Veranstalter vor großen Problemen

1,50 Meter zwischen den Zuschauern: Liebesszene mit Abstand?

Knut Schakinnis, Geschäftsführer und künstlerischer Leiter des Theaterschiffs und des Packhaustheaters, hat es sich auf dem Bett in der Kulisse von „Nackte Tatsachen“ auf der Bühne des Packhaustheaters bequem gemacht. Binnen drei Tagen könnte das Stück starten. 

Bremen - Die Corona-Pandemie birgt auch künstlerische Probleme. Der Mindestabstand von 1,50 Metern gilt auch für Schauspieler auf der Bühne. „Wie soll ich mit Sicherheitsabstand eine Liebesszene darstellen?“, fragt sich Knut Schakinnis, Geschäftsführer und künstlerischer Leiter des Theaterschiffs und Packhaustheaters, und lacht. Das Stück „Nackte Tatsachen“ im Packhaustheater ist startklar. Derweil verschlechtert sich die Lage bei Spielstätten und Veranstaltern. Unzufriedenheit mit den Regelungen kommt auf.

Das zweite Problem in Sachen Mindestabstand betreffe das Publikum. „Wenn ich das einhalten muss, passen ins Packhaustheater nur noch 15 Leute statt 146“, sagt Schakinnis. „Solange der Mindestabstand nicht weg ist, kann ich nicht öffnen.“ Es hilft also nicht weiter, sollten die Aufführungen nicht als Großveranstaltungen gewertet werden. Schakinnis skizziert aber auch, dass Enge verheerende Folgen hätte. „Wenn einer dem anderen in den Nacken niest, gibt es einen Aufstand in meinem Theater.“

„Würde es reichen, dass die Leute nur einen Mundschutz tragen, wären wir sofort da“, sagt Schakinnis. Die Stücke stehen. Binnen drei Tagen könnte zum Beispiel „Nackte Tatsachen“ gezeigt werden. Schakinnis ist unzufrieden mit der aktuellen Regelung. „Im ÖPNV wird der Mindestabstand oft nicht eingehalten. Gucken Sie mal, was in der Sögestraße los ist! Wir müssen mal wieder vom Baum runter und der Logik Raum geben.“

Die Statistik vom 23. März habe bereits eine Reproduktionsrate von unter eins gehabt (ein Infizierter steckt statistisch gesehen einen anderen an, d. Red.). Schakinnis hat das Gefühl, dass der Betrieb einen Monat „für nichts“ stillstand. „Bei den Todesfällen haben wir ein Durchschnittsalter von 83 Jahren. Warum dürfen Kinder nicht raus?“, sagt er. „95 Prozent der Menschen haben kein Problem mit dem Virus. Die Politik hat sich soweit hochgeschaukelt, dass sie nicht mehr runterkommt.“ Er verstehe aber auch, wie schwer es die Entscheidungsträger aktuell haben: „Ich möchte jetzt kein Politiker sein. Der Druck von allen Seiten ist immens.“ Dennoch wünscht er sich, dass der Eigenverantwortung Erwachsener wieder eine stärkere Rolle zukommt. Die Schauspieler für seine Produktionen befänden sich in Kurzarbeit.

Das Bremer „Fritz“-Theater bietet gleichzeitig Gastronomie. Geschäftsführer Christopher Kotoucek sagt, er würde auch mit Sicherheitsabstand im Publikum spielen wollen. „Ich kann auf jeden Fall 60 Personen mit zwei Metern Sicherheitsabstand unterbringen“, bekräftigt er. „Mir ist wichtig zu spielen, um da zu sein, wenn es wieder richtig losgeht. Hauptsache, die Maschinerie läuft.“ Die finanziellen Probleme seien mit oder ohne reduzierten Betrieb die gleichen.

Kotoucek wünscht sich landesweit ein klares Datum, um seine Besucher, immerhin 40.000 im Jahr, vertrösten zu können. Er habe alles in den Juni verlegt. „Wir wissen aber nicht, ob wir im Juni spielen können. Was ist, wenn die in zwei Wochen sagen, es gibt keine Veranstaltungen bis 31. Oktober? Die ruinieren einen ganzen Wirtschaftszweig“, sagt Kotoucek. Er ist sauer. Für vier bis sechs Wochen Sperrzeit hätte er Verständnis gehabt. „In Schweden sind Veranstaltungen bis 100 Leute erlaubt. Da könnte ich spielen. Warum funktioniert das hier nicht?“ Auch er sieht das Problem des Mindestabstands auf der Bühne. „Es ist die Frage, ob es da Sondergenehmigungen geben kann. Vielleicht würde ein Corona-Test reichen.“

Die Abstandsregel ist auch ein Problem bei Konzerten. Jörn Meyer, Geschäftsführer des Metropol-Theaters, sagt, die Abstandsregel würde 70 Prozent der Plätze kosten. „Da wird kein Veranstalter spielen können.“ Auf Dauer sei der aktuelle Zustand nicht durchzuhalten: „Die Zuschüsse stehen in keinem Verhältnis zu den Fixkosten“, sagt Meyer. „Der Energieverbrauch frisst schon fast den Zuschuss. Aufgrund seiner Komplexität braucht das Gebäude eine Grundlast an Strom.“

Oliver Mücke, Geschäftsführer von Koopmann-Concerts, sagt: „Wir müssen einige Dinge neu verlegen.“ Auch ein paar Veranstaltungen im Sommer seien betroffen. Das Gros verlegt er in den Herbst und ins neue Jahr. Mücke schätzt, dass mit Mindestabstand nur 180 statt 900 Besucher in den Schlachthof passen. „Jeder müsste auf vier Fünftel der Gage verzichten“, sagt er. Er kann sich vorstellen, dass der Konzertbetrieb zunächst mit bestuhlten Veranstaltungen wieder losgeht.

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