Präsentation bei Airbus

Drei Gymnasiasten entwickeln Verfahren, um Weltraumschrott zu recyceln

Die Rostocker Schüler Leni Termann (v.l), Adrian Schorowsky und Lara Neubert haben ihre Forschungsarbeit am Mittwoch bei Airbus in Bremen präsentiert. Sie entwickelten im Rahmen von „Jugend forscht“ ein Verfahren zum Recyceln von Kunststoff auf der Internationalen Raumstation. - Foto: dpa

Bremen - Von Hannes Stepputat. Drei Gymnasiasten haben am Mittwoch bei Airbus in Bremen ein Verfahren zum Recyceln von Kunststoff auf der Internationalen Raumstation (ISS) präsentiert. Mit der von Leni Termann, Lara Neubert und Adrian Schorowsky entwickelten Methode kann Plastikmüll zum Grundstoff für 3D-Drucker recycelt werden. Und damit wiederum lassen sich nach Angaben der drei Schüler Ersatzteile und Teile für Experimente der Astronauten direkt auf der ISS herstellen. Das vermeide auch Müll, der sonst beim Wiedereintritt in die Atmosphäre verglüht.

Mit dieser Idee hatten die 18-Jährigen aus Rostock im Mai den Bundessieg von „Jugend forscht“ im Bereich Geo- und Raumwissenschaften errungen und einen Monat später den Nachwuchspreis des „Inno Award 2018“, den Preis der Technologiezentren in Mecklenburg-Vorpommern.

Bei Airbus ist man interessiert: „Das von dem ,Jugend-forscht'-Team bearbeitete Thema ,Reuse in Space' halten wir für sehr relevant beispielsweise für zukünftige Langzeitmissionen“, sagt Mathias Seifert, Programmmanager ISS bei Airbus.

Bis zu 180 Kilo Müll pro Jahr.

Auf die Idee kamen die drei Schüler bei einer Veranstaltung mit dem Ex-Astronauten Thomas Reiter an der Uni Rostock vor zwei Jahren: „Da ist uns aufgefallen, außerhalb der ISS gibt es Ansätze zum Umgang mit Weltraumschrott, aber innerhalb der ISS eher nicht“, sagt Lara im Vorfeld der Präsentation. „Im Moment beziehen wir uns besonders auf Kunststoff“, ergänzt Leni. Konkret gehe es um sogenanntes „Low-Density-Polyethylen (LDPE), eine Form des Polyethylens (PE). Auf der ISS stamme das vor allem aus Verpackungsmüll von Experimenten, erklärt Adrian, bis zu 180 Kilo pro Jahr.

„Um das Material zu verarbeiten, muss man zuerst den Stickstoff entfernen, der darin eingeschlossen ist“, sagt er. „Das erreichen wir dadurch, dass wir das Material einschmelzen.“ Die Verpackungen würden aus Brandschutzgründen für den Transport mit Stickstoff aufgeschäumt, der beim Vakuum-Einschmelzen durch den fehlenden Druck besser entweichen könne. Anschließend werde das Material zu Granulat geschreddert, mit dem einige 3D-Drucker bereits arbeiten könnten, so dass keine weitere Umwandlung nötig sei. „Und dann stellen wir die Teile her, die wir brauchen“, sagt der 18-Jährige. „Wir greifen genau da an, wo Material verschwendet wird“, so Leni. „Sonst kommt es in die leere Transportkapsel und verglüht“, ergänzt Lehrerin Kirsten Mantau.

„Es ist aber noch sehr, sehr viel zu tun“

„Man muss sagen, dass die Astronauten im Moment noch relativ abhängig von den Transportkapseln sind“, sagt Leni Termann. Ersatzteile für Experimentausstattungen müssten aufwendig und vor allem teuer von der Erde herbeigeschafft werden. Ein Kilo Material zur ISS zu fliegen, koste bis zu 20.000 US-Dollar. „Durch den Recyclingprozess schaffen wir eine gewisse Unabhängigkeit.“

Von dem Treffen bei Airbus erhofft sich die 18-Jährige auch eine Rückmeldung, ob das Verfahren in der Praxis eingesetzt werden könnte. „Es ist aber noch sehr, sehr viel zu tun, das ist eine komplexe Sache“, sagt sie. „Aber wenn es nicht Zukunft hätte, dann wäre es, glaube ich, nicht so weit gekommen und würde auch nicht so viel Aufmerksamkeit bekommen.“

Als nächstes wollen die drei ihr Verfahren platz- und kostensparender gestalten. 

dpa

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