Corona-Auswirkungen

Bremer Museen: Weniger Besucher, mehr Digitales

„Kunstgespräch online“ – 2021 ein neues Digitalangebot der Bremer Kunsthalle.
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„Kunstgespräch online“ – 2021 ein neues Digitalangebot der Bremer Kunsthalle.

Bremen – Bremens Museen leiden unter den Pandemiebedingungen. Coronabedingte Einschränkungen und Schließungen ließen auch im vergangenen Jahr die Besucherzahlen deutlich sinken. Trotzdem wurden neue Ausstellungen eröffnet – und neue Dinge ausprobiert, etliche davon digital. Viele Häuser verstärkten auf ganz unterschiedliche Weise ihre digitale Präsenz.

Die Corona-Pandemie hat die Besucherzahlen der Museen deutschlandweit einbrechen lassen, das belegen auch Untersuchungen des Instituts für Museumsforschung in Berlin. Von 52 Kalenderwochen hatte zum Beispiel die Kunsthalle Bremen 2021 an 35 Wochen geöffnet. „Das waren zwei Wochen mehr als im Vorjahr“, so eine Sprecherin. Es kamen etwa 60.000 Besucher, noch einmal deutlich weniger als 2020 – da waren es 86.000 gewesen.

Direktor Prof. Dr. Christoph Grunenberg: „Die ,Picasso-Connection‘ hätte im November 2020 eröffnen sollen, doch letztlich hingen die Werke aufgrund des erneuten Lockdowns viele Monate ohne offizielle Eröffnung im Dunkeln. Die international beachtete Ausstellung ,Manet und Astruc – Künstlerfreunde‘ konnte im November 2021 planmäßig eröffnen.“

Kunsthalle Bremen: Erfolg bei „Google Arts & Culture“

Über „Google Arts & Culture“ klickten und blickten 2021 mehr als 185 000 Besucher auf digitalem Weg in die Sammlung der Kunsthalle. Zu den beliebtesten Werken des Museums auf „Google Arts“ gehört „Camille“ von Claude Monet. Dieser 2019 eingerichtete Online-Weg schafft weltumspannend Zugang zur Kunsthalle Bremen. Über „Google Arts“ klicken sich vor allem Besucher aus den USA, aus Deutschland, Spanien, Brasilien und Italien in die Bremer Sammlung. Es kommen aber auch welche aus Uganda, Libyen und Turkmenistan.

Auf zwei hauseigene Digitalprojekte ist Direktor Grunenberg besonders stolz – auf den Multimedia-Guide „Art Surfer“, eine App, die innerhalb des offenen WLAN im Museum kostenfrei angeboten wird. Und auf „den aufwendig produzierten 360-Grad-Rundgang durch die Manet-Ausstellung“.

Auch das Focke-Museum in Schwachhausen „hat die Lockdowns dazu genutzt, sein digitales Angebot zu erweitern“, erklärte eine Sprecherin auf Anfrage. „So wurden digitale Vorträge angeboten und ein Blog eingerichtet. Außerdem konnte mit der Digitalisierung des Schaumagazins begonnen werden. Diese digitale Sammlung wird 2023 online gestellt.“

Bremer Focke-Museum setzt auf Aktivitäten im Freien

Nicht zuletzt auch mit Blick auf den anstehenden Umbau ab 2024 setzt das Focke-Museum auf (eben auch pandemiekonforme) Außen-Wirkung: Ein Beispiel ist die neue Vitrine mit dem Kaisen-Mercedes vor dem Haupthaus, ein weiteres eine verstärkte Nutzung des Gartens für Veranstaltungen. Insgesamt wurden im Focke-Museum 2021 exakt 21.174 Besuche registriert. „Im Jahr 2020, das ebenfalls, aber etwas kürzer vom Lockdown betroffen war, lag die Besuchszahl bei 28.134“, so die Sprecherin. 2019 – vor Corona – lag die Zahl bei 50.193.

An der Fassade des Übersee-Museums wird ein Plakat für die Ausstellung „Junge Wilde“ angebracht. Die Schau über die Kinderstuben der Wildtiere ist seit Oktober 2021 tatsächlich zu sehen. Nach einer ersten Eröffnung 2020 war sie wegen Corona gleich wieder geschlossen worden.

Das Übersee-Museum hat im Januar vorigen Jahres sein 125-jähriges Bestehen gefeiert – auch das natürlich nur im engen Korsett der Pandemiemaßnahmen. Auch hier wurde die Zeit genutzt, die Digitalisierung voranzutreiben – was, wie Direktorin Prof. Dr. Wiebke Ahrndt betonte, auch eine „Demokratisierung von Wissen“ bedeute. Denn digitalisierte Museumsbestände lassen sich weltweit zugänglich machen – für die Wissenschaft und für das Publikum.

Übersee-Museum: 2G und Inzidenzen wirken sich aus

2021 hatte das Übersee-Museum von Januar bis März geschlossen, im April dann erneut. „Im November halbierten sich die Besuchszahlen aufgrund 2G-Regelung und der erhöhten Inzidenzen“, so eine Sprecherin. Insgesamt kamen etwa 47.000 Besucher. In normalen Jahren sind es durchschnittlich 103.000.

„Erst durften die Besucher nicht kommen und dann bleiben sie weg.“ So lakonisch fasst eine Sprecherin das Jahr 2021 im Gerhard-Marcks-Haus zusammen. Die Ausstellungen von Ruud Kuijer und Elisabeth Wagner seien von mehr als 5.000 Besuchern gesehen worden – „wenn man das mit der gleichen Periode 2019 vergleicht, sind das etwa 7.000 Besucher weniger“.

Die Museen Böttcherstraße hatten im vergangenen Jahr 13.882 Besucher, so eine Sprecherin. „Das ist rund ein Drittel weniger, als wir in einem normalen Jahr für die Ausstellungen kalkuliert hätten.“ Im ersten Pandemiejahr – 2020 also – waren es 15.382. 2021 erlebte auch die Böttcherstraße einen Digitalisierungsschub. Ein Erfolg etwa sei das „neue Format der digitalen Führungen“ gewesen, die „54-mal gebucht wurden“.

Das Vegesacker Overbeck-Museum, das bis Mitte Mai geschlossen war, registrierte 3.100 Besucher. Schon 2020 war die Zahl auf 4.400 gesunken. 2019 hatte das Overbeck-Museum noch mehr als 10.000 Besucher gehabt.

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