Streit um Tarife für Hafenarbeiter dauert an / BLG: „Keine temporäre, eine strukturelle Geschichte“

Welcher Lohn führt aus der Krise?

Wann wird es wieder durchgehend so voll? Archivbild vom Automobilumschlag in Bremerhaven.

Bremen - Von Thomas Kuzaj· Ungerecht behandelt fühlen sich die Chefs der BLG. Anlass sind die erregt und bisweilen auch unfair geführten Diskussionen um die Einführung des Neun-Euro-Stundenlohns im Hafen.

Das Hafenumschlags- und Logistikunternehmen will diese Lohngruppe einführen und hat diesen Tarif für die Fahrer im Automobilumschlag hausintern auch schon durchgesetzt – mit Zustimmung von Vertretern der Gewerkschaft ver.di und für neu eingestellte Kräfte. Für bislang gut 70 Mitarbeiter gilt der Neun-Euro-Tarif.

Am Dienstag, 2. Februar, beginnen Verhandlungen mit dem Gesamthafenbetriebsverein (GHB) – auch dessen Mitarbeiter, so das Ziel der BLG, sollen zu solchen Löhnen arbeiten. Motto: Löhne kürzen, Arbeitsplätze retten. Unterdessen gehen die Hafenarbeiter auf die Barrikaden und setzen zugleich die Gewerkschaft wegen ihrer Zustimmung zum BLG-„Haustarif“ unter Druck. Am Rande der Verhandlungen am Dienstag wollen Bremer und Bremerhavener Hafenarbeiter demonstrieren. Bei Protesten in Bremerhaven war es jüngst zu Rangeleien gekommen.

Die Stimmung also darf getrost als aufgeladen bezeichnet werden. „Wir wollen dem GHB eine Chance geben, zu überleben“, ruft Manfred Kuhr mitten in diese Stimmung hinein. Kuhr ist stellvertretender BLG-Vorstandschef.

Er spricht auch, wie alle, von der Wirtschaftskrise. Aber nicht so beschwichtigend und optimistisch wie manch anderer. Das Tal ist durchschritten? So einfach sieht es in den Häfen nicht aus. Für die BLG gilt: 2009 brach das Geschäft stark ein. 60 Prozent weniger Container bei Eurogate in Bremerhaven, 40 Prozent weniger Autos auf dem Terminal und im Technikzentrum, 40 Prozent weniger konventionelles Stückgut in Bremen – die Rückgänge sind deutlich zu spüren. Kuhr glaubt nicht, dass sich auf wundersame Weise bald wieder alles zum Guten wenden wird. Bei der BLG erwartet man nur eine „sehr langsame Erholung“. Kuhr weiter: „Es ist keine temporäre, sondern eine strukturelle Geschichte. Die hat nicht nur mit der Krise, sondern auch mit strukturellen Veränderungen von Produktionsstandorten insbesondere im Automobilbereich zu tun.“ Asiatische Hersteller etwa bauen zunehmend in Osteuropa – damit läuft natürlich weniger Import über Bremerhaven.

Hinzu komme ein Preiskampf. BLG-Kunden wie große Autoproduzenten sehen sich – hier kommt wieder die Krise ins Spiel – gezwungen, Kosten zu senken und gucken dabei auch auf die Ausgaben, die im Hafen anfallen. Zugleich machen andere Häfen wie Seebrügge und Antwerpen Bremerhaven Konkurrenz – über die Kosten, wie Kuhr sagt. Um Geschäfte zu sichern und neue Aufträge zu gewinnen, müsse auch die BLG Kosten senken. Womit wir wieder beim umstrittenen Neun-Euro-Lohn angekommen wären, den die BLG – so Kritiker – auch dem Gesamthafenbetriebsverein „aufdrücken“ will. Das sieht man bei der BLG aus anderer Perspektive: „Wir wollen den GHB behalten, weil wir für den Umschlag ausgebildete Leute brauchen.“ Aber: „Die müssen sich auch bewegen – wie unsere Leute.“

WWW.

blg.de

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