Ausstellung soll Touristen anlocken

Terrakotta-Schau: Weißer Krieger und Pinselstriche

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Kuratorin Jaana Klumpp betreut die Terrakotta-Armee seit 2015. Jetzt ist die Schau in Bremen zu sehen. 

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Ja, ein Lieblingsexponat hat sie auch, die Kuratorin der Ausstellung „Die Terrakotta-Armee – Das Vermächtnis des Ewigen Kaisers“, die bis zum 19. August im BLG-Forum in der Überseestadt zu sehen ist. Doch eine Soldaten-Tonfigur nennt Jaana Klumpp nicht. Sie nennt eine der Tierfiguren – ein Kranich ist ihr Lieblingsexponat.

Apropos Exponate – die Kuratorin bemüht sich, der Wanderausstellung an jedem Ort etwas Neues hinzuzufügen. Und so feiert auch in Bremen ein besonderes – und eben: neues – Exponat Premiere. „Ein weißer Terrakottakrieger“, so Klumpp. Er dient gleichsam als Leinwand, um verschiedene Farbtypen zu erklären.

Einer, der sich mit den Farben der chinesischen Original-Terrakottafiguren auskennt, ist Professor Heinz Langhals von der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Er ist kein Archäologe und kein Kunstwissenschaftler, sondern Chemiker – und berät die Ausstellungsmacher seit 2015 als Experte. „Drei, vier, fünf Minuten“ nur dauere es, bis die Farbe von den Originalen buchstäblich herunterbröselt, wenn sie ausgegraben werden – weil die vor 2 200 Jahren aufgebrachte Grundierung, „ein bakelitähnlicher Lack“, sich beim Kontakt mit Licht und Luft der Gegenwart zusammenrollt, wie Langhals erklärt.

Die Figuren sind einst mit allerhöchster Sorgfalt bemalt worden. „15 Pinselstriche für einen Quadratzentimeter“, sagen die Fachleute.

Geschichten wie diese erzählen die Ausstellungsmacher gern – denn alles, was nach Besonderheit, Einzigartigkeit oder gar Superlativ klingt, gilt auch als werbewirksam. Und für diese Ausstellung wird viel geworben. Während sie selbst auch eine Werbung sein soll – für das Touristenziel Bremen nämlich. Was sonst bei Produktionen bremischer Häuser – etwa: Kunsthalle und Übersee-Museum – überregional gemacht wird, das geschieht auch in diesem Fall: Ein Ausstellungsprojekt, das selbst als Wanderschau nach Bremen gereist ist, soll Besucher nach Bremen locken. Und folglich wird entsprechend getrommelt.

Aufwendig genähte und bestickte traditionelle Frauenkleidung ist im letzten Ausstellungsraum zu sehen – hier ein Gazegewand aus der Tang-Dynastie (618 bis 907).

Chef-Trommler ist – wie immer – Peter Siemering, Geschäftsführer Bremer Touristik-Zentrale (BTZ). „Städtetourismus ist immer anlassbezogen“, sagt er. „Wir brauchen überregionale Veranstaltungen.“ Und so eine Ausstellung, die zählt als überregional attraktive Veranstaltung. Im Umland, im weiteren Umkreis, letztlich deutschlandweit und sogar international. Siemering kennt da schon von Berufs wegen keine Grenzen. „In Katalogen und auf Online-Plattformen“ werbe Bremen für das Gastspiel der Terrakotta-Armee.

Und: „Wir haben auch die Bus-Branche informiert. Die Bus-Branche braucht immer Infos, um ihren Kunden etwas anbieten zu können.“ Die BTZ selbst bekomme „jeden Tag zig Anfragen“ im Zusammenhang mit der Tonsoldaten-Schau. Allgemein gehe der Trend zum Kurzurlaub und zu „Städtereisen mit der Familie“. Die Terrakotta-Armee passt Siemering da gut ins Konzept.

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