Weite Reise zum Asteroiden

Ausstellung in der Unteren Rathaushalle zeigt Mission des DLR-Landers „Mascot“

Bilder von „Ryugu“, aufgenommen von der Raumsonde „Hayabusa-2“ und zu sehen in der Ausstellung. - Foto: Reineking

Bremen - Von Viviane Reineking. Hinter ihm liegt bereits eine mehr als drei Milliarden Kilometer weite Reise durch das Sonnensystem. Doch erst nach dreieinhalb Jahren nähert sich langsam der Höhepunkt im Leben von „Mascot“: Anfang Oktober soll der Lander auf dem erdnahen Asteroiden „Ryugu“ aufsetzen und ihn erkunden. Eine Ausstellung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) gibt von heute, Dienstag, bis zum 14. Oktober in der Unteren Rathaushalle spannende Einblicke in die Mission von „Mascot“ und der Raumsonde „Hayabusa-2“.

Der im Dezember 2014 im japanischen Tanegashima gestartete „Wanderfalke“, wie „Hayabusa“ übersetzt heißt, hat vor zwei Wochen den Asteroiden erreicht. Mit an Bord: der federführend vom DLR entwickelte deutsch-französische Lander „Mascot“. In seinem Inneren verbergen sich vier Experimente zur Untersuchung der Beschaffenheit und des Aufbaus des rund 900 Meter großen, dunklen – fast schwarzen – und kohlenstoffhaltigen Asteroiden. „Asteroiden sind Überreste aus der Zeit vor rund 4,5 Milliarden Jahren, als das Sonnensystem entstanden ist“, sagt DLR-Wissenschaftlerin Dr. Tra-Mi Ho, die seit 2011 das „Mascot“-Projekt leitet, beim Rundgang durch die Ausstellung.

Ausstellungsbesucher können unter anderem ein 1:1-Modell des Landers „Mascot“ in Augenschein nehmen. - Foto: Reineking

Am Bremer DLR-Standort wurde das Landegerät in der Größe eines Schuhkartons gebaut und getestet. „Mascot“ gehe es gut, weiß die 44-Jährige. „Wir sprechen oft mit ihm.“ Derzeit befinde sich der Lander noch in der Raumsonde rund 22 Kilometer vom Asteroiden entfernt.

Die nächsten drei Monate werde er nun auf die Landung auf dem Asteroiden vorbereitet. Den, so die Wissenschaftlerin, habe man aufgrund von Beobachtungen und Modellierungen in seiner Form eher rund erwartet. Fotos der Raumsonde aber zeigten: „Er ist wie ein Diamant geformt und übersät mit großen Brocken – wahrscheinlich ist er ein Bruchstück einer früheren Kollision“, so DLR-Raumfahrtvorstand Prof. Hansjörg Dittus.

Zurück zur Ausstellung: Videos, großformatige Bilder und kurze, auch für Laien leicht verständliche Texte veranschaulichen den Ablauf der Mission, die geplanten Manöver auf dem Asteroiden und die wissenschaftlichen Ziele. Erklärt werden aber auch die Bedeutung von Asteroiden als Urmaterie des frühen Sonnensystems und die Gefährdung der Erde durch Asteroiden. Höhepunkte der Ausstellung: Ein Modell von „Hayabusa-2“ zeigt die japanische Raumsonde in Originalgröße, ein weiteres Stück den Lander im Maßstab 1:1.

Höhepunkt der Ausstellung „Kontakt mit einem Asteroiden“ in der Unteren Rathaushalle: „Mascot“-Projektleiterin Dr. Tra-Mi Ho vor einem Modell von „Hayabusa-2“. Es zeigt die Raumsonde der japanischen Weltraumorganisation „Jaxa“ in Originalgröße. - Foto: Reineking

60 Meter über der Oberfläche des Asteroiden wird „Mascot“ abgeworfen, so Ho, die das Geschehen im Lander-Kontrollzentrum in Köln verfolgen will. „Wir sind schon aufgeregt.“ Dann zähle für das Team jede Minute: Für 16 Stunden – zwei Asteroidentage – reiche die Batterie von „Mascot“. Der kann bis zu 70 Meter weit hüpfen und so laut DLR erstmals in der Geschichte der internationalen unbemannten Raumfahrt an verschiedenen Orten auf einem Asteroiden Messungen vornehmen. Diese Daten unterstützen dem Institut zufolge auch die spätere Probenaufnahme durch die Muttersonde. In zwei Jahren soll „Hayabusa-2“ mit den Proben zur Erde zurückkehren.

Die Wissenschaftler erhoffen sich durch die Mission von „Hayabusa-2“ und „Mascot“ wichtige Einblicke in die Vorgänge bei der Entstehung von Planeten, etwa der Erde. Wissen gewinnen wollen sie aber auch darüber, wie erdbahnkreuzende Asteroiden – dem DLR zufolge trifft dies auf etwa 17  000 (von insgesamt mehr als 750 000) zu – bei Kollisionsgefahr abgewehrt werden können.

Das DLR zeigt „Kontakt mit einem Asteroiden“ bis zum 14. Oktober montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr, sonnabends von 9.30 bis 16 Uhr sowie sonntags von 10.30 bis 15 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Die Ausstellung ist Teil des Programms „Sternstunden 2018“ zum Raumfahrtjahr in Bremen, das mit der weltweit bedeutendsten Konferenz der internationalen Raumfahrt, dem International Astronautical Congress (IAC, 1. bis 5. Oktober), endet.

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