„Tabakquartier“: Speicher werden zu Bürolofts, Laderampen zu Terrassen

Weichen und Zeichen

Daumen hoch: Stefan Schilling (l.), „Q1“-Küchenchef, und Michael Volkens, Sous-Chef des „Riva“, testen die ersten Gerichte der „Foodbox“. Foto: Q-GASTRO & EVENTS
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Daumen hoch: Stefan Schilling (l.), „Q1“-Küchenchef, und Michael Volkens, Sous-Chef des „Riva“, testen die ersten Gerichte der „Foodbox“.

Bremen – Das Projekt stellt Weichen. Weichen für die Zukunft. Auf mehr als 20  Hektar Fläche im vorderen Woltmershausen entsteht das „Tabakquartier“. Das Bremer Immobilienunternehmen Justus Grosse will das Areal der historischen Tabakfabrik Brinkmann in den nächsten fünf bis sechs Jahren zu „einem dynamischen Gewerbestandort und lebenswerten Wohnviertel“ entwickeln. „Dieses Quartier hat durch seine Geschichte und die alten Gebäude eine Identität und Bedeutung für den Stadtteil Woltmershausen und wird ein positives Zeichen für die Weiterentwicklung der Stadt Bremen setzen“, sagt Joachim Linnemann, geschäftsführender Grosse-Gesellschafter.

Das Unternehmen will nach aktuellen Angaben 600 bis 700 Millionen Euro ins Gesamtprojekt investieren. Geplant sind laut dem Ende März von der Baudeputation abgesegneten Masterplan unter anderem 1 500 bis 2 000 Wohnungen (davon 30 Prozent öffentlich gefördert), 1 500 neue Arbeitsplätze unter anderem in 170  Bürolofts in den alten Speichern. Hinzu kommen Eventlocations, Gastronomie, Kindergarten, Theater, ein Hotel und drei Mobilitätshäuser mit Parkplätzen auch für Autos.

Grosse hat das Grundstück 2018 gekauft. Und seither treibt die Projektgesellschaft Justus Grosse Real Estate die Bauarbeiten rund um die ehemalige Zigarettenfabrik voran. So läuft der Umbau diverser Fabrik- und Speichergebäude in Bürolofts trotz Corona-Krise weiter. 64 Prozent der insgesamt 170 Bürolofts sind bereits verkauft und reserviert. Die Projektentwickler von Justus Grosse haben begonnen, die Industrielofts weiter aufzumöbeln: Bis zu 3,50 Meter tiefe Balkone werden vor den Bürolofts aufgebaut. Auf dem Dach des Speichers sind derweil zwei Photovoltaikanlagen installiert worden – „als Teil eines ganzheitlichen Energiekonzeptes“ der Quartiersentwickler.

Stromtankstellen

Die beiden Anlagen produzieren jährlich eine Strommenge von rund 150 000 Kilowattstunden. Zum Vergleich: Damit können 60 Haushalte ein ganzes Jahr vollversorgt werden oder 55 Elektrofahrzeuge in einem Jahr gut 15 000 Kilometer weit fahren – also von Deutschland nach China und zurück. Im „Tabakquartier“ produzieren die PV-Anlagen Strom für die Gewerbelofts und die Stromtankstellen für Elektrofahrzeuge. Kern der Energieversorgung im Quartier soll ein Blockheizkraftwerk sein, das Wärme und Strom aus Erdgas erzeugt, heißt es. Die Wärme werde dann über ein quartiereigenes Leitungsnetz verteilt.

Geöffnet ist seit kurzem die „Foodbox Pusdorf“. Das Team will seine Gäste „mit einem kulinarischen Frischekick in ungezwungener Atmosphäre“ überzeugen. Die Betreiber ist die Gruppe „Q Gastro & Events“ („Riva“, „Q1“, „Deck 20“). Unter anderem ist eine ehemalige Laderampe zur Außenterrasse des Restaurants umgestaltet worden. Aufgrund der aktuellen Gegebenheiten ist die „Foodbox“ (Hermann-Ritter-Straße 112) zunächst montags bis freitags jeweils von 11.30 bis 15 Uhr geöffnet. „Sobald wieder möglich, können im Innen- und Außenbereich der ,Foodbox’ entspannte und unkomplizierte Privat- sowie Firmenfeiern im Streetfoodstyle mit bis zu 200 Gästen veranstaltet werden“, sagen die Projektentwickler.

Ende Januar veröffentlichte das Weyher Theater seine Pläne, im September 2021 in einer denkmalgeschützten Fabrikhalle auf dem Areal das „Boulevardtheater Bremen“ mit 400  Plätzen eröffnen zu wollen – als „größtes privat betriebenes Komödienhaus Bremens“ (so Intendant Kay Kruppa). Doch seit dem Lockdown kämpft auch das Weyher Theater ums nackte Überleben. „Seit dem 13. März sind unsere Einnahmen gleich Null“, sagte Kruppa jüngst im Gespräch mit unserer Zeitung.

Lifestyle-Hotel

Im Sommer soll zudem im zentralen Innenhof der ehemaligen Tabakfabrik mit dem Bau eines Liftstyle-Hotels der Marke „unique by Atlantic“ begonnen werden. Geplant sind rund 100 Zimmer im Industrie-Style. Die Eröffnung ist bislang für Juli 2021 geplant. Grosse will zehn Millionen Euro in den Hotelbau investieren.

Mit dem Wohnungsbau will Justus Grosse möglichst schnell loslegen. Ziel ist ein Start im Jahr 2021. Doch bevor die ersten Wohnungen gebaut werden können, sind zunächst neue Bebauungspläne nötig, die noch erarbeitet und von der Bürgerschaft beschlossen werden müssen. Auf Basis des Masterplans und der derzeitigen Änderung des Flächennutzungsplans soll in den kommenden Jahren das neue Baurecht geschaffen werden. Das Unternehmen drückt aufs Tempo, weil es „ein riesiges Interesse an den Wohnungen gibt“.

Zur Info: Tabakgeschichte

Mit rund 6000 Mitarbeitern galt die Brinkmann AG lange Zeit als der größte Tabakproduzent Europas. 1813 gründete der Kaufmann Nikolaus Wilkens eine Tabakhandlung in der Bremer Altstadt sowie eine Tabakfabrik in Burgdamm. 1910 zog das Unternehmen unter Leitung von Hermann Ritter nach Woltmershausen. 1929 wurde es in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. In den 60er Jahren erlebte die Firma ihren größten wirtschaftlichen Aufschwung. Zigarettenmarken wie „Lux“, „Lord Extra“, „Texas“, „Fatima“, „Peer Export“ und „Lloyd“ gehörten wie die Tabakmarken „Brinkmanns Stolz“ und „Schwarzer Krauser“ zum Sortiment. Bis in die 90er Jahre lief die Produktion, die Zahl der Mitarbeiter schrumpfte kontinuierlich. 2008 schluckte die British American Tobacco (BAT) das Unternehmen. 2014 war endgültig Schluss.

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