Die Welt nicht schöngeredet

Neues Buch über Koschnick: „Danke, Hans!“

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Hans Koschnick mit seiner Frau Christine Koschnick – aufgenommen im April 2015 im Privathaus des Ehepaars.

Bremen - Nach dem neuen Namen für den Bremer Flughafen steht die nächste Ehrung für Hans Koschnick (1929 bis 2016, SPD) an. An einer seiner Wirkungsstätten – im Bremer Rathaus – wird am Dienstag an den langjährigen Bremer Bürgermeister und Präsidenten des Senats erinnert. Anlass ist ein Buch über Koschnick, das Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) gemeinsam mit Christine Koschnick präsentiert.

Buch über Koschnick? Vor einigen Jahren – noch zu Lebzeiten des Politikers – ist eine Koschnick-Biografie erschienen, die die Bremer Journalistin Karla Müller-Tupath geschrieben hat. Jetzt aber, gut ein Jahr nach Koschnicks Tod, gibt es ein neues Buch über den Sozialdemokraten.

Unter dem Titel „Danke, Hans!“ ist es im Bremer Donat-Verlag erschienen. Hans Koschnick war am 21. April vergangenen Jahres im Alter von 87 Jahren gestorben. In den Erinnerungen werde er als ein Mensch dargestellt, der für seine Überzeugungen gelebt und sich unangenehmen Problemen gestellt habe, sagt Herausgeber und Verleger Helmut Donat.

Koschnick habe sich davon leiten lassen, Menschen zusammenzuführen, Grenzen unsichtbarer „und damit den Frieden sicherer zu machen“. In seinem Engagement für Frieden, Freiheit, soziale Gerechtigkeit und „Menschenverbrüderung“ habe der Politiker fremdenfeindlichen und deutschtümelnden Parolen eine klare Absage erteilt, betonte Donat.

Schröder, Süssmuth und Adamowicz

Und: „Koschnick war ein Ausnahmepolitiker, der weit über Bremen und Deutschland hinaus große Anerkennung und viel Sympathie gefunden hat. Das Echo auf die Nachricht seines Todes war überwältigend. Er selbst achtete stets darauf, dass man ihn nicht überhöhte, und er wehrte sich dagegen, von anderen über den grünen Klee gelobt zu werden.“ Das kann man so sagen.

Auch das vorliegende Buch solle Koschnick gerade nicht auf ein Podest heben, so der Verleger und Herausgeber. Zugleich heißt es aber auch über Koschnick: „Durch seine Wahrheitsliebe, Redlichkeit, Authentizität und Bescheidenheit überragte er gleichwohl viele, denen es nicht zuletzt infolge ihrer offenbaren Rücksichtnahme auf Mainstream-Mentalitäten – und weil sie der seit Bismarck zum Grundsatz erhobenen Trennung von Moral und Politik anhängen – nicht gelingt, Glaubwürdigkeit zu verkörpern.“

In einem Nachwort schreibt der Bremer Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel, wer Koschnicks Entscheidungsfähigkeit, Ehrlichkeit, Transparenz und Glaubwürdigkeit folge, „macht seine Arbeit gut“. Hickel schreibt weiter, dass Koschnick kein Opportunist und Feigling gewesen sei, „der dem Volk die Welt schönredete“. Vielmehr habe er durch „Klugheit und Weisheit“ überzeugt.

In dem Buch dokumentiert Donat unter anderem Reden zur Trauerfeier für Hans Koschnick am 4. Mai 2016 im Bremer St.-Petri-Dom – sowie Würdigungen von Wegbegleitern und Zuschriften an die Witwe Christine Koschnick. Ergänzt wird das Material durch wichtige Reden von Hans Koschnick selbst, etwa zum 50. Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkrieges 1989 und zur Ausbeutung der ärmeren Länder durch die Industrienationen. Die zitierten Reden zur Trauerfeier stammen etwa von Altkanzler Gerhard Schröder (SPD), Rita Süssmuth (CDU) und dem Stadtpräsidenten von Danzig, Pawel Bogdan Adamowicz. Die Zuschriften an Christine Koschnick kommen beispielsweise von den Sozialdemokraten Hans-Jochen Vogel, Sigmar Gabriel, Hannelore Kraft und Frank-Walter Steinmeier.

Koschnick war von 1967 bis 1985 Chef der Bremer Landesregierung. Er engagierte sich an der Seite von Willy Brandt (SPD) als politischer Brückenbauer zu Israel und Polen. Am 12. April 1976 unterschrieb er in Danzig die erste westdeutsch-polnische Städtepartnerschaft. Als EU-Administrator lenkte er später den Wiederaufbau in Mostar in Bosnien-Herzegowina.

Der Bremer Sozialdemokrat war außerdem Beauftragter der Bundesregierung für Flüchtlingsfragen – sowie Berater der Europäischen Kommission für den Aufbau eines europäischen Freiwilligendienstes.

kuz/epd

Helmut Donat (Herausgeber): „Danke, Hans!“, Donat-Verlag, 128 Seiten. Preis: zwölf Euro.

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