Handelskammer-Bilanz: Häfen machen Sorgen

Wachstumsmotor „Industrie“

Eine hohe Nachfrage nach Wohnimmobilien sorgte 2015 für positive Impulse im Bremer Baugewerbe. - Foto: Gnuschke

Bremen - Von Viviane Reineking. Die Bremer Wirtschaft ist im vergangenen Jahr stärker gewachsen als im Bundesdurchschnitt. Das geht aus dem Jahresbericht 2015 der Handelskammer für Bremen und Bremerhaven hervor, der gestern vorgestellt wurde. Demnach ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 2,7 Prozent gestiegen. Das ist mehr als der Bundesdurchschnitt (plus 1,7 Prozent). Für dieses Jahr rechnet die Kammer um Präses Harald Emigholz mit einem „moderaten“ Wirtschaftswachstum, das geringer ausfallen werde als in 2015.

Bei der Beschäftigung hat sich Emigholz zufolge die positive Entwicklung der vergangenen Jahre fortgesetzt. Die gute Wirtschaftsleistung machte sich aber nicht entspsprechend bei der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung bemerkbar: Sie nahm um 1,5 Prozent auf 310 .000 Beschäftigte zu, im Bundesdurchschnitt stiegen sie um zwei Prozent. Die Gesamtzahl der Erwerbstätigen gab die Kammer mit 420.000 an. Eine wachsende Wirtschaft und neue Stellen führten allerdings nicht zu einer sinkenden Arbeitslosenquote, so Geschäftsführer Matthias Fonger. Grund sei eine fehlende Passgenauigkeit bei der Qualifikation von Bewerbern und Anforderungsprofilen der offenen Stellen.

„Wesentlicher Wachstumstreiber“ war laut Handelskammer die Industrie im Land Bremen: Das produzierende Gewerbe legte in Bremerhaven um 20,2 Prozent zu (Stadt Bremen: plus 3,4). Weitere Eckpfeiler des Wachstums: Das Baugewerbe erwirtschaftete im vergangenen Jahr ein Umsatzplus von 7,4 Prozent, die Zahl der Beschäftigten stieg gleichzeitig um 6,7 Prozent. Rekordzahlen vermeldete die Tourismusbranche: Mit einem Anstieg um 3,8 Prozent erreichten die Übernachtungen eine erneute Bestmarke (2,37 Millionen Übernachtungen).

Sorgen machen der Kammer die Häfen: Anders als in Antwerpen und Rotterdam ist der Seegüterumschlag in Bremen um 6,2 Prozent gesunken. Für die Einzelhändler sei dagegen 2015 ein „durchaus passables Jahr“ gewesen. Die Umsätze stiegen hier um zwei Prozent, die Beschäftigung wuchs um 2,7 Prozent. Der Außenhandel verzeichnete eine leicht rückläufige Entwicklung.

Für die künftige wirtschaftliche Entwicklung gebe es Emigholz zufolge „reichlich Risikofaktoren“: „Was der ,Brexit‘mit uns macht, wissen wir alle wohl noch nicht genau“, so der Kammer-Präses. Viele Unternehmen befürchteten laut Emigholz mittelfristig einen deutlichen Rückgang der Im- und Exporte mit Großbritannien. Die kürzlich vom Bundestag verabschiedete EEG-Novelle stelle eine Hypothek für die Offshore-Branche in Bremerhaven dar, so die Handelskammer. „Gefahrenpotenzial“ für die wirtschaftliche Entwicklung habe auch die angespannte Haushaltslage. Dennoch müsse sich die Landesregierung zu einer „wachsenden Stadt“ bekennen. Alleine die Ankündigung wirke als positives Signal für die Wirtschaft, es gelte Zuversicht zu vermitteln, so Emigholz. Fonger sagte auch mit Blick auf das Offshore-Terminal in Bremerhaven (OTB): „Wachstum wird nur entstehen, wenn Bremen in seine Infrastrukturen investiert, um heute das Wachstum von morgen zu gestalten.“

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