Digitale Angebote und koloniale Aufarbeitung

Bremer Übersee-Museum erzählt seit 125 Jahren von der Welt

Vor 125 Jahren öffnete das Städtische Museum für Natur-, Völker- und Handelskunde. Längst heißt es Übersee-Museum – die einzigartige Verbindung der drei Gründungssparten ist geblieben.
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Vor 125 Jahren öffnete das Städtische Museum für Natur-, Völker- und Handelskunde. Längst heißt es Übersee-Museum – die einzigartige Verbindung der drei Gründungssparten ist geblieben.

Bremen – 125 Jahre Übersee-Museum – das wird gefeiert, obwohl das Haus pandemiebedingt geschlossen hat. Prägende Themen sind die Digitalisierung und die Auseinandersetzung mit dem Kolonialismus. Eine Auseinandersetzung, die zu besonderen Kooperationen führt.

  • Ziel: Die „ganze Welt unter einem Dach“ präsentieren.
  • 1,2 Millionen Objekte und Archivalien sollen digitalisiert werden.
  • Übersee-Museum hat Vorreiterrolle bei der Aufarbeitung des Kolonialismus.

Mitten in der Pandemie ein großes Jubiläum feiern, wie geht das? Das Bremer Übersee-Museum hat Antworten auf diese Frage gefunden – und das natürlich nicht ohne Anlass. Denn das Haus ist nun 125 Jahre alt. Am 15. Januar 1896 wurde es als Städtisches Museum für Natur-, Völker- und Handelskunde eröffnet. Das einzigartige Zusammenspiel dieser drei Fachgebiete prägt das Übersee-Museum noch heute. Fragen zu seinen Ursprüngen sind derweil aktueller denn je, Stichwort: Kolonialismus.

Wie aber feiert das Museum sein Jubiläum? Nicht mit einem einzelnen großen Festakt, so sei es schon vor der Pandemie nicht geplant gewesen, sagt Prof. Dr. Wiebke Ahrndt, die Direktorin. Das Thema „soll uns durchs Jahr begleiten“. Und das funktioniert auch digital – anders geht‘s gegenwärtig ja eh nicht; das Haus hat pandemiebedingt geschlossen.

„Die ganze Welt unter einem Dach“ wollte der Zoologe Prof. Dr. Hugo Schauinsland, der Gründungsdirektor, präsentieren – in einem Bremen, das in jenen Tagen durch Handel und Schifffahrt Weltgeltung besaß. „Welche Ideen haben mich eigentlich überlebt?“ Diese Frage stellt Schauinsland sich heute. Und zwar in einem Gespräch mit Direktorin Ahrndt. Wie das geht? Nun, der Schauspieler Peter Lüchinger schlüpft in Schauinslands Rolle. Eigentlich sollte es diese Begegnung von Gestern und Heute vor Publikum geben. Coronabedingt wird sie digital gezeigt. Als einen der Beiträge zum Jubiläumsjahr stellt das Museum das Video am Freitag, 15. Januar, auf seine Website www.uebersee-museum.de.

Digitalisierung bekommt Schub durch die Pandemie

Digitalisierung – davon dürfte Schauinsland zu Lebzeiten nicht das Geringste geahnt haben. Gut möglich, dass die Sache ihm gefallen hätte. Denn die digitale Revolution öffnet dem Museum heute neue Möglichkeiten weltweiten Wirkens. Mediaguide auf der Homepage, Auftritte in sozialen Netzwerken, Online-Bastelaktionen für Kinder – das Haus nutzt die digitalen Wege; gerade jetzt.

Auch die wissenschaftliche Arbeit wird zunehmend digital. Hinzu kommt der Schub durch die Pandemie. „Unter Hochdruck“ werde derzeit hinter den Kulissen digitalisiert, sagt Direktorin Ahrndt. „Da machen wir völlig unerwartet einen großen Schritt nach vorn. Sonst fehlte immer Zeit und Geld.“ Auch die Aufsichtskräfte seien gegenwärtig damit beschäftigt, Objekte und Archivmaterial zu digitalisieren – bei einer 1,2 Millionen Objekte umfassenden Sammlung eine ziemlich große Aufgabe.

Neue Möglichkeiten weltweiter Zusammenarbeit

Die Digitalisate – sind sie für die Wissenschaft gedacht oder für die ganze Welt? „Am Ende für alle Welt“, antwortet Ahrndt im Gespräch mit unserer Zeitung. Es gehe nicht um ein Entweder-oder, um analog oder digital, sondern – auch – um eine „Demokratisierung von Wissen“. Und: „Im kommenden Jahr wollen wir damit anfangen, unsere Bestände sukzessive online zu stellen.“

Blick in den Ersten Lichthof des Übersee-Museums im Jahr 1979.

Verliert sich da nicht die vielbeschworene Aura des Originals, die Museumsarbeit kennzeichnet? „Es ist anders“, sagt Direktorin Ahrndt. Digitalisate eröffneten Möglichkeiten – etwa in der internationalen Zusammenarbeit. „Da können wir ganz anders in den Dialog treten zum Beispiel mit Menschen, die auf der anderen Seite der Erde leben.“

Auseinandersetzung mit dem kolonialen Erbe

Apropos andere Seite. Seine Ursprünge hat das Museum in den Tagen des Kaiserreichs, mitten in der Zeit des Kolonialismus. Bereits seit Jahren erforscht das Übersee-Museum sein koloniales Erbe; es zählt zu den Vorreitern auf diesem Gebiet. Provenienzforschung – wie sind Exponate ins Museum gekommen? Eine Kernfrage.

Was einst auf illegale oder unmoralische Art nach Bremen gekommen ist und nun zurückgefordert wird, sollte auch zurückgegeben werden, so Ahrndt. Von Forderungen, pauschal alles zurückzugeben, hält sie hingegen nichts: „Wenn alles zurückgehen würde, dann könnten wir von der Welt nichts mehr erzählen.“

Der Weg in die Zukunft sei vielmehr, Objekte gemeinsam „nutzbar“ zu machen – gemeinsam mit Menschen aus den Herkunftsgesellschaften. „Das ist etwas, das im Zuge der Neukonzeption unserer Ozeanien-Ausstellung erstmals eine sehr große Rolle spielen wird.“ Dazu kooperiert das nun 125 Jahre alte Bremer Museum mit Wissenschaftlern aus Samoa.

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