Arbeits- und Sozialministerin Ursula von der Leyen beim Wirtschaftsempfang der Handelskammer

Weiblicher, bunter und älter

Ursula von der Leyen zwischen Handelskammer-Präses Otto Lamotte (l.) und Bürgermeister Jens Böhrnsen.

Bremen - Von Elisabeth Gnuschke· Eine Firma, ein Job auf Lebenszeit – dieses Modell hat in der deutschen Arbeitswelt ausgedient. Diese Auffassung vertrat Arbeits- und Sozialministerin Ursula von der Leyen (CDU) gestern Nachmittag auf dem Wirtschaftsempfang der Handelskammer Bremen im Schuppen 2 der Überseestadt. Die Zukunft müsse weiblicher, bunter und älter werden, forderte die Ministerin.

„Das ist ein starkes Zeichen für die Wirtschaft“, freute sich Handelskammer-Präses Otto Lamotte angesichts der rund 400 Gäste aus Bremen und der Region. Mit Bedacht sei die Überseestadt als Ort für den Empfang ausgewählt worden, spiegele sie doch sowohl Geschichte als auch Potenzial wider. Ebenso wie Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) betonte Lamotte, Bremens neues Revier vernetze tradionelle und neue Wirtschaftszweige. Böhrnsen lobte die „kluge Verbindung“ von öffentlicher Infrastruktur und privaten Investitionen.

Von der Leyen verteidigte zunächst vehement die politischen Entscheidungen der Koalition auf Bundesebene wie das 80-Milliarden-Euro-Sparpaket und die Umstrukturierung bei den Job-Centern. Sie ließ die „Zeit des Wandels“ mit Finanzkrise, Missbrauch in der katholischen Kirche, Rücktritt von Margot Käßmann als EKD-Ratsvorsitzende, Griechenland-Kollaps, Druck auf den Euro und Rücktritt Horst Köhler als Bundespräsident Revue passieren. „Da wurde uns einiges zugemutet“, sagte die Ministerin und schlug den Bogen zur Auflösung von Sicherheiten und Verlässlichkeiten – womit sie beim Thema ihres Festvortrags angekommen war: „Den Wandel der Arbeitswelt gemeinsam gestalten“.

Nach Finanzkrise und Staatskrise drohe nun die Strukturkrise – ausgelöst durch den demographischen Wandel. Von 2002 bis 2009 sei Deutschland um 800 000 Menschen geschrumpft. „Stellen Sie sich das vor: Oldenburg, Wilhelmshaven und Bremen sind einfach weg“, machte von der Leyen die Zahl plastisch. Während die Deutschen früher etwa zehn Jahre Rente bezogen – finanziert von acht Erwerbstätigen –, werde die Rente heute 17 Jahre gezahlt – finanziert von drei Erwerbstätigen. In 30 Jahren sinke der Schlüssel weiter. Es sei Zeit, die Krise als Chance zu begreifen und Potenzial zu entdecken. Und dieses Potenzial sieht sie bei Menschen über 50, bei alleinerziehenden Frauen („Jede zweite ist langzeitarbeitslos“) und bei vom Kindergartenalter an gut ausgebildeten Migranten. Karriere und Familie müssten vereinbar werden. Ältere Menschen seien viel fitter als früher, müssten aber leider aus ihrem Job ‘raus. Die Ministerin favorisiert altersgemischte Teams in Betrieben. Wenn man nicht früh genug, nämlich schon im Kindergarten, für gute Bildung und Wissen – auch bei Migranten – sorge, werde die händeringende Suche nach qualifiziertem Nachwuchs künftig immer ausgeprägter.

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