Stippvisite auf der „Alex“

Balsam auf hanseatische Wunden

+
Zahlreiche Besucher schauten gestern bei der Alexander von Humboldt hinter die Kulissen. Unter ihnen auch der frühere Kapitän Gerhard Lickfett (kleines Bild oben).

Bremen - Sie haben selbst gesegelt, und da ist einem für das wohl bekannteste Segelschiff kein Weg zu weit. Eigens aus dem Kohlenpott waren Lena Herrmann und Rene Handke angereist. „Ein faszinierendes Schiff“, sagt sie und ihre Augen leuchten und sie hört nicht auf zu staunen.

Mit ihren mächtigen Tauen lag die Alexander Humboldt vor den beiden Weitgereisten. Und sie blieben nicht lange allein. Hunderte Besucher ließen sich die Chance gestern nicht entgehen, den Segler beim Tag der offenen Tür im Europahafen selbst zu erkunden. Am morgigen Montag will Schiffseigner Heiko Rataj den regulären Hotel- und Gastronomiebetrieb starten.

Es muss schon ein besonderer Anlass sein, wenn der Bundeswirtschaftsminister eine Gastronomie eröffnet. Sigmar Gabriel hatte es sich nicht nehmen lassen, den offiziellen Startschuss zu geben. Und für Bremen – Abschluss des Wahlkampfes hin oder her – war es tatsächlich etwas Besonderes. Denn die Alex ist nicht irgend eine Bark. Sie ist Balsam auf die Wunden all derer, die in hanseatischen Kategorien denken. Jene, die von der alten Werften-Herrlichkeit zehren, von Fernweh und von Handel und Wandel auf den Weltmeeren. Seit dem blauen Band, das die Bremer Reederei Norddeutscher Lloyd mit der in der Hansestadt gebauten „Bremen“ gewann, musste ein Rückschlag nach dem anderen hingenommen werden. 86 Jahre ist das her, 1929 sorgte der Dampfer als schnellstes Schiff, das den Atlantik überquerte, für Schlagzeilen.

Jetzt machte wieder ein Symbol Bremer Seefahrer-Tradition in Sichtweite des Rolands fest, eines vor 109 Jahren bei der AG Weser gebautes sogar, und immerhin ein Fernsehstar, jener Dreimaster mit den grünen Segeln, der aberhunderte von Mal in der Beck's-Werbung über die Bildschirme flimmerte. Da muss man dabei gewesen sein.

Und war man auch. Gerhard Lickfett zum Beispiel. Eigens aus Hamburg-Lokstedt war er angereist, er, der 78-Jährige, der vor einem Vierteljahrhundert als Kapitän an Deck der „Alex“ gestanden hatte. Fix orientierte er sich dorthin, wo er sich immer aufhielt, nein, nicht in den Schutz der Kommandokajüte, er stand am Ruder. Draußen. „Mit der Nase im Wind“, sagt er, „nur so behälst du das Gefühl für die Natur.“ Und er wunderte sich. „Hier hat sich nichts verändert.“

Dem Wirtschaftsminister erteilte er Nachhilfe in Sachen Griff ins Steuerruder. „Daumen rum, sonst rutscht es dir durch die Finger, und die Merkel muss ran, und du stehst wieder mit leeren Händen da.“ Hinterher habe er sich geärgert, sagt Gerhard Lickfett. „Ich hätte ihm auch noch die barischen Windgesetze beibringen sollen.“ Und schon landet er, der als einer der erfahrensten Kapitäne von Großseglern gilt, bei der Pamir und dessen Untergang. „Hätte der Kapitän damals das barische Windgesetz gekannt, es wäre nicht zur Katastrophe gekommen.“

1988 führte Gerhard Lickfett die Alexander von Humboldt, damals, als sie Fernsehgeschichte schrieb. „Es war ja eigentlich ein Schiff für junge Leute. Da passt Bierwerbung nicht. Aber wir brauchten das Geld.“ Durchgehen ließ der Kapitän dennoch nichts. „Höchstens eine Flasche am Abend durften die jungen Leute. Mehr nicht. Wer weiß, ob in der Nacht Sturm aufkommt.“

Aber die Alex ist längst nicht mehr nur ein Muss für Seebären. Zu den ersten auf den Planken gehörten die Bremer Oliver Hofrichter und Kirsten Uhlig. „Als Fußballfan darf man sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen,“ sagte er. kra

Das könnte Sie auch interessieren

Simbabwe: Partei stellt Mugabe Rücktrittsultimatum

Simbabwe: Partei stellt Mugabe Rücktrittsultimatum

Russland, Türkei und Iran bereiten Syrien-Gipfel vor

Russland, Türkei und Iran bereiten Syrien-Gipfel vor

A-Capella-Quartett mit humorvoll-musikalischem Programm in Weyhe

A-Capella-Quartett mit humorvoll-musikalischem Programm in Weyhe

Jamaika-Unterhändler: Verantwortung für das Land übernehmen

Jamaika-Unterhändler: Verantwortung für das Land übernehmen

Meistgelesene Artikel

Speedfolk von „Fiddler’s Green“ vertreibt trübe Gedanken

Speedfolk von „Fiddler’s Green“ vertreibt trübe Gedanken

„Mein Kunst-Stück“ mit Naser Agha: „Von Aleppo nach Bremen“

„Mein Kunst-Stück“ mit Naser Agha: „Von Aleppo nach Bremen“

Bremer Weihnachtsmarkt: Alle Infos zu Anreise, Öffnungszeiten & Co.

Bremer Weihnachtsmarkt: Alle Infos zu Anreise, Öffnungszeiten & Co.

Mercedes-Benz-Werk Bremen produziert achtmillionstes Auto

Mercedes-Benz-Werk Bremen produziert achtmillionstes Auto

Kommentare