Bremer Spediteure beklagen sich

„Die Ware sucht sich den Weg“

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Die Abwicklung von Transporten über See gehört zu den wichtigsten Aufgaben der Bremer Spediteure. Sie vermissen derzeit bei einigen Containerreedereien Verlässlichkeit und Berechenbarkeit.

Bremen - Von Jörg Esser. Die Weltwirtschaft ist gewaltig in Bewegung, der Export boomt, die Automobilbranche meldet Rekordzahlen. Und davon profitieren auch die Bremer Spediteure. Sie melden für das erste Quartal Zuwachsraten von jeweils zehn Prozent beim Containerumschlag und bei der Luftfracht. Doch es hakt – bei den Linienreedereien. Sagen die Spediteure. Und beklagen „chaotische Zustände“.

Im internationalen Seeverkehr werden weitere Mengensteigerungen erwartet. Doch die Reedereien fahren weiter Verluste ein – drei Milliarden US-Dollar im Jahr 2016, sagte Oliver Oestreich (Lexzau, Scharbau), Vorsitzender des Vereins Bremer Spediteure (VBSP), am Montag vor Journalisten im Haus Schütting. Er verwies auf den dramatischen Wandel in der Schifffahrt. Maersk schluckt Hamburg-Süd, Hapag-Lloyd will mit UASC fusionieren. „Von ehemals rund 20 großen Containerlinienreedereien werden in absehbarer Zeit lediglich noch zwölf ihre Dienste anbieten“, so Oestreich. Diese haben sich im April zu drei großen Allianzen zusammengeschlossen.

Eine Folge: Die Frachtraten steigen. Um ein Vielfaches. Oestreich spricht von „exorbitanten Steigerungen“. Die Spediteure ziehen mit, halten ein höheres Ratenniveau für unvermeidlich. Allerdings fordern sie im Gegenzug „Planbarkeit, Berechenbarkeit und Verlässlichkeit“ von den Reedereien. „Dass Verlader und Spediteure in diesem Frühjahr teilweise sechs Wochen warten mussten, um einen Container an Bord eines Schiffes unterzubringen, darf sich nicht wiederholen“, sagt der Vorsitzende des Spediteursvereins. 

Vereinbarungen werden nicht eingehalten

Zur Verlässlichkeit gehöre auch, dass sich die Reedereien an einmal getroffene Ratenabsprachen halten. Im Frühjahr hingegen sei es vorgekommen, dass Reedereien trotz fester Vereinbarungen und Buchungen für bestimmte Abfahrten plötzlich deutlich höhere Raten forderten, verbunden mit der Androhung, anderenfalls den Container nicht an Bord zu nehmen. Oestreich: „Irgendwann ist die Schmerzgrenze für die Spediteure erreicht.“

Der Druck steigt. „Die Ware sucht sich den Weg“, sagt Eduard Dubbers-Albrecht (Ipsen Logistics) aus dem Vorstand des VBSP. Der Schienenweg rückt als Alternative in den Fokus – Warentransporte mit der Bahn bis in den Fernen Osten. Das geht sogar schneller – 17 bis 18 Tage statt 45 auf dem Wasser. Doch letztlich seien die Kapazitäten begrenzt, ergänzt Carsten Hellmers (Alexander Global Logistics). Um die 40  Container pro Zug, mehr geht kaum.

Spediteure suchen nach Lösungen

Die Ware zieht auch um. Von den deutschen Häfen der Nord-Range (Hamburg, Bremerhaven und Wilhelmshaven) zu den Mittelmeerhäfen Triest und Koper (Slowenien). Oestreich: „Große Mengen aus Bayern werden im Süden umgeschlagen.“ Das allerdings wird zum Problem für die Bremischen Häfen, nicht für die Bremer Spediteure. „Unsere Aufgabe ist es, Lösungen zu finden“, sagt Hellmers.

Die Bremer Spediteure gehen davon aus, dass der Tiefwasserhafen Wilhelmshaven „eine gute Zukunft hat“ (Hellmers). Die Jade-Stadt werde vom Trend zu immer größeren Schiffen profitieren. Da stoßen Bremerhaven und auch Hamburg an ihre Grenzen. Jüngst hat mit der „MOL Triumph“ eines der größten Containerschiffe der Welt den Hamburger Hafen angelaufen. Der Ozeanriese der japanischen Reederei Mitsui O.S.K. Lines (MOL) kann mehr als 20.000 Container laden, kam jedoch wegen der begrenzten Tiefe der Elbe nur gut halb beladen in den Hamburger Hafen. „Das machen die Reedereien nicht dauerhaft mit“, sagt Oestreich. An der Diskussion um die Elb- und auch die Außenweservertiefung zeige sich, wie fahrlässig in Deutschland mit der Wettbewerbsfähigkeit umgegangen werde.

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