Der „Weiße Ring“ zeigt Ausstellung „Opfer“ / Gastredner Richard Oetker

Das Schweigen brechen

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Der „Weiße Ring“ zeigt ab Sonntag, 30. August, die Plakat- und Fotoausstellung „Opfer“ in der Unteren Rathaushalle in Bremen. Unter anderem geht es auch um das Thema häusliche Gewalt.

Bremen - Es ist der Abend des 14. Dezember 1976, als der damals 25 Jahre alte Student Richard Oetker auf dem Parkplatz der Universität Weihenstephan bei München plötzlich überwältigt und in einen Wagen gezerrt wird.

Sein Entführer hält den jungen Mann zwei Tage in einer kleinen Holzkiste gefangen und foltert ihn mit Stromschlägen fast zu Tode, bevor er sein Opfer gegen ein Lösegeld von 21 Millionen DM wieder frei lässt. Das Verbrechen an dem Unternehmersohn sorgte damals international für Schlagzeilen und ist 2001 unter dem Titel „Tanz mit dem Teufel“ auch verfilmt worden. Am Montag, 31. August, kommt Richard Oetker nach Bremen. Der heute 64-Jährige spricht um 18 Uhr in der Liebfrauenkirche über seine Entführung und die damit verbundenen Erfahrungen aus der Perspektive des Opfers.

Der Abend ist die offizielle Eröffnungsveranstaltung der Ausstellung „Opfer“, die von Sonntag, 30. August, bis Sonntag, 6. September, bei freiem Eintritt in der Unteren Rathaushalle täglich von 10 bis 18 Uhr zu sehen ist.

Deutschlands größte Opferhilfsorganisation, der „Weiße Ring“, präsentiert diese Ausstellung mit rund 70 Plakaten und Fotos von Studenten der Bauhaus-Universität in Weimar. Die Bilder setzen sich mit den Tabuthemen „Häusliche Gewalt“ und „Sexueller Missbrauch“ auseinander.

„Dabei vermeiden die Künstler bewusst brutale Darstellungen von Gewalt. Stattdessen lassen die Plakate beim Betrachter eigene Bilder entstehen, die unter die Haut gehen“, sagt Dierk Schittkowski, Vorsitzender des „Weißen Rings“ in Bremen. „Die Ausstellung will auf die alltägliche, oft im Verborgenen stattfindende Kriminalität aufmerksam machen. Sie soll bei den Besuchern darauf hinwirken, ihre Umwelt anders zu betrachten und falls erforderlich, Zivilcourage zu zeigen“, sagt Innensenator Ulrich Mäurer (SPD), der die Schirmherrschaft übernommen hat. Die Bilder machten deutlich: Wer schweigt, macht sich mitschuldig.

„Die Ausstellung konfrontiert den Betrachter mit dem Leid der Opfer, die oftmals schweigen – aus Angst, Scham und Hilflosigkeit“, betont Schittkowski. Viele würden sich nach dem erlittenen Unrecht zudem alleingelassen fühlen.

Auf einem Bild sehen die Besucher, so Schittkowski, ein kleines Mädchen, das treuherzig in die Kamera schaut. Unter dem Porträtfoto steht: „Diese Hure hat ihren Onkel verführt.“ Wer geschockt weiterliest, findet kleingedruckt den Satz: „So rechtfertigen sich die Täter.“

„Die ausgestellten Bilder machen nachdenklich und sollen Anstoß für Aufmerksamkeit und Hilfsbereitschaft geben“, so Schittkowski. Jede vierte Frau in Deutschland habe in ihrer Partnerschaft schon einmal körperliche oder sexuelle Gewalt erlebt. Zudem würden Jahr für Jahr 20 000 Kinder Opfer sexueller Übergriffe. Die Dunkelziffer sei jedoch weit höher. „Das ist nur die Spitze des Eisbergs“, ist Schittkowski überzeugt, der selbst die Polizeilaufbahn durchlaufen hat und jetzt als Abteilungsleiter bei der Innenbehörde arbeitet. Die Erfahrung zeige, dass viele Straftaten nicht angezeigt würden.

Begleitet wird die Ausstellung von der Polizei Bremen und der Bundespolizei, die an vier Nachmittagen (jeweils 17 Uhr) in der Unteren Rathaushalle Vorträge zur Kriminalprävention halten: „Einbruch“, Dienstag, 1. September; „Straftaten zum Nachteil älterer Menschen“, Mittwoch, 2. September; „Straßenraub“, Donnerstag, 3. September, und „Zivilcourage“, Freitag, 4. September.

sg

www.weisser-ring.de

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