Untere Rathaushalle: Ausstellung „Der Dritte Lehrer“ zum Thema „Bauen und Bildung in Bremen“ / Ringen um Ideale

Wenn Architektur Schule macht

An der Reformpädagogik der 20er Jahre orientiert: Gruppenunterricht in der Schule Ellener Feld, aufgenommen 1959. Eine architektonische Besonderheit ist die Freifläche vor dem Klassenraum, dessen bodentiefe Fenster sich komplett öffnen lassen. Damit öffnete sich buchstäblich auch die Schule.

Bremen - Von Thomas Kuzaj· Gibt es eine ideale Lösung für die Gestaltung von Schulen? Dies ist eine der Fragen, mit denen Besucher einer Ausstellung konfrontiert werden, die Architektur und Pädagogik kombiniert – „Der Dritte Lehrer“ in der Unteren Rathaushalle.

„Bauen und Bildung in Bremen“ ist der Untertitel der Schau, die heute beginnt und bis zum 6. Juni dauert. Architektur wirkt auf den Menschen, und so wird ein Schulgebäude bisweilen als „dritter Lehrer“ bezeichnet – zählt man die Pädagogen und die Mitschüler als „erste“ und „zweite“ Lehrer. In der Bremer Ausstellung über den „dritten Lehrer“ fließt das Wissen zweier Institutionen zusammen – es handelt sich um ein Projekt des Bremer Zentrums für Baukultur (BZB, Überseestadt) und des Schulmuseums (Hastedt).

Kaiserzeit und Reformpädagogik, Neuaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg und Mammutschulen in den 70er Jahren – ein Bereich der Ausstellung informiert über verschiedene Epochen des Schulbaus in Bremen. Den Kontrast bildet eine ausführliche Betrachtung der Gegenwart. Sichtbar wird, wie sehr der Schulbau vom jeweiligen Zeitgeist geprägt ist – eine Parallele zu den ewigen Diskussionen um Bildungspolitik, Schul- und Unterrichtsformen.

Architektur spiegelt ihre Zeit, und bisweilen ist sie ihrer Zeit auch voraus. Zu den aufregendsten Exponaten gehört der Entwurf eines recht spektakulär wirkenden Gebäude-Halbkreises – die Schule an der Delmestraße (Neustadt) als Reformschule. Geld fehlte, es kam anders. Das Runde wurde nicht verwirklicht, nur das Eckige. Doch das Runde zeigt, wie aufregend Schule sein kann – gerade in der Theorie.

Im historischen Bereich der mit einzelnen Kabinetten, mit Texten und Fotos, Filmen und Gegenständen abwechslungsreich inszenierten Ausstellung gibt es einen „Marktplatz“. Er ist Wilhelm Berger (1901 bis 1974) gewidmet, den die Organisatoren für den „wohl wichtigsten Impulsgeber des Schulbaus in Bremen“ halten. Wilhelm Berger prägte als Oberschulrat in den 50er und 60er Jahren den Schulbau in Bremen, in den viele Ideen aus der Reformschulzeit der 20er Jahre einflossen. Berger schrieb ein programmatisches Buch mit dem Titel „Schulen von heute für morgen“. Bremen galt als Vorreiter, blieb es aber nicht. Auch hier nämlich ordnete man sich in den 70er Jahren der Herrschaft harten Betons unter. Licht und Luft für freies Denken? Das war vorbei. Und es dauerte Jahrzehnte, die Barrieren wieder aufzubrechen – wenn es überhaupt gelang.

Doch gibt es eine Ideallösung? Kaum, wie sich zeigt. Was bleibt, ist das andauernde Ringen um angemessene Formen des Lernens und Lehrens.

· „Der Dritte Lehrer“ öffnet täglich von 10 bis 18 Uhr. Eintritt frei.

WWW.

bzb-bremen.de

schule.bremen.de/places/museum

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