Vorsitzender Richter: Angeklagter ist krank

23-Jähriger muss in die Psychiatrie

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Efkan A. (23, hier zu Prozessbeginn) hat laut Gericht seine eigene Mutter erwürgt. Die Kammer ordnete die Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik an.

Bremen - Von Steffen Koller. Bremen Bremen - Von Steffen Koller. Das Landgericht Bremen ordnete gestern im Sicherungsverfahren gegen Efkan A. die Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik an. Die Kammer ist überzeugt, dass der heute 23-Jährige im Zustand der Schuldunfähigkeit seine eigene Mutter erwürgt hat. Bereits Jahre vor der Tat gab es erste Hinweise auf eine psychische Störung, doch offensichtlich hatte der Angeklagte diese geschickt verheimlichen können.

Am 26. Juni 2015 kurz vor 19 Uhr telefoniert das spätere Opfer laut Ermittlungsakten zum letzten Mal mit einer Freundin, kurz danach ist die Frau wahrscheinlich schon tot. Genau lässt sich der Todeszeitpunkt der damals 46-Jährigen laut Gericht nicht eingrenzen. Fest steht nur, dass ihr eigener Sohn sie umgebracht hat. Erwürgt und später in der Badewanne abgelegt, finden Angehörige die Frau am nächsten Tag. Ins Visier der Fahnder gerät Efkan A., der sich seit Dezember wegen Totschlags verantworten musste.

Bis zum letzten Tag der Beweisaufnahme schwieg A., sodass sich die Kammer ausschließlich auf Indizien stützen musste. Dennoch, so der Vorsitzende Richter Helmut Kellermann, gäbe es keinen anderen denkbaren Täter, der für die Tat in Betracht käme. A. sei bereits Jahre vorher gewalttätig gegenüber der Mutter gewesen, immer wieder habe es Konflikte gegeben. Drei Monate vor der Tat wurde A. in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Doch die Ärzte entschieden nach mehrwöchigem Aufenthalt, A. zu entlassen. „Da es keine Erkenntnisse gab, die auf eine weitere Straftat hindeuteten, war dies eine völlig richtige Entscheidung“, sagte Kellermann bei der Urteilsbegründung. Auch die psychologische Sachverständige machte deutlich, dass A. ein „spezieller Fall“ gewesen sei. So sei der 23-Jährige „jederzeit in der Lage gewesen, seine Krankheit zu verbergen“. Im Gutachten heißt es, dass A. es verstand, „eine doppelte Buchführung“ aufrechtzuerhalten, also nach außen hin „normal“ zu wirken. „Seine schizophrenen Schübe kurz vor der Tat waren nicht erkennbar“, bilanzierte die Gutachterin.

A. selbst nahm das Urteil regungslos zur Kenntnis, Blickkontakt mit seinen Angehörigen vermied er. Kellermann, der mit seinem Urteil der Forderung der Staatsanwaltschaft nachkam, sagte abschließend: „Sie sind kein schlechter Mensch, Sie sind krank. Aber: Wenn es in Ihrem Kopf nicht bald klick macht, kommen Sie nie wieder ’raus.“

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