Der Trubel lenkt ab

Weihnachtsmarkt und „Schlachte-Zauber“ trotzen der Terrorangst

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Die „Fogelvreien“ warten an der Piratenschenke auf zahlende und trinkende Kundschaft – das Calvados-Fass ist gut gefüllt. Fotos (3): Esser

Bremen - Von Jörg Esser. Frühstart. Aber kein Fehlstart. Weihnachtsmarkt und „Schlachte-Zauber“ sind eröffnet. Rund 300 Stände locken in der Innenstadt und am Weserufer seit gestern die Besucher an. Drei Tage Zuschlag gibt es in diesem Jahr, die Vorweihnachtszeit dauert einen ganzen Monat – bis zum 23. Dezember.

So weit, so schön. Doch auch die Bremer Weihnachtsmärkte stehen im Zeichen der verheerenden Terroranschläge in Paris, des verhinderten Anschlags auf das Fußball-Länderspiel in Hannover, der Dauer-Terrorwarnung in Brüssel und so weiter. Nein, Angst habe er keine, sagt ein Standbetreiber vom Liebfrauenkirchhof. Ein mulmiges Gefühl? „Na ja. Je mehr Trubel ist, desto weniger Zeit hat man nachzudenken“, sagt er. „Das ist wohl auch besser so.“

Ablenkung ist angesagt, so lautet der Tenor bei Marktbeschickern und Besuchern. Eine junge Frau aus Laatzen bei Hannover sagt: „Die Bilder aus Paris habe ich noch immer im Kopf.“ Und dann zeigt sie auf den Trauerflor, den die Bremer Speckflagge auf dem Rathausbalkon trägt. „Trotzdem freue ich mich auf Weihnachten.“

Soll sie auch. Weihnachtsmärkte sind ja die traditionellen Vorboten des Festes. So wird die Welterbe-Kulisse in der Bremer City wieder einmal in Lebkuchenduft getaucht. Jede Menge Glühwein, Punsch Grog und Feuerzangenbowle wird ausgeschenkt. Kartoffelpuffer, Schmalzkuchen, Matjesbrötchen – die „Fressbuden“ ziehen schon früh die Besucher an. Bei den „Räuchermännchen“ und den „lachenden Tassen“, auch bei den vielen Schmuckständen und den Christbaumkugeln aus dem Erzgebirge läuft das Geschäft schleppend an. Es kommt erst am Nachmittag auf Touren. „Bei Lichterschein rollt der Rubel“, sagt ein Händler. „White Christmas“ erklingt.

Der Honig aus Finnland scheint hingegen auch bei Tageslicht gefragt zu sein. Das mag am charmanten Lächeln der junge Dame in landestypischer Tracht liegen. Ein Flirt wirkt Wunder. „Der Honig ist einfach lecker, nicht so klebrig“, erzählt ein Mann ungefragt dem grinsenden Chronisten. Nun denn. Auf dem Marktplatz dreht das historische Kinderkarussell seine ersten Runden. Auf dem Domshof locken das kleine Riesenrad und „Happy Sailor“ das Publikum an.

Weiter geht‘s beim Trip durchs voradventliche Treiben, hinein ins maritime Freibeuterdorf der „Fogelvreien“. An der Piratenschenke werden heißer Met und Calvados ausgeschenkt, beim Fleischbräter im „Schlachte-Schiff“ gehen erste Spieße und zwiebellastige Batzen über den Verkaufstresen. Beim Gewürzkrämer duftet es nach Weihrauch. Lamentierende Marketender, Gaukler und Spielleute nehmen die Leute mit auf eine Zeitreise ins achte bis 18. Jahrhundert.

Wer sich durchs Dorf der Freibeuter geschlagen hat, landet vor den Hütten der Schlachte-Gastronomen – bei Elch- und Wildschweinbratwurst vom Grill, Flammlachs, Braunkohl, „Bremer Lümmeln“ und Schoko-Küssen von „Mayer Junior“.

Der Weihnachtsmarkt öffnet montags bis sonnabends um 10 Uhr, sonntags um 11 Uhr, der „Schlachte“-Zauber immer um 11 Uhr. Schluss ist jeweils um 20.30 Uhr, sonnabends erst um 22 Uhr.

Weihnachtsmarkt und Schlachtezauber in Bremen

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