Von Wachstum und Demut

100-Millionen-Euro-Projekt „City-Gate“: Richtfest im Frühjahr

Geschäftsführer Ulf Wachholtz (l.) vom Projektentwickler Achim Griese aus Hamburg und Bauführer Werner Rheiner auf der Großbaustelle des 100-Millionen-Euro-Projektes. - Foto: Reineking

Bremen - Von Viviane Reineking. Nach langem Stillstand und Rückschlägen wächst Bremens „City-Gate“ derzeit kräftig in die Höhe. „Das neue Tor zwischen Bahnhof und City“, wie Werbe- und Vertriebsstrategen das 100-Millionen-Euro-Großprojekt betiteln, nimmt Formen an. Klar erkennbar nicht nur die beiden Gebäudeteile, auch die Passage dazwischen ist bereits gut sichtbar. Im Frühjahr soll der Rohbau stehen, das Richtfest gefeiert werden.

Ulf Wachholtz blickt zufrieden und optimistisch auf die restliche Bauzeit bis zur geplanten Fertigstellung des „City-Gate“ nach den Plänen des Architekten Max Dudler im März 2019. Das sah vor mehr als einem Jahr ganz anders aus. Rund zwei Wochen vor Weihnachten 2016 brachten marode Erdanker das Bremer Großprojekt in Gefahr. Die Erdanker sorgen dafür, dass die Baugrube stabil bleibt. Um die Sicherheit zu gewährleisten, habe es sogar Überlegungen gegeben, die Baugrube mit Wasser zu fluten, sagt der Geschäftsführer des Projektentwicklers und Investors, der Achim Griese Treuhandgesellschaft aus Hamburg.

Eine Lösung wurde damals gefunden, die Erdanker saniert. Es sei das letzte große Problem auf der Baustelle gewesen, sagt Wachholtz. Allerdings war es nicht das erste: Schon Monate zuvor kämpften die Projektverantwortlichen mit Schwierigkeiten. Unter anderem sackten im Frühjahr 2016 Gleise neben der Baustelle ab, die Hochstraße hatte sich leicht gesenkt und musste angehoben werden. Erstmal herrschte Stillstand. „Der Tiefbau war zeitweise schon ein schmaler Grat“, sagt Wachholtz heute. „Man steht schon mit einer großen Portion Demut davor, wenn man den Bau jetzt so sieht.“

Blick auf die Großbaustelle des „City-Gate“ zwischen Breitenweg und Hauptbahnhof (im Hintergrund). Zwischen den beiden Gebäudeteilen gut erkennbar: die etwa 15 Meter breite und 70 Meter lange Passage. - Foto: Reineking

Der ist mittlerweile aus der 17 Meter tiefen Baugrube in die Höhe gewachsen, die ersten Geschosse der beiden Gebäudeteile, in ihren Untergeschossen miteinander verbunden, sind sichtbar. Fast fertiggestellt sei etwa die Tiefgarage im zweiten und dritten Untergeschoss mit rund 290 Stellplätzen, die von der Brepark betrieben werden wird. Autofahrer erreichen die Parkdecks künftig über eine Zufahrt vom Breitenweg aus.

Ebenfalls gut sichtbar ist die rund 15 Meter breite und 70 Meter lange Passage zwischen den beiden Häusern. Von der Kreuzung Herdentorsteinweg/Breitenweg gibt sie den Blick frei auf das historische Bahnhofsgebäude.

Parallel zum Rohbau geht es Wachholtz zufolge an den Innenausbau. So werde die Haustechnik bereits vorbereitet. Der Tank für die Sprinkleranlage sei eingebaut, die Lüftungsanlage für die Parkgarage werde installiert. Teilweise seien bereits die Maler am Werk. Etwa 100 Arbeiter sind aktuell auf der Baustelle beschäftigt. Maler, Elektriker, Trockenbauer und weitere Gewerke – „mit dem Innenausbau werden es demnächst bis zu 400 sein“, so Wachholtz. Darin liege auch die Herausforderung für die kommende Bauzeit: das Zusammenspiel des Orchesters aus unterschiedlichen Unternehmen zu koordinieren, die Komplexität der Baustelle im Griff zu behalten.

70 Prozent der Gesamtfläche bereits vermietet

Mit seinem Wachstum aus dem Boden heraus hat nach Angaben des Investors auch die Nachfrage nach Mietflächen im Hotel- und Bürokomplex „mächtig angezogen“. 70 Prozent der Gesamtfläche von rund 35.000 Quadratmetern seien vermietet, heißt es. Auch in der Öffentlichkeit werde das Projekt „sehr positiv“ wahrgenommen, findet Wachholtz. Der Geschäftsführer ist überzeugt, dass das rund 27 Meter hohe „City-Gate“ aus sandfarbenem Naturstein und grauem Sockel mit seiner Mischung aus Büros, zwei Hotels, Facharztpraxen, Einzelhandel (unter anderem ein „Rewe“-Markt und „Woolworth“) sowie Gastronomie („Vapiano“ und „Hans im Glück“) das „absolut Richtige“ für den Bahnhofsvorplatz ist.

Deshalb bleibt das „City-Gate“ wohl erst einmal in den Händen des Hamburger Investors. Wachholtz: „Wir gehen davon aus, dass wir das Gebäude nicht veräußern.“

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