Wegen Mordes an seiner Ehefrau vor Gericht

Angeklagter: „Wenn ich schlage, dann drehe ich durch“

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Der 36-jährige Angeklagte aus Bremerhaven wird in den Gerichtssaal geführt. Er muss sich wegen Mordes an seiner Ehefrau verantworten.

Bremen - Von Steffen Koller. Übersät mit Messerstichen starb Mitte Oktober 2016 eine 22-Jährige aus Bremerhaven in ihrer eigenen Wohnung. Seit Anfang April muss sich ihr 36 Jahre alter Ehemann wegen Mordes vor dem Landgericht Bremen verantworten.

Laut Staatsanwaltschaft war er es, der aus Eifersucht 23-mal auf die junge Frau einstach. Nichts. An nichts könne er sich bis heute erinnern, betont der Angeklagte auch an Tag drei des Prozesses immer wieder. Nicht an die 23 Messerstiche, mit denen er seine Frau getötet haben soll, wie es ihm die Staatsanwaltschaft vorwirft. Nicht daran, dass er kurz vor der mutmaßlichen Attacke noch die drei gemeinsamen Kinder vor die Tür geschickt habe.

Nicht an die Whatsapp-Nachricht, die er unmittelbar darauf verfasst und an seinen Bruder geschickt haben soll und in der er laut Prozessakten schrieb: „Ja, Sultan, ich habe sie geschlachtet. Sie ist fertig.“ Der Mann, der nervös auf seiner Unterlippe kaut, entgegnet am Mittwoch nur: „Ich bin kein Mörder, meine Frau lebt.“ Wie vor Gericht deutlich wird, scheint diese Art von gravierenden Erinnerungslücken einem gewissen Muster zu folgen. 

2011 lernte er nach eigener Aussage die 22-Jährige in Syrien kennen, wenige Monate später hielt er um die Hand der jungen Frau an. Als sie zur Geburt eines der gemeinsamen Kinder ins Krankenhaus ging, soll sie von syrischen Militärs vergewaltigt worden sein. Ab diesem Zeitpunkt sei es in der Beziehung bergab gegangen. 

Regelmäßig Frau geschlagen

Jedes Mal, so erzählt es der Mann, nachdem er mit seiner Frau geschlafen habe, schlug er sie. Wie genau, könne er heute nicht mehr sagen, übersetzt ein Dolmetscher für ihn. Eines aber wisse er genau: „Wenn ich schlage, dann drehe ich durch.“ Er sei dafür bekannt gewesen, schnell reizbar zu sein. Ging es um seine Frau, dann ganz besonders. 

Diese Erkenntnisse stützen die Theorie der Staatsanwaltschaft, die davon ausgeht, dass der Mann am 13. Oktober mit einem Küchenmesser mit einer Klingenlänge von 18 Zentimetern aus Eifersucht auf die junge Frau einstach. Sie soll sich in einen anderen Mann verliebt haben, die Heirat des neuen Pärchens soll bereits geplant gewesen sein. Als er davon erfahren habe, so schilderte es der Angeklagte vergangene Woche, sei er „außer sich gewesen“ und habe wenig später „Blut, viel Blut“ gesehen.

Keine Erinnerung an Stiche

Von Stichen will er aber bis heute nichts wissen. Im Gegenteil: Der Mann ist der festen Überzeugung, seine Frau lebt noch – bis zu dem Punkt, an dem er Fotos der Toten zu sehen bekommt. Der Vorsitzende Richter Helmut Kellermann bereitet den Mann noch behutsam auf den Anblick vor, dann kochen die Emotionen über. 

Erst schlägt der Mann mit beiden Armen auf die Anklagebank, wenige Augenblicke später haut er seinen Kopf wiederholt auf die Tischplatte. Erst Justizbeamte beruhigen die Situation, sie legen ihm Handschellen an. Noch immer sagt der Mann leise vor sich her: „Sie lebt, meine Frau lebt.“ 

Ob bei einer Verurteilung auch eine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus infrage kommt, muss ein Sachverständiger beurteilen. Bislang lag das Hauptaugenmerk auf der Suche nach dem Motiv des mutmaßlichen Täters.

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