Reaktionen auf den Tod von Hans Koschnick / Internationale Anteilnahme / Kondolenzbücher in Bremen und Danzig

Vorbild, Volkstribun und Staatsmann

Parteitag im Jahr 1978 – links Henning Scherf, damals Landesvorsitzender der SPD. Neben ihm Hans Koschnick. - Foto: Schilling/dpa

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Hans Koschnick hat „weit über die Grenzen seiner geliebten Heimatstadt hinaus“ gewirkt, sagte gestern Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) zum Tod des Bremer Sozialdemokraten. Die Anteilnahme ist groß – auf Bundesebene. Und auch auf internationaler Ebene. Aus Bremens Partnerstädten Haifa, Durban und Riga trafen Kondolenzschreiben im Bremer Rathaus ein.

In Bremens polnischer Partnerstadt Danzig – wo Koschnick (wie in Bremen) Ehrenbürger war – wurden gestern die Fahnen auf Halbmast gesetzt. Im Danziger Rathaus liegt ein Kondolenzbuch aus.

Bundespräsident Joachim Gauck nannte Koschnick in seinem Kondolenzschreiben an Christine Koschnick „einen leidenschaftlichen Kämpfer für die Demokratie“. Viele Bürger hätten „bis heute nicht vergessen, wie Ihr Mann als Administrator der bosnischen Stadt Mostar unter großem persönlichen Einsatz den Menschen dort Hoffnung und Perspektiven gegeben hat“.

Bremens Bürgerschaftspräsident Christian Weber erklärte: „Vielen war er ein Vorbild, auch eine Art Volkstribun.“ Hans Koschnick sei „der letzte Bremer Politiker von staatsmännischem Format und mit internationaler Ausstrahlung“ gewesen, so der Sozialdemokrat weiter. Das Mitgefühl gelte „insbesondere seiner Ehefrau Christine, die für ihn mehr war als Partnerin und Beraterin, nämlich eine couragierte Mitstreiterin insbesondere auf dem Gebiet der Aussöhnung und Völkerverständigung“.

Bürgermeister Carsten Sieling (SPD): „Wir danken Hans Koschnick für alles, was er für Bremen, für die Menschen in unserem Land und für die internationale Gemeinschaft getan hat.“ SPD-Fraktionschef Björn Tschöpe: „Auch und gerade in Zeiten des Wiedererstarkens nationalistischer Kräfte bleibt Hans Koschnick, der sich sein Leben lang für die Völkerverständigung eingesetzt hat, für uns ein Vorbild.“

Bremens CDU-Chef Jörg Kastendiek: „Mit Hans Koschnick verliert Bremen einen großen Europäer. Er ist sein Leben lang ein Sozialdemokrat mit Format gewesen. Eine Haltung zu haben und die Stimme zu erheben, wo es nötig ist, war für ihn ebenso selbstverständlich, wie in der Rolle des solidarischen Vermittlers Brücken für Frieden und Verständigung zu bauen.“

„Die Begegnungen mit ihm haben uns tief beeindruckt. Er war ein Kind des antifaschistischen Widerstands und stand noch in der Tradition der Bremer Arbeiterbewegung“, erklärten die Grünen-Bundestagsabgeordnete Marieluise Beck und Senator a.D. Ralf Fücks (Grüne, Heinrich-Böll-Stiftung).

Maike Schaefer, Fraktionschefin der Grünen: „Er war geradlinig, bodenständig und ein Politiker der klaren Worte – damit hat sich Hans Koschnick bei den Menschen dauerhaften Respekt erworben.“

FDP-Fraktionschefin Lencke Steiner: „Hans Koschnick hat als Bürgermeister unsere Hansestadt lange und maßgeblich geprägt. Die Ansiedlung von Mercedes und die Erweiterung des Containerterminals in Bremerhaven waren wichtige und richtige Weichenstellungen für den Industriestandort Bremen.“

„Er war ein zugewandter, freundlicher und humorvoller Mann und Versöhnung war sein Lebensthema. Wir werden ihn sehr vermissen“, so Pastor Renke Brahms, Schriftführer der Bremischen Evangelischen Kirche. „Seine Treffen mit dem damaligen Propst August Sandtel in den 60er und 70er Jahren waren legendär und haben viel dazu beigetragen, dass sich die Katholiken in Bremen aus ihrer Isolation herausbewegt haben“, sagte Katholiken-Sprecherin Martina Höhns.

Bis einschließlich Sonntag sind die Flaggen am Bremer Rathaus auf Halbmast gesetzt. Im Foyer des Rathauses liegt ein Kondolenzbuch aus, das montags bis freitags in der Zeit von 8 bis 19 Uhr zugänglich ist. Ein weiteres Kondolenzbuch liegt im Haus der Bürgerschaft aus.

Für Anfang Mai ist ein Staatsakt im Dom geplant.

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