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Bremer Millionen-Coup: Drei Jahre Haft für Komplizin

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Von: Steffen Koller

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Eine Frau verbirgt in einem Gerichtssaal ihr Gesicht hinter einem Aktenordner.
Haft, aber kein Geld: Die 25-Jährige (hier zu Prozessauftakt) half laut Gericht beim Diebstahl der knapp 8,2 Millionen Euro. Doch erhalten hat davon wohl nie etwas. © Koller

Im Prozess um einen Millionen-Coup in Bremen ist die Komplizin der flüchtigen Täterin verurteilt worden. Sie soll wegen Beihilfe zum Diebstahl für drei Jahre in Haft.

Bremen – Als im Mai 2021 knapp 8,2 Millionen Euro bei der Bremer Geldtransporterfirma Loomis verschwinden, spielt sie keine Nebenrolle, sie ist Hauptdarstellerin, ohne sie hätte der Millionen-Coup nicht stattfinden können. So urteilte am Dienstag das Landgericht und sprach eine 25-Jährige wegen Beihilfe zum Diebstahl in einem besonders schweren Fall schuldig. Dafür muss sie nun für drei Jahre in Haft.

Sie wusste alles. Sie wusste was, wann und wo passieren wird. Und das schon lange bevor am 21. Mai 2021 fast 8,2 Millionen Euro aus der Firma Loomis gestohlen werden. Selbst stiehlt die 25-jährige Angeklagte das Geld nicht, doch sie hilft ihrer Freundin und Angestellten bei Loomis, Yasemin Gündogan (28), dabei, den Millionen-Coup in die Tat umzusetzen. Zu dieser Überzeugung gelangte das Gericht nach rund sechsmonatiger Beweisaufnahme.

Gündogans Aufgabe ist simpel: Sie scannt Geldpakete ein, verteilt die Sendungen auf einzelne Container, die später an Kunden ausgeliefert werden sollen. Doch Videoaufnahmen des Unternehmens zeigen, dass die damals 28-Jährige immer wieder Pakete in einen separaten Aluminiumcontainer legt. Zu Schichtende platziert sie Altpapier auf dem Container, schiebt diesen über eine Sicherheitsschleuse in den Außenbereich und gibt vor, den Müll entsorgen zu wollen. Es sind die letzten Aufnahmen der Frau. Kurz darauf lädt sie, womöglich mit Unterstützung eines weiteren Helfers, die knapp 8,2 Millionen Euro in einen angemieteten Transporter samt gestohlener Kennzeichen und fährt davon. Erst vier Tage später fällt der Millionen-Coup auf.

Knapp 8,2 Millionen Euro Beute

Nach Auffassung der Kammer handelt Gündogan jedoch nicht allein. Die 25-jährige Komplizin sei von Beginn an in die Tat eingeweiht gewesen und habe aktiv an der Planung, aber auch der Durchführung und Gündogans Flucht mitgewirkt, hieß es. So haben die Frauen am Tattag 38-mal Kontakt zueinander. Mal sind es Telefonate von nur wenigen Sekunden, mal telefonieren sie mehrere Minuten miteinander. Besonders interessant ist dabei ein Gespräch am Abend: Während des Telefonats ist Gündogans Handy in der Nähe eines Funkmasten eingeloggt, an dem wenig später die gestohlenen Kennzeichen und der leere Container sichergestellt werden. „Von langer Hand geplant“, so das Urteil des Gerichts.

Einen Tag nach dem Diebstahl setzt sich Gündogan ins türkische Izmir ab, nur einen Tag später fliegt auch ihre Komplizin in die Küstenstadt. Flugdaten würden dies beweisen. Dort bucht die 25-Jährige unter ihrem Namen ein Hotelzimmer für Gündogan und vermittelt Kontakte. Die 25-Jährige gilt in dieser Zeit „als einzige Bezugsperson“ für die Gesuchte, hält Kontakt zu deren Eltern und dolmetscht für sie. Fazit des Gerichts: „Sie waren ein Rad in einem größeren Getriebe. Nicht der Kopf des Ganzen, aber wichtig.“

Richter: „Sie waren ein Rad im Getriebe“

Dass die Angeklagte über die Dauer des gesamten Prozesses schwieg, könne er sogar nachvollziehen, sagte der Vorsitzende Richter. Denn Gündogan habe Verbindungen „zu Personen gehabt, die an noch ganz anderen Straftaten beteiligt sind“. Für ihre Mithilfe war der 25-Jährigen wohl auch Geld versprochen worden – erhalten hat sie es nach Ansicht der Kammer jedoch nie. Mehr als 26 000 Euro stellen Ermittler wenige Wochen nach der Tat in ihrer Wohnung sicher. Doch dass das Geld aus dem Millionen-Coup stammt, ließe sich nicht nachweisen.

Der Haftbefehl gegen die Frau bleibt zunächst außer Vollzug. Statt sich wie in den vergangenen Monaten täglich bei der Polizei zu melden, reduzierte der Richter diese Verpflichtung auf zwei Meldungen in der Woche. Bis zu ihrem Haftantritt könnte indes noch Zeit vergehen. Legen die Verteidiger der Angeklagten, die auf Freispruch plädierten, Revision ein, bleibt sie bis zur Entscheidung des Bundesgerichtshofes auf freien Fuß.

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