Falschmeldung per WhatsApp verschickt 

Weihnachtsbaum im Weserpark wurde nicht von Flüchtlingen geplündert

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Dieses Video soll zeigen, dass ein Christbaum im Weserpark geplündert wurde. 

Bremen - Von Johanna Müller. Der Fremdenhass in Deutschland wird immer größer - eine These, die sich dieser Tage zu bewahrheiten scheint. Denn wieder wird dieser mit Falschmeldungen in sozialen Netzwerken geschürt. In dem konkreten Fall sollen Muslime einen Weihnachtsbaum in Bremen geplündert haben. 

„Heute im Weserpark“, steht unter dem Video, das sich in Bremen und umzu per WhatsApp verbreitet. Auch kreiszeitung.de hat dieses Video geschickt bekommen. Auf den Bildern ist eine große Menschenmenge zu sehen, die sich um einen festlich geschmückten Weihnachtsbaum in einem Einkaufszentrum versammelt hat. Die Frauen tragen Kopftuch. Einige Männer klettern auf den Christbaum, ziehen die Kugeln von den Zweigen und werfen diese in die Menge. 

„Ich war geschockt als ich das gesehen habe“, sagt Andreas Meyer aus Fahrenhorst (Name geändert). Eine Bekannte habe ihm das Video geschickt. „Deutschland schafft sich ab“, schreib er nach eigener Aussage zurück. Und damit haben die Verfasser dieser Nachricht ihr Ziel erreicht. 

Üble Falschmeldung

Denn auf der Aufnahme sind keineswegs Flüchtlinge oder Migranten zu sehen. Und das Ganze hat sich auch nicht in Bremen abgespielt, bestätigt am Donnerstag Polizeisprecher Nils Matthiesen. „Das war vor einer Zara Filiale in Ägypten“ erklärt er. 

Auch Monika Mehrtens, Center Managerin des Weserparks, sagt: „Diese Meldung stimmt nicht.“ Und sie kann nicht verstehen, warum Menschen solche Nachrichten in die Welt setzen. „Ich finde das schlimm und weiß nicht, was in den Köpfen dieser Leute vorgeht“, sagt sie. Betonen möchte die Weserpark-Managerin, dass es in dem Center keinen Ärger mit Flüchtlingen gibt. 

Im direkten Vergleich wird außerdem deutlich, dass das Bremer Einkaufszentrum ganz anders aussieht.

So sieht die Zara-Filiale im Weserpark Bremen wirklich aus. 


Die Zara-Filiale (links) im Weserparkt mit Weihnachtsdekoration. 


Das Einkaufszentrum in dem Video. 

Doch wohl nicht jeder hat die Räumlichkeiten so vor Augen. Auch Meyer glaubte, auf den Bildern den Weserpark erkannt zu haben. Und schließlich war dieser Ort ja auch in der Nachricht genannt. Erst später schreibt ihm seine Bekannte, dass sie das Video nicht selbst gefilmt habe. Trotzdem glaubt er zunächst daran, dass sich die Szene dort abgespielt hat und war empört darüber, dass offenbar Muslime ein vermeintlich christliches Symbol zerstören. 

Dass diese Gefühle ausgelöst werden, war wohl die Intention der Verfasser. Nicht nur in der Region rund um Bremen kursiert das Video. Auch in Sachsen geht es rum. Dort heißt es, das Ganze habe sich in der Dresdener Altmarkt Galerie abgespielt

Plünderung ist beliebter Brauch 

Angesprochen auf die Falschmeldung reagiert Meyer verdutzt. „Ich bin sprachlos. Da kann ich nichts zu sagen.“ Damit hatte er nicht gerechnet. Dabei ist die Aktion, die er als so schlimm empfunden hat, ganz harmlos. 

Wie das Portal rosenheim24.de berichtet, handelt sich sich um einen traditionellen Brauch in Kairo, den man "Christmas tree plundering" nennt. Bei dem Brauch klettern die Männer auf den Weihnachtsbaum und suchen darin versteckte Geschenke. Deshalb sei das Video auch nicht aktuell, sondern bereits im Januar gedreht worden. 

Das Ganze komme aus Schweden, denn dort werden im Rahmen des St.-Knuts-Tags die Kerzen und der Schmuck vom Baum durch Plünderung entfernt. 

Auch auf der Videoplattform Youtube ist das Video aus Ägypten gelandet. Dort wurde es unter dem Titel „Muslims See a Mall Christmas Tree, They Then start ATTACKING IT!“ hochgeladen. Damit wird auch dort das Video missbraucht, um Stimmung gegen Muslime zu machen. 

 

Nutzer hinterfragen Echtheit kaum 

Immer wieder werden vermeintliche Schock-Videos oder besonders kuriose Meldungen über Facebook, Twitter oder WhatsApp verbreitet. Dabei prüfen viele Nutzer gar nicht die Herkunft. Es steht ja im Internet. Oder ein Bekannter hat es mir geschickt, heißt es oft. Dabei ist es im Internet besonders wichtig, auf die Quelle zu achten und im Zweifel kritisch zu hinterfragen.

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