„Weit außerhalb des Rechtssystems“

Raubprozess: Staatsanwaltschaft fordert mehrjährige Haftstrafen

Die Angeklagten Saindi B. (34, 2.v.l.) und Said E. (28, verdeckt durch eine Robe) werden in den Gerichtssaal geführt. Weiter im Bild: Anwalt Wilfried Behrendt (Mitte) und sein Kollege Axel Holtfort (rechts). - Foto: Koller

Bremen - Von Steffen Koller. Mehr als sechs Monate nach Prozessbeginn gegen zwei Männer im Alter von 28 und 34 Jahren unter anderem wegen Raubes hat die Staatsanwaltschaft ihren Schlussvortrag gehalten. Sechs Jahre Haft beziehungsweise ein Jahr und zehn Monate Freiheitsstrafe forderte die Anklagevertretung am Freitag vor dem Landgericht Bremen und sprach von „Täterstrukturen weit außerhalb des Rechtssystems“.

Den Männern mit tschetschenischer Herkunft wird seitens der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, ihr Opfer im August 2016 mit zwei weiteren Personen an seinem Arbeitsplatz aufgesucht und mit Tritten und Schlägen dazu gezwungen zu haben, ihnen 30.000  Euro auszuhändigen. Bei der Summe soll es sich nach Rekonstruktion der Staatsanwaltschaft um Schulden gehandelt haben, die der Mann aber nicht bei den Angeklagten selbst hatte, sondern bei einem anderen Mann. Die Angeklagten Said E. (28) und Saindi B. (34) sollen als „Schuldeneintreiber“ fungiert haben. Als ihr Opfer zur Zahlung des Geldes nicht gewillt war, suchten sie nach Ansicht der Anklagevertretung den Mann in der Nähe seines Wohnhauses erneut auf und zwangen ihn zur Herausgabe des Geldes. Bei der zweiten mutmaßlichen Tat soll nur Said E. mit weiteren Personen beteiligt gewesen sein, Saindi B. hingegen sei nicht involviert gewesen.

Handy in die Untersuchungshaft geschleust

Said B. soll sich bei den Taten als die „zentrale Figur“ hervorgetan haben, sei „unzweifelhaft der Wortführer“ und „treibende Kraft“ gewesen. Auch während der Untersuchungshaft habe er mit einem eingeschleusten Handy Kontakt zum Opfer aufgenommen und es weiter bedroht.

Saindi B. hingegen, der in Ermittlungsakten als „das Haustier von Said E.“ betitelt wird, habe bei der Erpressung zwar „keinen entscheidenden, aber einen erheblichen Tatbeitrag“ geleistet, hieß es im Plädoyer.

Die Staatsanwaltschaft forderte letztlich für den 34-jährigen Saindi B. wegen Raubes, gefährlicher Körperverletzung sowie versuchter räuberischer Erpressung eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten – ohne Bewährung. Die dafür erforderlichen Voraussetzungen seien beim Angeklagten nicht erfüllt.

Said E. hingegen soll zusätzlich zu den oben genannten Vorwürfen wegen vollendeter räuberischer Erpressung sowie Beihilfe zum Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz zu sechs Jahren Haft verurteilt werden. Der 28-Jährige war laut Anklage mit Sturmgewehren und Munition unterwegs, die Ermittler im Kofferraum eines BMW fanden. Hinzu komme, dass E.  „einschlägig vorbestraft“ sei – unter anderem wegen eines Angriffs auf die Bremer Disco „Mirage“ im Jahr 2006, bei der ein Türsteher mit Baseballschlägern schwer verletzt wurde.

Die Plädoyers der Verteidigung sind für Dienstag, 26.   September, geplant.

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