„Facebook-Sicherheits-Check“ von Jugendlichen für Jugendliche

Vorsicht mit Freundefinder

Christian Tonn berät seit zwei Jahren Jugendliche bei einem „Facebook-Sicherheits-Check“. Im Auftrag der Bremischen Landesmedienanstalt besucht der 17-Jährige Schulklassen und identifiziert dort mit den oft Gleichaltrigen Sicherheitslücken. ·
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Christian Tonn berät seit zwei Jahren Jugendliche bei einem „Facebook-Sicherheits-Check“. Im Auftrag der Bremischen Landesmedienanstalt besucht der 17-Jährige Schulklassen und identifiziert dort mit den oft Gleichaltrigen Sicherheitslücken. ·

Bremen - Von Dieter Sell. Jugendliche beraten Jugendliche: Seit zwei Jahren bietet die Bremische Landesmedienanstalt einen „Facebook-Sicherheits-Check“ an, der sich als besonders effektiv erwiesen hat. Die Experten sprechen die gleiche Sprache wie diejenigen, die Fragen haben.

Der Bremer Christian Tonn (17) und sein Freund Senihad Sator gehen in die Klassen und machen sich zusammen mit den Schülern auf die Suche nach Sicherheitslücken. Ihre Botschaft: Facebook muss nicht zur uferlosen Datenkrake werden, wenn man einige Tipps beherzigt. Im Interview verrät er mehr.

Herr Tonn, welche Frage hören Sie bei den Checks am häufigsten?

Christian Tonn:Ob man einen Facebook-Account auch wieder löschen kann. Das funktioniert, aber man findet die Funktion nicht so einfach. Am besten auf Hilfe gehen, „Facebook löschen“ oder „Account löschen“ eingeben, dann geht‘s relativ schnell.

Wie lauten denn Ihre wichtigsten Tipps im Umgang mit Facebook?

Tonn:Zuallererst, noch bevor ein Profilbild hochgeladen wird, Informationen eingetragen oder Freunde gesucht werden, sollte man seine Privatsphären-Einstellung gründlich checken. Das dauert nicht lange, das sind zehn, fünfzehn Minuten. Erst danach das Profil füllen und Freunde einladen. Und darauf achten, mit wem man sich anfreundet. Da ist es wichtig, nicht den Überblick zu verlieren. Ich befreunde mich nur mit Leuten, die ich kenne. Mir kommt es darauf an, meine Daten möglichst nah bei mir und meinem Freundeskreis zu halten.

Daten nah bei mir halten, geht das überhaupt?

Tonn:Ich habe in meinem Freundeskreis verschiedene Gruppen gebildet. Da gibt es die Leute, mit denen ich zur Schule gehe. Dann gibt es diejenigen, die von mir gar nichts weiter sehen sollen, mit denen ich aber Kontakt halten und Nachrichten austauschen will. Facebook bietet an, dass beispielsweise eine „Gefällt-mir“-Angabe oder die Mail-Adresse für bestimmte Personengruppen gesperrt werden. Das klappt gut.

Was sollten Nutzer denn tunlichst vermeiden, wenn sie sich bei Facebook sicher bewegen wollen?

Tonn:Gleich nach dem Registrieren auf den Freundefinder eingehen, das ist ein großer Fehler. Wird die Funktion angeklickt und wird dann E-Mail-Adresse mit Passwort eingegeben, liest Facebook alle Kontakte aus dem Adressbuch des E-Mail-Accounts aus und prüft, ob davon jemand im Netzwerk ist. Im Hintergrund schickt Facebook Leuten, die noch nicht dabei sind, eine Nachricht und fragt, ob sie mitmachen wollen. Außerdem geben einige Leute einfach zu viele Daten ein, die andere gar nicht zu interessieren haben. Beispielsweise Telefonnummern und Adressen.

Ist das nicht egal? Facebook und Privatsphäre, schließt sich das nicht sowieso aus?

Tonn:Ich selbst entscheide doch, was ich einstelle. Mein Profilbild sieht halt jeder. Dementsprechend stelle ich nicht alles rein. Und grundsätzliche Informationen wie etwa meinen Wohnort können nur Leute sehen, mit denen ich befreundet bin.

Worauf achten Sie denn, wenn Sie Freunde annehmen?

Tonn:Kenne ich die Person, möchte ich überhaupt über Facebook mit ihr Kontakt haben? Dann muss man natürlich schauen, ob die Leute echt sind. Es gibt auch gefälschte Accounts, mit denen nur Daten gesammelt werden. Ich filtere die Kontakte zu Menschen, die ich persönlich kenne, die ich anrufen oder in der Schule fragen kann. In den meisten Fällen kann ich die Profile anschauen, bevor ich mich befreunde. Da zeigt sich dann, ob die Anfrage seriös ist oder nicht.

Ist bei den Schulbesuchen Cybermobbing ein Thema?

Tonn:Ja, schon. Mobbing fängt aber meistens gar nicht virtuell, sondern real in der Klasse oder auf dem Schulhof an. Später werden veränderte Fotos von der Klassenfahrt hochgeladen. Dagegen kann ich vorgehen: Facebook bietet an, dass ein Foto gemeldet wird, auf dem man selbst drauf ist. Das kann schnell entfernt werden. Und Facebook kann dafür sorgen, dass es nicht wieder hochgeladen wird. Allgemein ist es bei Mobbing das Beste, mit seinen Eltern zu sprechen. Dann mit dem, der mobbt oder mit dessen Eltern. Sollte das alles nichts helfen, muss die Polizei eingeschaltet werden. · epd

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