Bremer Studenten entwickeln Smartphone-basiertes System für Schwellenländer

Warnung vor Katastrophen

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Malte Wellmann (2. v. l.) und Thorben Schiller (stehend) erklären laotischen Ministerium-Mitarbeitern ihre Entwicklung.

Bremen - Von Viviane Reineking. Fluten, Dürren und damit einhergehende Seuchen und Krankheiten – das südostasiatische Laos wird regelmäßig von schweren Naturkatastrophen heimgesucht.

 

Bremer Informatikstudenten haben ein mobiles Warnsystem entwickelt und in den vergangenen Tagen vor Ort einem Praxistest unterzogen.

Obwohl die Wettervorhersage recht gut funktioniert, werden die Menschen in Laos jedes Jahr erneut von schweren Überschwemmungen überrascht. Brücken, Straßen und Häuser werden überflutet, die Ernte zerstört. Ein Problem, so die Annahme, sei der Informationsfluss zwischen Verwaltung und Dörfern.

Unter der Leitung von Dr. Falko Schmid und Dr. Lutz Frommberger entwickelten Studenten eines Bachelor-Projektes an der Universität Bremen das Smartphone-basierte Katastrophenwarnsystem „Mobile4D“, das für „Mobile for Development“ steht und „mobile Entwicklungshilfe“ bedeutet. In Kooperation mit dem „Capacity Lab“, einem Forschungszusammenschluss der Uni Bremen und der United Nations University in Macao, haben 19 Studenten ein System entworfen, das die Bevölkerung zum einen vor Naturkatastrophen warnen soll, bevor diese eintreten. Zum anderen ermöglicht „Mobile4D“ eine direkte Kommunikation der Betroffenen über die Probleme. Es basiert auf einer bestehenden Plattform des Capacity Lab, mit der sich die laotische Bevölkerung über Erfahrungen und Wissen in der Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion austauschen kann.

Grundlage dafür bietet eine hohe Mobilfunkdichte in dem Land: Beinahe jeder verfügt hier über ein Smartphone, ein benötigtes 3G-Netz ist weit verbreitet.

Sechs Monate lang arbeiteten die Studenten an ihrer Entwicklung und bewiesen Kreativität beim Sammeln von Spenden für ihren Einsatz in Laos. Dafür verkauften sie zum Beispiel Kaffe und Kuchen in ihrem Spendencafé im Mehrzweckhochhaus der Uni. In dieser Woche nun prüfte ein Team der Bremer in Laos die Anwendung in zwei Feldtests auf Herz und Nieren und machte zudem laotische Verwaltungsmitarbeiter aus der Provinz Luang Prabang und der Verwaltung umliegender Distrikte mit dem System vertraut.

Zuvor präsentierten die Studenten Daniel Langerenken, Thorben Schiller, Malte Wellmann und Michal Wladysiak das System im Ministerium für Land- und Forstwirtschaft (MAF) in der Hauptstadt Vientiane.

Vor dem Feldtest führten die Informatiker sechs Laoten in die Benutzung des Systems ein. „Nach anfänglicher Zurückhaltung“, schreibt das „Mo-

bile4D“-Team auf seiner Facebook-Seite, seien die Laoten so vom Projekt begeistert gewesen, „dass sie teilweise sogar die geplante Pause damit verbringen, weitere Dinge im Android-Client und im Web auszuprobieren“.

Dann folgt der Einsatz in der Praxis: „Unsere Testpersonen, darunter Mitarbeiter in der Distriktverwaltung, haben eine Rolle im Ablauf übernommen und die Clients auf Android-Smartphones und Webbrowser benutzt. Dadurch konnten wir einen korrekten Ablauf des ortsabhängigen Informationsflusses testen“, sagt Projektleiter Frommberger. Neben der technischen Funktionalität „wurden im zweiten Feldtest von den laotischen Mitarbeitern echte Katastrophenmeldungen über Krankheiten wie Malaria oder Überflutungen aus der letzten Zeit per Smartphone in das System eingepflegt und ein echter Informationsaustausch mit den administrativen Ebenen etabliert“.

Der Test, so Frommberger, sei gerade erfolgreich zu Ende gegangen. Nun hofft das Team auf eine baldige Einführung seines Systems in Laos und gegebenenfalls in weiteren Schwellenländern.

http://mobile4d.capacitylab.org

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