35 000 Arbeitnehmer in Bremen leiden unter Schlafstörungen / Krankenstand gegen den Bundestrend gesunken

„Wach sein beim Thema Schlafstörung“

Schlaflos in Bremen – immer mehr Menschen geht es so. Das ergab eine Studie der Deutschen Angestellten-Krankenkasse. Die Ergebnisse wurden gestern vorgestellt.

Bremen - Von Ralf SussekBREMEN · Ausufernde Arbeitszeiten, persönliche Probleme, wirtschaftliche Sorgen – immer mehr Menschen leiden unter Schlafstörungen. Auch im Land Bremen.

Knapp zehn Prozent und damit etwa 35 000 Beschäftigte leiden unter hochgradigen Schlafproblemen, sagt die Bremer Landeschefin der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK), Regina Schulz. Diese Zahlen ergab eine repräsentative Studie. Für den DAK-Gesundheitsreport 2010 Bremen, der gestern vorgestellt wurde, waren 3 000 Berufstätige im Alter von 35 bis 65 Jahren befragt worden. Außerdem wurden ärztliche Diagnosen und Arbeitsunfähigkeitsdaten analysiert und Experten zu Rate gezogen.

Beschwerden wie „schlecht geschlafen“ oder „kann nicht einschlafen“ sind bei Berufstätigen weit verbreitet. Nach der DAK-Erhebung gab nahezu jeder zweite Befragte in Bremen an, davon betroffen zu sein – 25,7 Prozent häufiger, 21,8 Prozent manchmal. Jeder Vierte grübelt nachts über Ängste und Sorgen. Schichtdienst und Jobs nach 20 Uhr plagen jeden fünften Befragten. „In unserer Rund-um-die-Uhr-Gesellschaft mit Zeitdruck, Zwang zur Flexibilität und den Anforderungen der Familie kommen viele Menschen nachts nicht mehr zur Ruhe“, sagt Schulz. Chronisch schlechter Schlaf erhöhe das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Depressionen und Angststörungen.

Die Folge: Es geht nicht nur den Menschen schlecht, sondern auch den Unternehmen. „Gesunder Schlaf ist der Schlüssel für Top-Leistungen am Arbeitsplatz“, weist Schulz auf den Produktivitätsverlust hin. Viele Betroffene gehen aber nicht zum Arzt, sondern nehmen freiverkäufliche Schlafmittel.

„Das Thema wird oft vernachlässigt“, sagt Prof. Dr. Svenja Happe, Schlafmedizinerin am Klinikum Bremen-Ost, „die Ärzte fragen nicht danach und die Patienten erzählen nichts davon.“ Die Menschen müssten „wach sein für das Thema Schlafstörung“. Wer Probleme habe, müsse für eine gute „Schlafhygiene“ sorgen.

Soll heißen: Das Bett ist nur zum Schlafen und für Sex da. Auf schwere Speisen sollte man verzichten. Auf Alkohol auch. Der erleichtert zwar das Einschlafen, verhindert aber das Durchschlafen. Fernseher haben im Schlafzimmer nichts zu suchen. Und ein Wecker gehört weggedreht, damit man nicht drauf schauen kann. Selbst Lesen ist unangebracht, wenn man nicht schlafen kann. Nach einer halben Stunde Wachsein sollte man aufstehen und „eine leichte, nicht aufregende Tätigkeit“ verrichten.

Happe kritisiert, dass die Krankenkassen Schlaflabor-Diagnosen nicht ordentlich bezahlten und präventive Angebote fehlten. Dies dürfte sich kaum ändern. Prävention, für die Krankenkassen aufkommen müssten, sei keine Dauereinrichtung, sagt DAK-Chefin Schulz. „Wichtig ist an erster Stelle darüber zu sprechen.“

WWW.

dak.de

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