Mehr als nur Karten

Vorsorge gegen Starkregen: Bremen schafft neuartiges Auskunftsportal

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Hell ist gut, dunkel ist starkregengefährdet. Wie auf der Karte zu sehen, ist der Bereich St-Jürgen-Straße/Bismarckstraße (mittelblau) mit der parallelen Manteuffelstraße (dunkelbau) ein starkregengefährdetes Gebiet. 

Der vergangene Sommer war mit seiner Dürre das krasse Gegenteil, und doch dient er, ebenso wie Starkregenergnisse, als Beispiel für den zunehmenden Klimawandel. „Derselbe Effekt“– so bringt es UmweltStaatsrat Ronny Meyer auf den Punkt. Als ein Teil der bremischen Klimaanpassungsstrategie (Klas), die vor rund einem halben Jahr von der rot-grünen Regierung beschlossen wurde, ist nun ein neuartiges Starkregen-Portal online gegangen.

Bremen - Von Ralf Sussek. Hier können sich Hauseigentümer zunächst anhand von Starkregenkarten informieren, ob ihr Grundstück nach den Computerberechnungen gefährdet ist: Wenn das Wasser nicht gut versickern kann oder die Kanäle die Wassermassen nicht fassen, können diese auch ins Haus drücken, durch Rückstau oder bodentiefe Fenster und Türen zum Beispiel.

Starkregenereignisse, die bisher alle zehn Jahre auftreten, könnten Ende des Jahrhunderts schon alle drei Jahre für Millionenschäden sorgen, sagte am Mittwoch Michael Koch, Projektleiter Klas im Umweltressort, und hat ein Beispiel parat: Im Mai 2018 entsprach die Niederschlagsmenge (59 Liter pro Quadratmeter) einem durchschnittlichen Monat in Bremen. Im August 2011 fielen in anderthalb Stunden mehr als 50 Liter pro Quadratmeter. Heißt: Auf ein durchschnittliches Grundstück von 600 Quadratmetern prasselt Wasser von 3 000 Zehn-Liter-Eimern nieder.

Der Eigentümer muss sein Gebäude in Eigenverantwortung vor Schäden schützen, aber „er braucht Instrumente, die Verantwortung wahrzunehmen“, sagte Hansewasser-Geschäftsführer Jörg Broll-Bickhardt. Zur ersten Information gibt es die Karten, die anhand der eingegebenen Adresse die Gefährdung zeigen. Zweiter Akt: ein Online-Antrag auf Auskunft. Der Eigentümer erhält daraufhin per Post einen detaillierten Ausdruck der Karte mit Aufsicht auf sein Grundstück. Dritter Akt: Er erhält auf Antrag eine kostenlose Beratung von Hansewasser. Ein Berater schaut sich mit dem Eigentümer vor Ort die Gegebenheiten mit Blick auf Rückstau aus dem Kanal, schadhafte Grundleitung und Eindringen von Oberflächenwasser an und erklärt, welche Maßnahmen sinnvoll sind und welche Handwerker (soweit erforderlich) die Arbeiten vornehmen könnten.

Ganz wichtig ist Hansewasser: Den Eigentümern wird nichts verkauft – und die ganze Prozedur ist kostenlos.

Gefördert wird das Portal bislang aus Mitteln der Deutschen Bundestiftung Umwelt (DBU) mit einem niedrigen sechsstelligen Euro-Betrag. „Das neue Starkregen-Vorsorgeportal ist ein Meilenstein bei der Umsetzung der Klimaanpassungsstrategie Bremens und ein echtes Leuchtturmvorhaben, das vorbildlich auch für andere Kommunen in Deutschland ist“, sagte Ulf Jacob von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Andere Städte haben zwar auch Starkregen-Karten veröffentlicht, die nachgeschaltete Beratung ist nach seinem Wissen jedoch bundesweit einzigartig, so Jacob. Und weil der nächste Starkregen bestimmt kommt, appelliert er an die Bremer, sich nicht zu sicher zu fühlen und das kostenlose Angebot wahrzunehmen, denn „der Klimawandel hört nicht an der Gartenpforte auf“.

Karte und Infos auf:

www.starkregen.bremen.de

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