Das bis 1987 arbeitende Turbinenkraftwerk über dem Weserwehr galt als „Technikwunder“ / Vortrag im Schulmuseum

Aus Wasser wird Strom wird Geld

Anno 1987: Eisgang vor dem Weserwehr in Hastedt. Wenige Monate später beginnt der Abriss des Bauwerks.

Bremen - Von Jörg EsserBREMEN · Der Bau des neuen Weserkraftwerks am Hastedter Weserufer liegt auf Eis. Vor Mitte 2011 wird das Kraftwerk nicht ans Netz gehen. Eher später. Vor 100 Jahren wurde unweit der heutigen Großbaustelle schon einmal ein Wasserkraftwerk in Betrieb genommen. Das alte Weserwehr mit seinem Turbinenkraftwerk galt einst als „Technikwunder“.

Die Weser ist die Lebensader der Stadt. Seit Jahrhunderten. Und immer wieder gibt es Bestrebungen, in den Flusslauf einzugreifen und ihn zu vertiefen. Im 19. Jahrhundert beispielsweise. Auch nach der Gründung Bremerhavens (um 1830) ist es für beladene Schiffe kaum möglich, Bremen zu erreichen. Das Fahrwasser ist verwildert, Untiefen behindern die Schifffahrt. Bremen will den Fluss vertiefen, Oldenburg blockiert. Doch die Hansestädter bleiben stur, lotsen 1875 den Wasserbauer Ludwig Franzius an die Weser. Der rechnet und plant und legt einen Entwurf für die „Unterweserkorrektion“ vor. Zwischen 1887 und 1895 wird die Weser von Bremen bis zur Geestemündung auf fünf Meter vertieft. Das reicht nicht, schließlich werden die Schiffe immer größer. 1903 beantragt Bremen bei seinen Nachbarn Oldenburg und Preußen, die Weser bis auf 8,50 Meter zu vertiefen. Verhandlungen beginnen und münden in drei Staatsverträgen, die am 29.  März 1906 ratifiziert werden. In einem davon wird der Bau einer Wehr- und Schleusenanlage bei Hemelingen festgezurrt.

Oberbaudirektor Hermann Bücking engagiert den jungen Diplom-Ingenieur Immanuel Kölle. Und der schlägt den Bremern den Bau eines Wasserkraftwerks am Wehr vor. Statt die Wassermassen ungenutzt über die Wehrfelder stürzen zu lassen, solle man sie doch durch Turbinen laufen lassen. So lässt sich Strom erzeugen. Das bringt Geld, das die hohen Baukosten – 10,182 Millionen Mark – verzinst. Im Sommer 1906 wird mit dem Bau von Wehr, Turbinenkraftwerk und Schleusenanlage begonnen. Die Anlage entsteht 500 Meter oberhalb des Hemelinger Hafens. In drei Etappen. Gebaut wird unter anderem eine Turbinenanlage mit 16 Kammern auf einem 95 Meter langen Fundament. Am 6. Juni 1911 schließlich wird die erste Wasserturbine in Betrieb genommen, drei Monate später wird erstmals Strom aus dem Kraftwerk ins städtische Elektrizitätsnetz eingespeist.

Im April 1945 werden rund 100 Fliegerbomben über der Wehranlage abgeworfen. Das Kraftwerk wird zerstört. Und nach dem Krieg wieder aufgebaut. 1947 verstopft starker Eisgang die Wehröffnungen. Im März 1981 durchbricht das größte Hochwasser seit 1946 den Sommerdeich unterhalb der Schleuseneinfahrt. 1,5  Millionen Kubikmeter Bodenmasse werden in den Fluss gespült, auf dem Hastedter Bulten werden 148 Kleingärten vernichtet und zahllose Gartenhäuschen mit der Flut fortgeschwemmt. Auch das Wehr wird in Mitleidenschaft gezogen. 1987 schlägt dann die letzte Stunde des Weserkraftwerks, das zu jener nur noch ein Prozent des Bremer Stromes erzeugt. Am 19. Mai wird das Kraftwerk stillgelegt. Das markante Bauwerk wird nach und nach abgerissen.

Noch viel mehr über die Geschichte des Weserwehrs erzählt am Mittwoch, 17. Februar, der Hastedter Heimatforscher Wilhelm Rathjen in der Mittwochsrunde im Schulmuseum, Auf der Hohwisch 61-63. Seinen Vortrag „Technikwunder und Naturgewalten – vom alten Weserwehr in Hastedt“ beginnt er um 19.30 Uhr. Der Eintritt beträgt drei Euro.

WWW.

schulmuseum-bremen.de

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