Zirkus auf der Bürgerweide

Hinter den Kulissen von Charles Knie: Ein waghalsiges Unterfangen

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Seltener Anblick: Kamele warten vor der Stadthalle (im Hintergrund) auf ihre Auftritte beim Zirkus Charles Knie auf der Bremer Bürgerweide.

Bremen - Von Viviane Reineking. Der venezolanische Clown ist unsicher: Soll er oder soll er nicht? Doch Henry Hermandez Ayala ist mutig. Er wagt es, obwohl die Wetterbedingungen sein Vorhaben zu einem riskanten Unterfangen machen.

Mehr als 16 Meter hoch über dem Boden will der Artist auf einem Stahlseil balancieren, um für die Gastspiele des Zirkus Charles Knie zu werben, der seine Zelte von heute, Freitag, bis zum 21. Mai auf der Bürgerweide aufgeschlagen hat.

Ein Gabelstapler hebt den Clown auf die rot-weiße Plane des Zirkuszeltes. Von dort klettert er hinauf auf einen der beiden Masten. Normalerweise sei das für den Artisten, der viele Jahre in Südamerika gearbeitet hat, kein Problem, so Patrick Adolph. Doch heute mache der Regen die Plane des Zeltes – sie wiegt alleine knapp sechs Tonnen – rutschig, den Aufstieg nicht ganz ungefährlich. Der Zirkus-Sprecher ist ein wenig nervös. „Henry“ wahrscheinlich auch, anmerken lässt er sich jedoch nichts. Sein Gesicht ist gut versteckt unter einer Schicht Schminke.

Wahnsinnig waghalsig: Clown und Artist Henry Hermandez Ayala wagt den Balanceakt über dem Zirkuszelt.

Mit einem Regenschirm in der Hand steht er dann tatsächlich oben auf der Zeltspitze, wagt ein paar Schritte freihändig auf dem Seil. Doch der Wind macht Probleme. Deshalb läuft er nicht bis zur anderen Seite. „I‘m singing in the rain“, gibt er dort oben für die Pressevertreter und Fotografen zum Besten, während im neuen Zelt und drumherum der Aufbau zügig voranschreitet. Donnerstagmorgen haben rund 40 Mitarbeiter mit dem Aufbau begonnen, „am Abend steht alles“, so Adolph.

„Wir haben das Haupt- und das Vorzelt erst im März bekommen. Das alte war neun Jahre alt, solange hält ein Zelt in etwa“, sagt Zirkusdirektor Sascha Melnjak. Der gebürtige Stuttgarter war als Sechsjähriger zum ersten Mal im Zirkus – „mit meiner Oma“. Seitdem ist er, der nie Artist war, von der Zirkuswelt begeistert. Nach Abitur und Lehre war er in unterschiedlichen Bereichen und Zirkusbetrieben tätig. „Als ich davon erfuhr, dass Charles Knie seinen Zirkus verkaufen wollte, habe ich mir 2007 einen Kindheitstraum erfüllt“, so Melnjak, den begeistere, dass so viele Menschen – vom Elektriker bis zum Artisten – für eine gemeinsame Sache arbeiteten.

Faszinierend auch die zwei Seiten eines solchen Betriebes: „Auf der einen Seite die Glitzerwelt, schöne Menschen, die Leichtigkeit des Seins, auf der anderen Seite ist es auch ein Knochenjob, vor allem an Tagen wie diesen“, so Melnjak mit Blick auf das rege Treiben und das schlechte Wetter.

Artistik, Clownerie, ein Show-Balett und ein Live-Orchester gehören zum Programm des Zirkusses. Mit dabei etwa die „Messoudi Brothers“. Soffien zeigt mit seinem Vater und seinen Brüdern zum Beispiel Hand-auf-Hand-Akrobatik. Der 26-Jährige hofft auf ein gutgelauntes Bremer Publikum: „Dadurch bekommen wir Artisten viel Energie für unsere Arbeit.“

Zahlreiche Wildtiere in der Manege

Während Wildtiere wie Zebras und Kamele aus ihren Wagen und Außenbereichen den Aufbau verfolgen, werfen die Minischweine von Tierlehrer Jochen Träger-Krenzola auf eigene Faust einen Blick ins Zeltinnere, bevor sie für die Fotografen posieren.

Zu den rund 100 Tieren des Zirkusses gehören auch exotische Rinder, Lamas und Kängurus. Während der Bremer Tierschutzverein appelliert, Veranstaltungen daher nicht zu besuchen, verweist Adolph darauf, dass alle Tiere aus Zuchten stammten, die freie Wildbahn nicht kennen würden und Entfernungen zwischen Gastspielorten möglichst niedrig gehalten würden. 

Das bestehende Wildtierverbot greift einem Sprecher des Wirtschaftsressorts zufolge für die Bürgerweide übrigens nicht, da es sich hierbei um eine privatrechtlich betriebene Veranstaltungsfläche handele. Die ersten Vorstellungen finden heute um 16 und 19.30 Uhr statt, weitere bis zum 21. Mai. Karten gibt es in den Geschäftsstellen unserer Zeitung sowie an der Kasse.

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