Vortrag: Antibiotika aus Rhododendron

Wettrüsten zwischen Keimen und Forschern

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Matthias Ullrich, Professor für Mikrobiologie.

Bremen - Von Lars Kattner. Jahr für Jahr verwandeln mehr als 650 wilde Rhododendronarten und mehr als 3500 Züchtungen den Bremer Rhododendronpark in ein spektakuläres Farbenmeer. Eine Vielfalt, die es in dieser Form fast nirgendwo sonst auf der Welt zu finden gibt. Aber der Park ist mehr als ein Rückzugsort für stressgeplagte Städter: „Er ist ein Schatz und eine wunderbare Chance für Wissenschaftler“, sagt Matthias Ullrich, Professor für Mikrobiologie an der Jacobs-Universität.

Seit knapp vier Jahren sind er und sein interdisziplinäres Wissenschaftlerteam auf der Suche nach Substanzen, mit denen sich die Pflanze vor Keimen schützt – um daraus irgendwann einen unschätzbaren Nutzen für den Menschen ziehen zu können. Unter dem Titel „Neue Antibiotika aus Rhododendron?“ brachte Ullrich seine Zuhörer im Rahmen der Vortragsreihe „Wissen um 11“ im Haus der Wissenschaft (Sandstraße) auf den aktuellen Stand der Forschung.

Immer mehr Keime entwickeln Resistenzen gegen herkömmliche Antibiotika, erläuterte Ullrich. Alleine in Europa würden deswegen jedes Jahr bis zu 30000 Menschen sterben, besonders multiresistente Bakterien werden zunehmend zu einem Problem. Es sei letztlich ein Wettrüsten zwischen den anpassungsfähigen Keimen auf der einen und den Forschern auf der anderen Seite, an dem er und sein Team sich beteiligen würden.

„Wir nutzen die bereits bestehende Sammlung in Bremen, um neue Lösungsansätze zu finden. Denn die Natur ist die beste Chemikerin“, meint Ullrich. Aber warum müssen es gerade Rhododendren sein? Neben der bereits angesprochenen Verfügbarkeit verwies der Mikrobiologie auf zahlreiche Anwendungsbeispiele aus der traditionellen Volksmedizin aus den Gebieten rund um den Himalaya, dem Ursprungsgebiet des Rhododendrons.

Aber auch in Indonesien werden Extrakte aus Blüten und Blättern schon seit Jahrhunderten zur Behandlung von Infektionen, Fieber und Unwohlsein eingesetzt. Und eine tiefere Analyse der Inhaltsstoffe habe es bislang noch nicht gegeben, so Ullrich weiter.

Genau daran, an einer tieferen Analyse, arbeiten Ullrich und seien Kollegen derzeit. Und auch erste konkrete Ergebnisse wollen die Wissenschaftler bald in wissenschaftlichen Veröffentlichungen präsentieren. „Wir haben 120 Rhododendronarten mit 27 verschiedenen Bakterien getestet“, erläuterte Ullrich. Mit Erfolg, denn schnell habe sich gezeigt, welche Rhododendronarten eine Wirkung gegen bestimmte Keime hätten und welche eher nicht. Es ist ein Anfang, aber schon der zeigt, welches Potenzial die Forschung hat. „Das Projekt muss unbedingt weitergehen“, ist Ullrich überzeugt.

Aber sind die Wirkstoffe auch für menschliche Zellen unschädlich? Denn nur dann wären sie auch in der Praxis für die Entwicklung neuer Antibiotika geeignet. Oder ist ihr Einsatz sogar in der Krebstherapie denkbar? Ein Thema, mit dem sich Professorin Klaudia Brix auseinandersetzt. „Wie wirken Rhododendron-Inhaltsstoffe auf unsere Zellen“ ist das Thema des Vortrags, den sie – ebenfalls im Rahmen von „Wissen um 11“ – am 9. April um 11 Uhr im Haus der Wissenschaft halten wird.

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