Für mehr Lebensqualität

Fragen & Antworten: Weniger Krankenhausaufenthalte für Demenzkranke

Menschen mit Demenz in ambulant betreuten Wohngemeinschaften sollen seltener ins Krankenhaus eingewiesen werden. Das ist das Ziel eines Forschungsprojektes, an dem Bremer Wissenschaftler beteiligt sind. Foto: AOK-Mediendienst
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Menschen mit Demenz in ambulant betreuten Wohngemeinschaften sollen seltener ins Krankenhaus eingewiesen werden. Das ist das Ziel eines Forschungsprojektes, an dem Bremer Wissenschaftler beteiligt sind. 

Bremen - Mit steigender Lebenserwartung nimmt die Zahl sehr alter Menschen in der Gesellschaft zu. Damit gibt es auch immer mehr Pflegebedürftige mit sogenannten neuropsychiatrischen Erkrankungen wie etwa Demenz. Für sie ist das Risiko deutlich höher, im Krankenhaus behandelt werden zu müssen, als für Menschen ohne Demenz. Wissenschaftler der Uni Bremen arbeiten jetzt daran, Krankenhausaufenthalte der Betroffenen zu verringern und ihre Lebensqualität zu steigern. Im Fokus des Forschungsprojekts „DemWG“ stehen Menschen, die in betreuten Wohngemeinschaften (WGs) leben.

Wie viele Betroffene gibt es derzeit?

„Weg vom Geist“ oder „ohne Geist“ – so die wörtliche Übersetzung des Wortes „Demenz“ aus dem Lateinischen. Laut Bundesgesundheitsministerium (BMG) beschreibt dies das wesentliche Merkmal von Demenzerkrankungen: die Verschlechterung bis hin zum Verlust der geistigen Fähigkeiten. Je älter die Menschen werden, umso größer ist das Risiko für Demenzerkrankungen.

Die Zahl an Demenz erkrankten Menschen wird nach Angaben des Instituts für Public Health und Pflegeforschung (IPP) an der Universität Bremen derzeit auf 1,6 Millionen Menschen geschätzt. Zwei Drittel der Betroffenen leiden den Angaben nach an der Alzheimer-Krankheit. Während in der Altersgruppe der 65- bis 70-Jährigen weniger als drei Prozent an einer Alzheimer-Demenz erkranken, ist dem BMG zufolge im Alter von 85 Jahren ungefähr jeder Fünfte und ab 90 Jahren bereits jeder Dritte betroffen.

Weil es für die Mehrzahl der Demenzerkrankungen aktuell keine heilende Therapie gibt, steht die pflegerische Versorgung sowie die Erhaltung und Förderung der Lebensqualität der Demenzkranken und ihrer Angehörigen im Mittelpunkt der Forschung.

Welche Folgen hat ein Krankenhausaufenthalt für demente Menschen?

Die Wahrscheinlichkeit beziehungsweise das Risiko, im Krankenhaus behandelt zu werden, ist laut Karin Wolf-Ostermann, Professorin für Pflegewissenschaftliche Versorgungsforschung am IPP, für Menschen mit Demenz bis zu 3,6-mal größer als für Menschen ohne die Krankheit. Die Forscherin schätzt, dass rund ein Drittel der an Demenz Erkrankten mindestens einmal pro Jahr im Krankenhaus behandelt wird. Häufig älter und von mehreren Erkrankungen gleichzeitig betroffen, kommen sie dann aufgrund dieser Erkrankungen als Einweisungsdiagnose ins Krankenhaus. Doch ein Aufenthalt dort kann für sie negative Auswirkungen haben. Dazu gehören nach Angaben der Uni etwa kognitive Verschlechterungen, die das Wahrnehmen, Denken und Erkennen betreffen. Auch akute Verwirrungszustände, Unruhe, Aggressionen, Reizbarkeit, Wahnvorstellungen, enthemmtes Verhalten und ständiges Rufen gehören dazu.

Prof. Karin Wolf-Ostermann 

Um wen geht es im Forschungsprojekt?

Beteiligt sind an der Studie insgesamt 1 260 Bewohner aus 180 ambulant betreuten WGs für demenziell erkrankte Menschen in Bremen, Berlin, Hamburg und Bayern. Dieses Wohnmodell findet laut Karin Wolf-Ostermann neben den klassischen Versorgungsformen wie Pflegeheimen zunehmend Zuspruch. Die „DemWG“-Wissenschaftler schätzen, dass es aktuell in Deutschland rund 2 500 WGs für Menschen mit Demenz gibt. Die Bewohner seien meist weiblich und hätten ein hohes Alter.

Worum geht es konkret?

Das im März gestartete Projekt „DemWG“ beinhaltet mehrere Bestandteile: Mit Hilfe eines Schulungsangebotes sollen Pflegekräfte und Betreuer, die in den WGs arbeiten, gesundheitliche Probleme und Risiken für eine Krankenhauseinweisung besser erkennen können. Haus- und Fachärzte sollen schneller einbezogen werden. „Probleme sollen so frühzeitig ambulant fachärztlich statt später stationär gelöst werden“, so Wolf-Ostermann. Eine weitere Maßnahme: ein Trainingsprogramm zur motorischen und kognitiven Stärkung der dementen WG-Bewohner. Auch Übungen zur Sturzprophylaxe gehören dazu. Mit der Studie wollen die Wissenschaftler herausfinden, welche Effekte die Bündelung der Maßnahmen auf die Häufigkeit von Krankenhauseinweisungen und deren Kosten hat.

Wer ist am Projekt „DemWG“ beteiligt?

Partner der Uni-Wissenschaftler vom IPP sind Kollegen der Universität Erlangen sowie die AOK Bremen. Gefördert wird das Vorhaben mit 1,3 Millionen Euro vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), dem obersten Beschlussgremium der Selbstverwaltung der Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser und Krankenkassen in Deutschland. In Form von Richtlinien bestimmt er, welche medizinischen Leistungen die laut G-BA rund 73 Millionen Versicherten konkret beanspruchen können.

Weitere Infos unter

www.public-health.uni-bremen.de

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