Revue mit vollem Körpereinsatz

„Mann über Bord 2“ feiert gelungene Premiere auf dem Theaterschiff

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Attraktiv wie ominös: Der männliche Passagier (Andreas Euler) lässt anfangs die Frauenherzen von Beatrice (Astrid Schulz, v. l.), Ines (Sema Mutlu) und Agnieska (Martina Flügge) höherschlagen. Später wird er zum Problem für die drei Grazien.

Bremen - Von Viviane Reineking. Es musste ja so kommen: Dass auch auf dieser Flusskreuzfahrt auf der Weser irgendjemand über die Reling geht, war abzusehen. Dabei fängt alles so entspannt an bei der Premiere von „Mann über Bord 2“ am Donnerstagabend auf dem Theaterschiff. Und endet doch wieder ziemlich dramatisch.

Die Messlatte lag hoch. Schließlich war der erste Teil der musikalischen Revue ein Renner auf dem Spielplan des Theaterschiffs. Eine „sehr unterhaltende“ Komödie versprach Regisseur Dominik Paetzholdt denn auch im Vorfeld der Fortsetzung. Und er sollte, mit kleinen Einschränkungen, Recht behalten.

Wie schon vor einem Jahr finden sich die frivole Polin Agnieska (Martina Flügge), die gutsituierte Beatrice (Astrid Schulz) und die passionierte Hausfrau Ines (Sema Mutlu) wieder an Bord ein: Dieses Mal nicht in Erwartung einer romantischen Auszeit mit ihrem Liebsten, dem Helmut. Der ist schließlich beim letzten Mal schon über Bord gegangen, hat er doch gleich alle drei betrogen. 

Einträchtige „Trauerfeier“

Nun also beginnt die einträchtige „Trauerfeier“ der drei höchst unterschiedlichen Grazien auf dem Außendeck mit Blick in den blauen Himmel, die bereits verdächtig in Szene gesetzte Reling und das opulente Büfett (Bühnenbild: Knut Schakinnis). Männer kommen hier erwartungsgemäß schlecht weg, die Herren im Publikum tragen es mit Humor.

Während Agnieska und Ines in Beatrice die edle Spenderin der Bordkarten wähnen, sieht diese in ihren Gefährtinnen die Geldgeberinnen. Doch wenn beides nicht der Fall ist, wer hat ein Interesse, die Damen gemeinsam an Bord zu wissen? Kehrt Helmut etwa zurück? 

Quälende Gedanken an den an den über Bord Geworfenen sind – vorerst – wie weggeblasen, als der attraktive Frank Sauber (Andreas Euler) zu „Küss die Hand schöne Frau“ eindrucksvoll in Erscheinung tritt. Die Damen sind geplättet – und das Publikum ist es auch: Herrlich zu sehen, wie er die Hüften kreisen lässt und Schwung in die Kreuzfahrt ebenso wie in das Stück bringt. Das plätscherte anfangs ein wenig dahin, nimmt mit ihm nun aber deutlich Fahrt auf.

Damen gehen rabiat zur Sache

Im Kampf um die Gunst des Neuen in ihren Reihen gehen die Damen rabiat zur Sache. „Eine geheimnisvolle Schönheit aus einer rätselhaften Kultur“, sagt der Herr etwa über Agnieska. „Eine stinknormale Polin“, befindet Beatrice. Gabeln fliegen, Teller klirren. Die Darsteller spielen mit ganzem Körpereinsatz – eine Freude, da zuzuschauen.

Dass der attraktive Herr nicht zufällig an Bord ist und gar selbst etwas auf dem Kerbholz hat, kommt nach und nach ans Licht. Und dann taucht doch tatsächlich Helmut wieder auf. Klar, dass das Damen-Trio wieder zusammenhält und am Ende wieder einer über Bord geht.

Die Hausfrau, die Polin, die Betuchte: Das Stück spielt mit klischeehaften Bildern, treibt Stereotype auf die Spitze. Das bewährte Darstellerinnen-Trio (unter anderem „Alles Sülze“ aus der Feder von Astrid Schulz) harmoniert im Zusammenspiel wunderbar. 

Herrlich vor allem der Akzent, den Martina Flügge kaugummikauend bis zum Ende durchzieht und die Lachmuskeln strapaziert. Amüsant ebenso, wie Andreas Euler später im Neoprenanzug mit Flossen über die Bretter stapft – aber auch ein wenig grenzwertig.

Musik aus den 70er und 80er Jahren

Musikalisch haben sich die Theatermacher aus dem Fundus der 70er und 80er Jahre bedient. Ob „Girls Girls Girls“ von „Sailor“ (1976), „Who Are You“ von „The Who“ aus dem Jahr 1978, Falcos „Der Kommissar“ von 1982 oder „I shot the Sheriff“ (1973) von Bob Marley und The Wailers – die Auswahl passt zum Plot des Stücks. 

Nicht immer klingt alles richtig rund, manches Mal braucht es ein paar Töne, bis sich die Darsteller aufeinander abgestimmt haben. Einmal mehr wunderbar Sema Mutlu, die ihr Können vor allem bei Udo Lindenbergs „Ein Kommen und Gehen“ (1987) zeigen kann.

Vorstellungen bis Ende Mai

„Mann über Bord 2“ ist eine gelungene Fortsetzung und Inszenierung mit kleinen Schwächen, über die die leidenschaftlich agierenden Schauspieler leicht hinwegtrösten. Das Stück läuft zunächst bis Ende Mai auf dem Theaterschiff. Karten gibt es in den Geschäftsstellen unserer Zeitung.

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