200 Jahre nach der Gründung

Weltweit aktiv: Die Schiffsporträts der Bremer Reederei D. H. Wätjen & Co.

Die Bark „Wieland (II)“ im Golf von Neapel von Antonio de Simone.
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Die Bark „Wieland (II)“ im Golf von Neapel von Antonio de Simone.

Bremen – Durch Wätjens Park an der Grenze von Blumenthal und Vegesack ist sein Name vielen Menschen noch heute ein Begriff. Der Kaufmann und Reeder Diedrich Heinrich Wätjen (1785 bis 1858) hatte auf dem Geestrücken vier Grundstücke gekauft, um auf dem Areal 1830 ein Landhaus in klassizistischem Stil zu errichten. Sein Sohn baute es später zur schlossähnlichen Villa aus.

Ihren Wohlstand verdankte die Familie der Schifffahrt. Von der Weser in die weite Welt: 1821, vor nunmehr 200 Jahren also, hatte Diedrich Heinrich Wätjen die Reederei D. H. Wätjen & Co. gegründet. In einem neuen Buch aus dem Bremer Schünemann-Verlag wird das Unternehmen jetzt auf besondere Weise dargestellt.

Und es war ja auch ein besonderes Unternehmen. Wätjen, als vierter Sohn einer Bauernfamilie in Ochtmannien bei Bruchhausen-Vilsen  geboren und um 1802 zur Kaufmannslehre nach Bremen gekommen, setzte früh auf neue Waren und neue Märkte. Die von England – wo er vier Jahre gelebt hatte – ausgehende industrielle Revolution gab den weltumspannenden Handelsgeschäften weiteren Auftrieb.

Erst Zucker und Wein, dann Baumwolle und Petroleum

Der Gründer: Diedrich Heinrich Wätjen.

Mit dem Import von Tabak und Zucker, Kaffee und Wein aus Bordeaux hatte Wätjen angefangen. Dann richtete er den Fokus – mit größeren Segeschiffen – auf Amerika. Tabak, Baumwolle und Zucker gab es dort – unter anderem wegen der Sklavenarbeit – vergleichsweise günstig. Wätjen baute sich ein Netzwerk auf. Und er stieg in die lukrative Waljagd ein: Tran brachte Lampen zum Leuchten und schmierte zudem Industriemaschinen. Erst mit der Entdeckung des Petroleums im Jahr 1859 nimmt die Bedeutung des Walfangs ab.

Im Jahr zuvor, 1858, war Diedrich Heinrich Wätjen gestorben. Christian Heinrich Wätjen (1813 bis 1887) übernahm nun das Unternehmen und baute es zur weltweit größten privaten Segelschiffsreederei aus. Zum Baumwolltransport kam ein neues Geschäftsfeld hinzu, die Petroleumfahrt.

Goldene Jahre. Und alles ist sorgsam dokumentiert worden – auf eine besondere Weise, womit wir wieder bei dem gleichermaßen besonderen Wätjen-Buch wären, das nun auf den Markt gekommen ist: „Die Schiffe der Bremer Reederei D. H. Wätjen & Co. – Kapitänsbilder aus 100 Jahren“ (208 Seiten, Preis: 24,90 Euro). Der querformatige Band, ein Gemeinschaftswerk von Dr. Eduard Wätjen, Henning Wätjen, des Vegesacker Schifffahrtshistorikers und Juristen Dr. Peter-Michael Pawlik und der Lektorin Monika Thiele, vereint sämtliche bekannten Wätjen-Schiffsbilder. Viele der Gemälde werden in diesem Buch erstmals veröffentlicht.

Kapitänsbilder der Bremer Reederei erstmals vereint

Es waren (in der Regel) die Kapitäne, die einst die repräsentativen Bilder ihrer Schiffe in Auftrag gegeben haben. Das Buch bringt 67 Darstellungen von 46 Schiffen zusammen – ein kunsthistorischer und maritimer Bilderschatz. Aufbau und Entwicklung einer Flotte über Jahrzehnte wird vor Augen geführt. Zugleich lässt sich die Entwicklung der Bildgattung „Schiffsporträt“ im 19. Jahrhundert hier am Beispiel einer einzigen Reederei verfolgen. Der Leser lernt Kapitäne und Schiffe kennen. Und Schiffsporträtmaler wie Carl Fedeler (1837 bis 1897), dessen Vater Carl Justus Fedeler (1799 bis 1858) und den Vegesacker Oltmann Jaburg (1830 bis 1908). Nicht unbedingt akademisch ausgebildete Künstler, aber Maler, die mit den Stürmen auf See durchaus vertraut waren. Etliche der abgebildeten Gemälde stammen aus Privatsammlungen, andere gehören zum Bestand von Häusern wie dem Focke-Museum und dem Deutschen Schifffahrtsmuseum.

Und die Reederei? Sie war in der Dampfer-Epoche zunächst kleiner geworden und hat am Ende den Ersten Weltkrieg, in dem zwei ihrer nur noch drei Schiffe beschlagnahmt wurden, nicht überstanden. Das letzte Schiff – es trug den zu diesem Zeitpunkt nicht mehr zeitgemäßen Namen „Kaiser“ – wurde 1921 verkauft. Vor nunmehr 100 Jahren also.

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