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Warum „Schiller“ zweimal in Bremen spielt

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Von: Thomas Kuzaj

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Auf sieben Nummer-Eins-Alben blickt der Musiker Christopher von Deylen alias „Schiller“ zurück.
Auf sieben Nummer-Eins-Alben blickt der Musiker Christopher von Deylen alias „Schiller“ zurück. © Semmel Concerts

Bremen – Der Musiker Christopher von Deylen, 1970 in Visselhövede geboren, schätzt den Dichter Friedrich Schiller (1759 bis 1805) – und hat sein Elektronik-Ambient-Pop-Projekt nach ihm benannt. Unter diesem Namen veröffentlichte der Produzent Hits wie „Das Glockenspiel“ und „Ruhe“.

Am Montag, 2. Mai, tritt „Schiller“ im Rahmen seiner „Metropolis-Clubtour“ im Bremer „Tivoli“ (Hannoversche Straße, 20 Uhr, Karten ab etwa 42 Euro) auf. Im Herbst kommt er noch einmal – dann aber als Christopher von Deylen. „Piano und Elektronik“, so lautet am Sonnabend, 22. Oktober, das Motto im „Modernes“ in der Bremer Neustadt (19 Uhr, Karten ab etwa 37,50 Euro). Im Interview spricht von Deylen über Musik, Konzerte – und Wohnen.

2019 sprachen wir bei einem Treffen im „Alex“ auf dem Bremer Domshof darüber, dass Sie aus zwei Koffern leben – das war schon der komplette Hausstand. Hat sich daran etwas geändert, durch die Bedingungen der Pandemie oder aus anderen Gründen?

Ja, es hat sich etwas geändert – bereits vor der Pandemie. Ich war sehr lange selbstgewählt heimatlos. Für ein Klavieralbum habe ich dann Ende 2019 ein „Basislager“ gesucht, um länger an einem Ort zu bleiben, zumal man ein Klavier ja nicht so leicht in einem Koffer herumträgt… Ich habe mich nach Visselhövede zurückgezogen und bin dann in diesem „Basislager“ geblieben. Die beiden Koffer aber gibt es noch. Sie sind nur momentan leer und es ist noch nicht entschieden, ob und wann sie wieder aktiviert werden.

Sie geben in diesem Jahr zwei Konzerte in Bremen, im Mai als „Schiller“, im Oktober als Christopher von Deylen. Von den Namen mal abgesehen – was unterscheidet die beiden Auftritte?

Bei „Schiller“ stehe ich gemeinsam mit Musikern aus England auf der Bühne – zu viert, mit sehr viel Energie. Da ist zum Beispiel der Schlagzeuger Gary Wallis dabei, ein sehr versierter Musiker, der musikalische Direktor von Tom Jones. Seit 2001 arbeite ich mit ihm zusammen. Er ist der Mann, der mir damals mein Lampenfieber genommen hat. Beim Konzert im Herbst bin ich dann allein auf der Bühne, das Programm dafür basiert auf dem Album, das in Visselhövede entstanden ist. Musikalisch ist es rein instrumental und repräsentiert eine Seite, die ich an mir selbst nicht vermutet hatte.

Wie verbinden Sie bei „Piano und Elektronik“ Piano und Elektronik? Wird der Klavierklang verfremdet, geht es um Effekte?

Der Klavierton bleibt erkennbar, er wird um elektronische Rhythmen und Sequenzen ergänzt. Piano und Elektronik umrahmen einander.

Christopher von Deylen im März 2019 auf dem „Alex“-Dach am Domshof.
Christopher von Deylen im März 2019 auf dem „Alex“-Dach am Domshof. © Kuzaj

2019 haben Sie in der Bremer Stadthalle (ÖVB-Arena) gespielt. Warum jetzt der kleinere Club-Rahmen – eine bewusste Entscheidung?

Ja, eine bewusste Entscheidung. Üblicherweise fängt man in Clubs an, erlebt die Nähe zum Publikum hier auf besonders intensive Weise. Als ich angefangen habe, mich auf die Bühne zu trauen, hatte ich das besondere Glück, mit „Schiller“ gleich in großen Hallen zu spielen. So kannte ich das Cluberlebnis in gewisser Weise nur vom Hörensagen. Jetzt hole ich es nach! Ich vergleiche das gern mit dem Schauspielberuf. Es gibt einen Unterschied zwischen dem Theaterspielen und der Arbeit vor der Filmkamera. Die Art von Nähe, wie sie beim Konzert in einem Club zu erleben ist, lässt sich in einer Arena nicht simulieren – egal, wie viele Großbildschirme man aufstellt.

Welche Musik hören Sie privat?

Am liebsten höre ich die Musik, mit der ich – Jahrgang 1970 – aufgewachsen bin und musikalisch sozialisiert worden bin. Das waren die Jahre 1980 bis 1987, also ist es im Prinzip die Musik der 80er, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat und die mit meiner Biographie verwoben ist. Songs für die Ewigkeit aus einer Zeit, in der die Elektronik Einzug in die Popmusik gehalten hat – um Atmosphäre zu erschaffen, um mit Songs kleine Filme zu erzählen. Als Antipoden kommen „Tangerine Dream“ und Jean-Michel Jarre dazu – Pioniere der elektronischen Musik.

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