuschlag erhält“, heißt es. Er regelt die Möglichkeit für den Bezug des staatlichen Anpassungsgeldes für einige Mitarbeiter ab dem 58. Lebensjahr – sofern Beschäftigungsverhältnisse abgebaut werden sollten. Diese staatliche Leistung soll auf einen branchenüblichen Satz von 89,5 Prozent des bisherigen Nettogehalts aufgestockt werden.

„Nach wie vor ist unsere oberste Priorität, möglichst alle Mitarbeiter an Bord zu halten, die direkt oder indirekt vom Kohleausstieg betroffen sind“, sagt Personalvorstand Olaf Hermes. Immo Schlepper vom Verdi-Landesbezirk Niedersachsen-Bremen ergänzt: „Der Ausstieg aus der Kohleverstromung in Bremen darf nicht auf dem Rücken der Beschäftigten passieren.“ Mit dem angeschlossenen Tarifvertrag werde gezeigt, „wie das geht“. Im Kraftwerk Hafen beschäftigt SWB rund 100  Mitarbeiter.

„Wer früh aussteigt, wird belohnt“

Zurück in die Auktion: Sollte die Bremer in der ersten Runde teilgenommen haben, erfahren sie bis zum 1. Dezember, ob sie erfolgreich waren. Die Bundesnetzagentur prüft jetzt die Angebote und erteilt bei einer Überzeichnung (also wenn das Volumen der Angebote die 4 000-Megawatt-Grenze übersteigt) bis zu diesem Zeitpunkt die Zuschläge und veröffentlicht das Ergebnis dann eigenen Angaben zufolge Anfang Dezember auf ihrer Internetseite. Das gesetzliche Höchstgebot pro Megawatt Nennleistung ist auf 165 000 Euro festgeschrieben. Das Prinzip der Auktionen lautet: „Wer früh aussteigt, wird belohnt“, sagt Behrens. In den folgenden Versteigerungen sinkt das Volumen, das vom Netz genommen werden soll. Die zweite Auktionsrunde beginnt laut Bundesnetzagentur am 4. Januar 2021.

Hastedter Werk versorgt Mercedes

Das Kohlekraftwerk in Hastedt versorgt derzeit den Bremer Osten und damit auch das Mercedes-Werk in Sebaldsbrück mit Fernwärme. Es soll dem Vernehmen nach am Netz bleiben, bis die geplante Fernwärmeleitung vom Müllheizkraftwerk in Findorff über Schwachhausen in den Bremer Osten installiert ist. Ein Baubeginn wird fürs erste Quartal 2021 angestrebt.

Später soll dann ein mit Gas betriebenes Blockheizkraftwerk, das am Standort Hastedt gebaut wird, die Fernwärme produzieren. In die Leitung und das Ersatzkraftwerk investiert die SWB rund 200 Millionen Euro.

Von Jörg Esser

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