Weserkraftwerk nimmt Probebetrieb auf / Baukosten: 56,5 Millionen Euro

„Wegweisendes Projekt“

Wasser marsch: Der sechsjährige Oscar drückte gestern auf den roten Knopf und startete damit den Probebetrieb des Weserkraftwerks. Im Hintergrund: Christoph Kolpatzik (v.l.), Torsten Köhne und Joachim Lohse. ·

Bremen - Von Jörg Esser. Der Kraftakt ist gestemmt. Die Turbine läuft. Das neue Weserkraftwerk produziert seit gestern Mittag Strom. „Das ist ein toller Tag für einen Senator“, sagte der Chef des Bremer Umweltressorts, Joachim Lohse (Grüne). Und es war ein großer Tag für den kleinen Oscar.

Der Sechsjährige drückte den symbolischen Startknopf für den Betrieb des 56,5-Millionen-Euro-Bauwerks.

„Das ist großes Kino. Ich bin überwältigt“, sagte Christoph Kolpatzik, Oscars Vater und außerdem Geschäftsführer der Betreibergesellschaft des Weserkraftwerks, an der das Auricher Energieunternehmen Enercon und der Bremer Versorger SWB beteiligt sind. Der Weg bis zum Knopfdruck war lang. „Wir bewegen uns weit außerhalb des Zeit- und des Budgetrahmens“, so Kolpatzik. Eigentlich sollte das Wasserkraftwerk schon längst Strom produzieren. Und zunächst wurde lediglich mit Baukosten von um die 40 Millionen Euro kalkuliert.

Doch nach dem Baustart im Mai 2008 gab’s am Hastedter Weserufer vor allem jede Menge Ärger mit den beauftragten Unternehmen. Ein angestrebter Bürgerfonds wurde auf Eis gelegt, „die Baustelle kam nicht von der Stelle“. Im Dezember 2009 zogen SWB und Enercon die Notbremse und entschlossen sich zur außerordentlichen Kündigung der Verträge mit den Bauunternehmen. „Das war ein drastischer und richtiger Schritt“, so Kolpatzik, „damit haben wir das Projekt aus der Krise geführt.“ Seit dem Neustart im Mai 2010 mit „vertrauten Unternehmen“ läuft das Projekt „budget- und zeitstabil“. Und jetzt läuft die erste Fünf-Megawatt-Turbine. Die zweite soll noch in diesem Jahr dazugeschaltet werden.

Enercon-Geschäftsführer Hans-Dieter Kettwig bezeichnete das neue Weserkraftwerk als „Beitrag zur Energiewende“ und als „wegweisendes Projekt“. Zugleich sei der Festakt für ihn auch eine Premiere: „Ein Wasserkraftwerk nimmt man ja nicht alle Tage in Betrieb.“

SWB-Vorstand Torsten Köhne sagte: „Das ist ein besonderer Tag.“ Er sprach von einem „Stück Strategieentwicklung“. Und kalkuliert für das Kraftwerk mit einer Betriebsdauer von 60 Jahren. Und Senator Lohse wertet das neue Kraftwerk als „klare Aussage der SWB zum Standort Bremen.“

Das Weserkraftwerk mit einer installierten Leistung von zehn Megawatt soll einen Jahresenergieertrag von 42 Millionen Kilowattstunden erzeugen. Mit dem umweltfreundlichen Strom können dann rund 17 000 Bremer Haushalte versorgt werden. Bei dem Neubau handelt es sich um eines der größten Flusskraftwerke Deutschlands.

Das könnte Sie auch interessieren

Furcht vor Brexit-Chaos: EU will May helfen - aber wie?

Furcht vor Brexit-Chaos: EU will May helfen - aber wie?

Fotostrecke: Werder feiert Weihnachten

Fotostrecke: Werder feiert Weihnachten

Schnelle Rennen auf Salz und Sand

Schnelle Rennen auf Salz und Sand

Dramatische Lage im Jemen: Alle zehn Minuten stirbt ein Kind

Dramatische Lage im Jemen: Alle zehn Minuten stirbt ein Kind

Meistgelesene Artikel

Bremer Weihnachtsmarkt: Alle Infos zu Anreise, Öffnungszeiten & Co.

Bremer Weihnachtsmarkt: Alle Infos zu Anreise, Öffnungszeiten & Co.

Frau im Koma: 47-Jähriger soll Spritzen ausgetauscht haben

Frau im Koma: 47-Jähriger soll Spritzen ausgetauscht haben

Prostituiertenschutzgesetz: Bislang 115 Anmeldungen

Prostituiertenschutzgesetz: Bislang 115 Anmeldungen

Feuer in Lesum: Zwölf Menschen im Krankenhaus

Feuer in Lesum: Zwölf Menschen im Krankenhaus

Kommentare