News aus der Bremer Kulturszene

Vor dem Abriss: „Kunst bis zum Ende“ in Bremen

Der Bremer Pianist und Komponist Juan María Solare hat ein neues Album veröffentlicht.
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Der Bremer Pianist und Komponist Juan María Solare hat ein neues Album veröffentlicht.

Bremen – „Kunst bis zum Ende“ – das ist der Titel einer Kunstausstellung auf dem ehemaligen Coca-Cola-Areal in Hemelingen. Und dieser Titel ist wörtlich zu nehmen! Denn die temporäre Urban-Art-Präsentation ist bis zum Abriss der alten Fabrik zu sehen. Dann: Ende. Und die Abrissbirne, sie kommt näher.

Im Dezember vorigen Jahres durften Interessenten das Areal schon mal besuchen, 2 500 Besucher nahmen das Angebot an. Nun folgt das Finale – und zwar in der Zeit von Freitag, 26. März, bis Sonntag, 28. März. Die Schauplätze: eine mehr als 2 000 Quadratmeter große Halle – das Herzstück der Anlage – sowie weitere Fassaden der Fabrik, die noch nicht den Abrissarbeiten zum Opfer gefallen sind.

Denn die haben ja bereits unübersehbar begonnen. „Kunst bis zum Ende“: Anfang April werden auch die restlichen Teile des Areals (und damit eben auch diese temporäre Galerie) verschwinden. Für den Besuch ist eine Anmeldung über diese Website erforderlich, sagen die Organisatoren.

Das „Discart“-Team um Andreas Friedrich und Marlene Kaiser hat Bremer Kreative eingeladen, ihre Arbeiten an Wänden und Fassaden – sprich: mitten in einer industriell geprägten Abbruch-Szenerie – zu zeigen. Unter den Künstlern sind beispielsweise die Fotografin Jasmine Shah (die auch gerade Fotografien an einem Brückengeländer in der Nähe des Franziusecks in der Neustadt ausstellt), der Filmemacher Revilo von Asur und die Installationskünstlerin Melanie Podsigun. Auch der Martinsclub ist mit von der Partie. Und die Grundschule an der Glockenstraße.

Graffiti, Malerei, Installationen – in den zurückliegenden vier Monaten haben sich 100 überwiegend regionale Künstler auf und mit dem Coca-Cola-Areal beschäftigt. Die „Discart“-Ausstellung – Motto: „Street Art und Gegenwartskultur“ öffnet an allen drei Tagen in der Zeit von 10 bis 18 Uhr. Einlass an der Ahlringstraße (Tor S2) nur mit der Online-Anmeldung.

All die Veränderungen auf dem Coca-Cola-Areal werden zudem in einem Kunstkatalog dokumentiert, der ab Donnerstag, 25. März, auch in der Viertel-Buchhandlung „Golden Shop“ (Fehrfeld) zu haben ist. Das Buch kostet 15 Euro. Und mit dem Buch wird die „Kunst bis zum Ende“ am Ende doch nicht ganz und gar verschwunden sein. . .

Bremer Musik mit Literatur-Anspielungen

Der Bremer Schriftsteller Jörn Birkholz („Das Ende der liegenden Acht“) ist auch musikalisch aktiv – mit seinem Bandprojekt „Das Leck“, zu dem neben Birkholz Stephan Groß gehört. Und Verbindungen zur Literatur gehören auch dazu.

2019 erschien bei Friedel Muders auf dem Bremer Label „Fuego“ eine Doppel-CD mit dem Titel „Ferdydurke“ – „Ferdydurke“ ist ein 1938 veröffentlichter grotesker Roman des polnischen Schriftstellers Witold Gombrowicz. Die 77 (!) Stücke und Klang-Skizzen balancierten gekonnt auf der Grenze von Elektro-Punk und Kurzhörspiel.

Nun gibt es ein neues „Leck“-Werk, der Titel diesmal: „Limonka“, Name einer umstrittenen russischen Zeitung, zudem ein russisches Wort für Handgranate. Dieses Mal sind „nur“ 18 Titel auf der CD, sie wirkt zugänglicher als das Vorgänger-Album. Eine deutsche Antwort auf die britischen „Sleaford Mods“? In der Kompromisslosigkeit schon. Hinzu kommt ein untrüglicher Sinn fürs Absurde. Und auch Literatur-Anspielungen gibt es wieder: Gleich der erste Song des Albums heißt „Mobbing in der Gruppe 47“.

Klavier-Hits aus dem Notenbüchlein

Szenenwechsel. Oder besser: Stilwechsel. Der gebürtige Argentinier Juan María Solare, Jahrgang 1966, ist nicht allein Pianist und Komponist, sondern unterrichtet an der Hochschule für Künste in Bremen und an der Universität. Jetzt hat er ein neues Album aufgenommen, „Petzold: Two Minuets from the Notebook for Anna Magdalena Bach“ heißt es.

Die Menuette des Komponisten Christian Petzold haben eine besondere Geschichte. „Sie wurden bis 1979 irrtümlich Johann Sebastian Bach zugeschrieben – wegen ihrer Eintragung in Bachs ,Notenbüchlein für Anna Magdalena‘, eine Notensammlung für Bachs zweite Frau“, so Juan María Solare. „Ironischerweise war das der Hauptgrund für den Erfolg von dieser wunderbaren Musik. Alle andere erhaltenen Stücke von Christian Petzold werden heutzutage extrem selten aufgeführt.“

Die kurzen zwei Menuette Petzolds werden weltweit von Klavieranfängern gespielt. „Daher gibt es kaum professionelle Aufnahmen davon.“ Mit seiner aktuellen Veröffentlichung (auf dem Label „Janus Music & Sound“, zu finden unter anderem auf Spotify und Apple Music) will Juan María Solare diese Lücke schließen.

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