Bremer Grüne fordern „flächensparendes Wohnen“

Weg vom Neubau

Neu bauen? Für die Grünen nicht unbedingt der richtige Weg – nicht einmal vergleichsweise beengt wie hier in der Gartenstadt Werdersee (Habenhausen).
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Neu bauen? Für die Grünen nicht unbedingt der richtige Weg – nicht einmal vergleichsweise beengt wie hier in der Gartenstadt Werdersee (Habenhausen).
  • Thomas Kuzaj
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Bremen – Die Bremer Grünen fordern ein „Programm für flächensparendes Wohnen“. In „Zeiten der Klimanotlage“ könne nicht allein mit „immer mehr Neubauten“ auf die Frage nach bezahlbarem Wohnraum geantwortet werden, heißt es in einem Positionspapier der Bürgerschaftsfraktion.

Ein Umdenken in der Baupolitik sei nötig, so der klimapolitische Grünen-Sprecher Philipp Bruck: „Weniger Grünflächen mit Neubauten betonieren und die vorhandenen Wohnflächen effizienter nutzen – das muss angesichts des Klimawandels die Leitlinie für die Wohnungspolitik in Bremen werden.“

Das geht aber nur, wenn der Staat steuernd eingreift. Bruck sieht es so: „Nötig sind vor allem kleinere Wohneinheiten. In Bremen gibt es viele Menschen, die ihre Wohnfläche nach dem Auszug der Kinder gerne verkleinern würden. Einer aktuellen Studie zufolge wären im Land Bremen fast zwei Drittel der Menschen über 65 Jahre zu einem Umzug in eine kleinere Wohnung bereit. Dadurch würden 800 000 Quadratmeter Wohnraum frei.“ Aber: „Umzugswillige Menschen finden in den Quartieren keine Alternative zum großen Haus, weil kleinere Wohnungen hier Mangelware sind.“

Bremer Grüne wollen Wohnungstauschbörse

Um gegenzusteuern, wollen die Grünen beispielsweise eine Wohnungstauschbörse einrichten und Einliegerwohnungen fördern: „Das schafft mehr bezahlbaren Wohnraum und nützt dem Klimaschutz.“ Engagieren sollen sich da auch die kommunalen Wohnungsgesellschaften Gewoba und Brebau.

Bruck: „Mit ihnen sind gefragte kleinere beziehungsweise flexibel veränderbare Wohnungszuschnitte besser zu realisieren als mit privaten Investoren, die für die Rendite nach dem Motto ‚zwei Zimmer auf 140 Quadratmetern’ klimapolitisch katastrophal bauen.“

Grüne Wohnungsbau-Forderungen: Opposition spricht von „Planwirtschaft“

Abkehr vom Wohnungsbau, Umverteilung des bestehenden Wohnraums – für die oppositionelle CDU keine Lösung. „Eine verordnete Umverteilung und das Vorschreiben einer Quadratmeterzahl pro Kopf halten wir für grundlegend falsch“, so Silvia Neumeyer, baupolitische Sprecherin der CDU-Fraktion. „Für die CDU gehört zu einer freiheitlichen Gesellschaft auch die freie Wohnungswahl. Niemand sollte sich für seine Wohnungsgröße rechtfertigen müssen und niemand sollte den Anspruch erheben, darüber zu urteilen.“

Der baupolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Thore Schäck, spricht mit Blick auf das Grünen-Papier von „wohnungstechnischer Planwirtschaft“ und „öko-sozialistischen Ideen“. Bremen brauche mehr Wohnraum und die Möglichkeit, „höher zu bauen“.

Kommentar zum Thema von Thomas Kuzaj:

Überzeugen, nicht bevormunden

Bauen in Bremen, das wird nicht einfacher. Es fehlt an Wohnraum unterschiedlichster Art – das betrifft günstige und geförderte Wohnungen ebenso wie beispielsweise Einfamilienhäuser. Davon sprechen die Bremer Regierungsparteien nicht so oft, der Markt mit seinen zum Teil irrwitzigen Preisvorstellungen zeigt es aber deutlich. Welche Antwort gibt eine der Regierungsparteien – die Grünen – nun darauf? Klar: weniger bauen!

Wohnungsumbau und Anspruch auf Wohnungstausch – „flächensparendes Wohnen“, das soll die Zukunft sein. Das Positionspapier wirkt wie eine Attacke auf den baufreundlichen Grünen-Koalitionspartner SPD und liest sich zudem in Teilen wie die Beschreibung eines grün durchwirkten Utopia: „Mehr Menschen unter einem Dach heißt auch, dass auf Quartiersebene ebenfalls mehr Menschen auf weniger Raum leben.“

Bleibt die Frage, ob die Menschen das auch wollen. Oder ob sie sich vielleicht ihr Einfamilienhaus dann lieber im Bremer Umland suchen. Im Umland soll es ja Orte mit familienfreundlicher Infrastruktur und Nahversorgung geben, es ist immer wieder davon zu hören!

Aus Bremen hingegen hört man einen fragwürdigen Einfall nach dem anderen. Mal werden Diskussionen über „flächensparendes Wohnen“ losgetreten, dann bringt Rot-Grün-Rot eine Solardachpflicht für Neubauten auf den Weg. Bauen in Bremen, das wird eben nicht einfacher – so das Signal. Sicher: Bremens Fläche ist endlich, folglich sind – auch – kreative Lösungen gefragt. Doch die Menschen sollten überzeugt werden, nicht bevormundet und in ihren Entscheidungen eingeschränkt.

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